"Ich war nach der ersten Session etwas enttäuscht", räumte Wilson ein. "Ich habe Schwarz verschossen, um 4:3 in Führung zu gehen, und hatte einfach Mühe, mich an das neue Tuch und den neuen Ballsatz anzupassen. Nachmittags lief es bei mir nicht rund – Fan ist damit deutlich besser zurechtgekommen. Aber ich wusste, dass meine Form grundsätzlich stimmt."
Der Schlüssel zum Erfolg lag in der Pause: "Es ging nur darum, den Nachmittag abzuhaken, abends neu anzugreifen und an meine Form anzuknüpfen. Das ist mir mit einem Century-Break zum Auftakt perfekt gelungen. Danach konnte ich mit weiteren guten Breaks die Führung übernehmen."
Auch wenn der entscheidende K.-o.-Schlag zunächst ausblieb, behielt der Weltmeister die Kontrolle: "Mit einem starken Break von über 60 Punkten konnte ich das Match endgültig drehen. Danach hat Fan etwas den Faden verloren. Ich bin extrem zufrieden mit meinem Auftritt am Abend."
Zum Match-Center: Kyren Wilson vs. Fan Zhengyi
Obwohl sich Wilson zunehmend als einer der erfolgreichsten Spieler der Tour etabliert, sieht er selbst noch einen weiten Weg bis zu den Größten des Sports. Um in die Top 10 der ewigen Finalliste einzuziehen, fehlen dem Profi aus Kettering noch fünf Endspiele. Um Mark Williams auf Rang 5 (45 Finalteilnahmen) einzuholen, sind es sogar noch 25. Die unangefochtene Spitze hält Ronnie O’Sullivan, der in seiner Karriere unglaubliche 66 Mal im Finale eines Ranglistenturniers stand.
Wilson: "Noch lange nicht da, wo ich hinwill"
Dennoch kann Wilson mit seiner aktuellen Form mehr als zufrieden sein, wenn er nun nach der Alex-Higgins-Trophäe Ende Oktober den nächsten Titel ins Visier nimmt. "Das ist wirklich fantastisch und eine schöne Statistik, die man gerne mitnimmt", erklärte der 34-Jährige gegenüber der World Snooker Tour.
"Es zeigt, dass ich nicht alles falsch gemacht habe. Aber ich bin noch lange nicht da, wo ich hinwill. Zu den wahren Legenden des Sports ist es noch ein riesiger Abstand. Ich würde mich zu gerne mit ihnen messen und meine Erfolgsbilanz weiter ausbauen, aber fürs Erste bin ich auf einem guten Weg. Schon zwei Finalteilnahmen in Folge sind bei dem enorm hohen Niveau auf der Tour eine echte Leistung."
Im Finale der International Championship am Samstag trifft Wilson entweder auf John Higgins oder Chang Bingyu. Gelingt ihm dort sein 12. Ranglistentitel, würde er als erst 16. Spieler der Geschichte zwei Ranglistenturniere in Folge gewinnen. Das zweite Halbfinale zwischen Higgins und Chang findet am Freitag statt.
