Hürzeler schwärmt von dessen Fähigkeit, Gelassenheit auszustrahlen und eine tiefe menschliche Verbindung zu Spielern und Staff aufzubauen: "Zeit mit ihm zu verbringen und über Fußball zu sprechen, ist so wertvoll, weil er dieser Typ ist, der Dinge auf die alte Schule, aber dennoch auf eine moderne Art macht", betont Hürzeler. "Das Hauptaugenmerk legt er auf die Verbindung zu den Menschen. Die Ruhe, die er ausstrahlt: ‚Ich weiß, was ich tue, vertraut mir.‘"
Neben dem Austausch mit Ancelotti nutzte Hürzeler auch seine Expertenrolle für den britischen Radiosender Talksport während der Weltmeisterschaft als persönliche Fortbildung. Die Aufgabe, komplexe Spielabläufe prägnant für das Publikum zusammenzufassen, versteht er als direkt auf den Trainerberuf übertragbar.
Zeitgleich betonte der gebürtige Houstoner seine tiefe Verbundenheit mit seiner neuen Wahlheimat an der englischen Südküste. Er sucht aktiv den Kontakt zur lokalen Bevölkerung und lernt den respektvollen Umgang der Fans sowie der Medien schätzen: "Wenn ich kritisiert werde, werde ich auf die richtige Art und Weise kritisiert. Ich hatte immer das Gefühl, dass es respektvoll war. Also möchte ich etwas zurückgeben. Ich fühle mich jetzt hier in Großbritannien zu Hause, also muss ich mich auch so verhalten, als käme ich von hier", erklärt er und fügt schmunzelnd hinzu, dass er sich von Tag zu Tag "immer britischer" fühle.
Rückschläge wie die Schwächephase im vergangenen Winter, als Brighton aus 13 Ligaspielen nur einen einzigen Sieg holen konnte und Teile des Anhangs seine Entlassung forderten, haben Hürzelers Grundüberzeugung nicht erschüttert. Trotz aufkommender Zweifel an Ergebnissen blieb er seiner taktischen Linie treu. Das Abweichen von Grundprinzipien in Krisenzeiten hält er für den größten Fehler eines Trainers.
Konzentration auf Brighton trotz Bundesliga-Interesse
"Zwei Dinge sind in solchen Phasen wichtig: Lass niemals Zweifel, Angst oder Unsicherheit dein Verhalten oder deinen Glauben beeinflussen", stellt Hürzeler klar. Ein drastischer Wechsel zu einem tiefen Abwehrblock stehe für ihn außer Frage: "Ich bin so überzeugt von meinem Spielstil, meiner Philosophie, dass ich sie nicht ändern werde. Ich werde mich an bestimmte Elemente anpassen und nachjustieren, aber dieses tiefe Fundament wird immer bei mir bleiben."
Diese Unerschütterlichkeit sowie das Vertrauen der Klubführung um Eigentümer Tony Bloom mündeten im Mai in einer dreijährigen Vertragsverlängerung, obwohl Hürzeler auch bei europäischen Topklubs wie Bayer Leverkusen hoch im Kurs stand. Gerüchte über eine Rückkehr zu seinem Jugendverein Bayern München wiegelt er professionell ab und betont sein vollkommenes Engagement für das Projekt in Brighton.
"Ich spüre viel Vertrauen von Tony und Paul (Barber, CEO). Und ich habe immer noch dieses Gefühl, wenn ich ins Bett gehe, dass dieses Team noch nicht fertig ist", führt Hürzeler aus. Er ist überzeugt: "Dieser Klub hat alles, um eines Tages große Dinge zu erreichen, die wirklich im Gedächtnis bleiben. Ich möchte ein Teil davon sein."
Auch beim kaderpolitischen Umbruch des Sommers – geprägt vom Abgang gestandener Leistungsträger und der Verpflichtung junger Talente wie dem Rekordeinkauf Luka Vuskovic – nimmt Hürzeler eine Schlüsselrolle ein. Die Zusammenarbeit mit Eigentümer Tony Bloom beschreibt er als äußerst transparent und auf Augenhöhe, wobei Datenanalysen durch menschliche und charakterliche Faktoren ergänzt werden.
Dreifachbelastung durch Conference League
Den aktuellen Trend im modernen Fußball, Spiele stark über Standardsituationen zu entscheiden, sieht er kritisch, wenngleich er deren Ergebniseinfluss ankennt: "Standardsituationen sind Gamechanger und Matchwinner. Aber auf der anderen Seite wollen wir junge Spieler entwickeln und einen klaren Spielstil haben – Standards sind nicht der größte Teil unserer Identität", stellt er klar und mahnt, das Spektakel für die Fans nicht durch ständige Unterbrechungen zu zerstören.
Mit Blick auf die anstehende Premier-League-Saison und die Dreifachbelastung durch die Conference League zeigt sich Hürzeler entschlossen, gängige Vorurteile über formschwache europäische Teilnehmer zu widerlegen.

Auf die historische Statistik angesprochen, dass Klubs von Brightons Größenordnung unter der europäischen Belastung in der Liga oft einbrechen, entgegnet er gewohnt selbstbewusst: "Ich lese die Statistiken, aber ich bin kein großer Fan davon. Das wird unsere Herausforderung in dieser Saison sein: über die gesamte Saison hinweg konstant zu sein. Und wenn wir konstant sind, können wir diese Statistik als falsch einordnen."
