Nach 2:33 Stunden musste der phasenweise ungewohnt ungenau und wackelig spielende Zverev seinem Gegner gratulieren. Vor allem 31 unerzwungene Fehler kosteten ihn die Chance auf seinen nach 2021 zweiten Wien-Titel. 2025 hatte Zverev das Finale knapp gegen Jannik Sinner verloren.
Match-Center: Alexander Zverev vs. Alex De Minaur
"Ich bin total stolz, wie ich die Situation heute gehandhabt habe", sagte de Minaur, "ich bin immer ruhig geblieben, auch wenn ich Doppelfehler gemacht habe." Zverev blieb indes nicht ruhig, beschwerte sich mehrmals über die nachlassende Qualität der Bälle. "Hältst du es für normal, in einem Turnier mit solchen Bällen zu spielen?", sagte er zu Schiedsrichter Arnaud Gabas und hielt ihm eine Filzkugel vor die Nase.
Damit fällt auch die erhoffte Revanche nach gut zehn Monaten für das dramatische Halbfinale der Australian Open vorerst aus. Im Januar hatte sich Alcaraz in einem Fünf-Satz-Krimi in Melbourne gegen Zverev durchgesetzt. Das 13. direkte Duell (Bilanz: 7:6 für Alcaraz) war das bislang letzte der beiden Topspieler, da der Spanier wenige Wochen später lange verletzt ausfiel.

Zverev war gewarnt
Alcaraz (23) hatte die Weltrangliste mit fünf Unterbrechungen 66 Wochen lang angeführt. Zuletzt hatte er Platz eins im April während seiner Verletzungspause an Jannik Sinner verloren. Zverev hatte mit seinem Viertelfinal-Einzug in Wien sichergestellt, dass er den derzeit verletzten Südtiroler am Montag als Nummer eins ablösen und damit erstmals das ATP-Ranking anführen wird.
Einen Tag nach seinem dominanten Auftritt im Viertelfinale gegen den überforderten Briten Arthur Fery (6:0, 6:2) hatte es Zverev gegen den zähen de Minaur, Nummer zehn der Weltrangliste, deutlich schwerer. Gewarnt war der Favorit immerhin: In zuvor 13. Duellen hatte der Australier den Deutschen immerhin viermal bezwungen.
Zverev hatte vor allem zu Beginn deutliche Probleme mit seinem Aufschlag, gestattete seinem Gegner im ersten Satz acht Breakchancen. De Minaur nutzte eine davon zum 3:2 und sicherte sich nach 50 Minuten den Satzvorsprung. Dies wirkte aber wie ein Wecker: Im zweiten Satz spielte Zverev auf einmal ohne Schwäche, gewann fünf Spiele in Serie. Der immens fitte de Minaur war im Entscheidungssatz aber wieder voll da und machte seinen fünften Sieg gegen Zverev perfekt.
