Carlos Alcaraz bezwang Alex de Minaur im Finale mit 6:1, 6:4 und sicherte sich erstmals den Titel in Wien. Lucas Miedler und Neil Oberleitner krönten ihre starke Form mit einem Heimsieg im Doppel. Für einen weiteren historischen Moment sorgte Alexander Zverev, der in der Wiener Stadthalle den erstmaligen Sprung an die Spitze der Weltrangliste fixierte.
Alcaraz dominiert, De Minaur verhindert das Traumfinale
Fünf Jahre nach seinem letzten Wien-Auftritt kehrte Alcaraz als einer der großen Favoriten zurück. Der 23-jährige Spanier hatte 2021 noch im Halbfinale gegen Zverev verloren. Diesmal war er nicht zu stoppen. Ohne einen einzigen Satzverlust marschierte der siebenfache Grand-Slam-Champion zum Titel und rechtfertigte seine kurzfristige Wildcard eindrucksvoll.
Im Halbfinale wartete mit Daniil Medvedev die bislang schwierigste Aufgabe. Der Wien-Sieger von 2022 hatte zuvor sieben Matches in Folge gewonnen und forderte Alcaraz über weite Strecken. Der Spanier setzte sich dennoch mit 6:4, 7:6 durch und erreichte erstmals das Finale in Österreich.
Im Endspiel folgte eine weitere Machtdemonstration. Alcaraz nahm de Minaur gleich dessen erstes Aufschlagspiel ab und führte schnell mit 4:0. Nach nur 36 Minuten war der erste Satz mit 6:1 entschieden. Der Australier steigerte sich anschließend und hielt den zweiten Durchgang lange offen. Alcaraz blieb jedoch geduldig und verwandelte nach rund eineinhalb Stunden seinen ersten Matchball zum 6:1, 6:4.
„Es war für uns eine tolle und emotionale Woche. Wir hatten eine gute Zeit auf und abseits des Platzes. Es war die richtige Entscheidung, nach Wien zu kommen. Es war wirklich ein großartiges Turnier. 2021 war ich neu auf der Tour, aber ihr habt mich so gut behandelt und ich fühle mich wohl“, sagte Alcaraz nach dem Sieg.
De Minaur durfte Wien trotz der Finalniederlage mit einer positiven Bilanz verlassen. Der 27-Jährige erreichte zum dritten Mal in Folge das Halbfinale in der Stadthalle und schaffte nun erstmals den Sprung ins Endspiel. Besonders bemerkenswert war sein 6:4, 1:6, 7:6-Erfolg gegen Zverev im Halbfinale. Im entscheidenden Tiebreak bewahrte de Minaur die Nerven und verhinderte damit das von vielen erwartete Finale zwischen den beiden topgesetzten Spielern.
Österreichs Einzelspieler bleiben ohne Erfolgserlebnis
Im Einzel blieb der erhoffte österreichische Erfolg aus. Mit Jurij Rodionov und Lukas Neumayer standen lediglich zwei ÖTV-Spieler im Hauptbewerb. Beide mussten sich bereits in der ersten Runde verabschieden. Rodionov, der nach seinen starken Davis-Cup-Leistungen eine Wildcard erhalten hatte, unterlag dem Georgier Nikoloz Basilashvili mit 6:7, 1:6. Nach einem umkämpften ersten Satz fand der Niederösterreicher gegen den druckvoll agierenden Weltranglisten-95. kaum noch Lösungen. „Was mich heute am meisten im Stich gelassen hat, war der Aufschlag“, analysierte Rodionov anschließend.

Für Neumayer war bereits die erfolgreiche Qualifikation ein persönlicher Meilenstein. Der 24-jährige Salzburger eliminierte zwei Top-70-Spieler und erreichte erstmals das Hauptfeld eines ATP-500-Turniers. Dort war der Weltranglisten-16. Jakub Mensik allerdings eine Nummer zu groß. Der Tscheche gewann nach 63 Minuten mit 6:2, 6:2.
Auch Joel Schwärzler und Sebastian Sorger zeigten in der Qualifikation gute Ansätze, mussten sich aber jeweils in drei Sätzen geschlagen geben. Schwärzler verlor gegen Titouan Droguet mit 3:6, 6:3, 5:7, Sorger gegen den favorisierten Fabian Marozsan mit 6:3, 4:6, 4:6.
Miedler/Oberleitner krönen ihre Erfolgsserie mit Heimtriumph
Im Doppel änderte sich das österreichische Bild grundlegend. Miedler und Oberleitner reisten mit dem Masters-Triumph von Shanghai und dem Finaleinzug in Almaty im Gepäck nach Wien. Auch beim Heimturnier waren sie nicht zu stoppen. Der schwierigste Schritt gelang im Viertelfinale gegen die topgesetzten Wimbledon-Champions Harri Heliovaara und Henry Patten. Nach Satzrückstand setzten sich die Österreicher mit 6:7, 7:6, 10:5 durch. Im Halbfinale bewiesen sie beim 7:6, 7:6 gegen Guido Andreozzi und Manuel Guinard erneut starke Nerven.
Das Endspiel vor 9.800 Fans wurde schließlich zu einer rot-weiß-roten Machtdemonstration. Gegen die US-Amerikaner Ryan Seggerman und Learner Tien benötigten Miedler und Oberleitner nur 54 Minuten für einen 6:1, 7:5-Erfolg. Im ersten Durchgang dominierten sie mit zwei Breaks und einem Satzgewinn nach nur 20 Minuten. Im zweiten Satz gelang beim Stand von 5:5 das entscheidende Break. Kurz darauf war der Heimtriumph perfekt.
Für Miedler war es nach 2022 und 2024 bereits der dritte Doppeltitel in Wien. Damit ist der 30-Jährige der erste Österreicher mit drei Doppeltriumphen beim Heimturnier. Oberleitner feierte hingegen seinen ersten ATP-500-Titel. Gemeinsam stehen die beiden nach nur vier Turnierstarts bereits bei zwei Titeln und drei Finalteilnahmen. Zwölf ihrer jüngsten 13 Matches haben die beiden gewonnen.
Zverev schreibt Geschichte, Qualifikanten überraschen
Auch abseits der beiden Endspiele hatte die Turnierwoche zahlreiche Geschichten zu bieten. Die wohl bedeutendste schrieb Zverev. Mit seinem 6:4, 7:5-Achtelfinalerfolg über Tallon Griekspoor sicherte sich der Deutsche erstmals Platz eins der ATP-Weltrangliste. Zverev wird damit als insgesamt 30. Spieler in der Geschichte der ATP an der Spitze geführt. „Es ist ein unfassbar besonderes Gefühl, jetzt hier auf dem Platz zu stehen und zu wissen, dass ich am Montag, wenn die neue Weltrangliste herauskommt, die neue Nummer 1 der Welt bin. Das ist eins der besten Gefühle auf der Welt", erklärte der 29-Jährige noch auf dem Centre Court.
Für die größte Überraschung im Einzel sorgte Arthur Fery. Der britische Qualifikant besiegte unter anderem den gesetzten Italiener Lorenzo Musetti und erreichte das Viertelfinale. Dort endete sein Lauf gegen Zverev mit 0:6, 2:6. Auch Adrian Mannarino spielte sich aus der Qualifikation unter die besten acht und warf mit Mensik einen weiteren gesetzten Spieler aus dem Bewerb. Der Franzose setzte sich im Achtelfinale mit 6:4, 7:5 durch.
Rollstuhltennis begeistert auch in der Marx Halle
Ein weiterer Höhepunkt war die zweite Auflage des Rollstuhltennisturniers. Der Bewerb wurde auf acht Teilnehmer erweitert und lockte zahlreiche Fans in die Marx Halle. Österreichs Nico Langmann feierte mit einem 6:1, 6:3 gegen Luca Arca seinen ersten Sieg bei den Erste Bank Open. Im Halbfinale war gegen den späteren Champion Alfie Hewett Endstation. Der Brite bezwang im Finale Titelverteidiger Gordon Reid mit 6:2, 6:3.

Über 90.000 Fans: Erste Bank Open feiern Zuschauerrekord
Die größte Erfolgsgeschichte der Veranstalter spielte sich allerdings auf den Tribünen ab. Nach 82.000 Fans im Vorjahr durchbrachen die Erste Bank Open 2026 erstmals die Marke von 90.000 Besuchern. Die Wiener Stadthalle war an allen sieben Tagen des Hauptbewerbs ausverkauft – sogar am Montag, was es in der Turniergeschichte noch nie gegeben hatte. „Da können wir kaum noch besser werden. Außer, wir stellen irgendwo noch ein paar Sessel hinein“, scherzte Turnierdirektor Herwig Straka bei der Abschlussbilanz.
Auch die Marx Halle steigerte ihre Besucherzahlen deutlich. Pro Tag kamen dort rund 1.000 Fans mehr als im Vorjahr. Besonders das Zusammenspiel aus Weltklassetennis, öffentlichen Trainingseinheiten, Doppelbewerb und Rollstuhltennis zahlte sich aus. Die Marx Halle entwickelte sich damit endgültig zu einem wichtigen Bestandteil des Turnierkonzepts.
Am Ende stehen Erste Bank Open, die sportlich und organisatorisch neue Maßstäbe setzten. Alcaraz erfüllte die Erwartungen an den Superstar, de Minaur bewies erneut seine Stärke in der Halle und Zverev schrieb mit seinem Sprung auf Platz eins Tennisgeschichte. Während Österreichs Einzelspieler früh ausschieden, sorgten Miedler und Oberleitner für den emotionalen Höhepunkt der Woche. Der Besucherrekord unterstrich zudem die besondere Stellung des Wiener Hallenklassikers.
