Matthias Jaissle hüpfte voller Elan aus dem schwarzen Van und lief direkt Nick Woltemade und Malick Thiaw in die Arme. "Oh, da sind die Deutschen", sagte der neue Teammanager von Newcastle United bei seiner Ankunft im spanischen Teamhotel und klopfte Woltemade auf die breiten Schultern. Im Schnelldurchlauf schüttelte Jaissle dann auch den übrigen Spielern die Hand, schließlich hat der neue starke Mann der Magpies keine Zeit zu verlieren.
Verpflichtung mit "gewissem Risiko"
Auf Jaissle wartet eine Herkulesaufgabe: Gerade noch in der Wüste beim saudischen Klub Al Ahli, wird er nun mitten in der Vorbereitung ins kalte englische Wasser geworfen - schon in zwei Wochen beginnt die Premier League. Die ersten Zweifler gibt es bereits. "Diese Verpflichtung birgt ein gewisses Risiko", schrieb die BBC, der Deutsche habe noch nie in einer Top-Liga gearbeitet und sei zudem erst 38 Jahre alt.
Jaissle ist das egal, für ihn wird Newcastle die Chance seines Lebens. "Wenn Newcastle United anklopft, horcht man auf", sagte der Schwabe, der zuletzt zweimal die asiatische Champions League gewonnen hatte. Weil Al Ahli ebenso wie Newcastle im Besitz des saudi-arabischen Staatsfonds PIF ist, war der Weg nicht weit.
United begrüßte den Trainer mit den Worten "Hallo, Hallo" auf Instagram, im Vorstellungs-Video machte einzig die Aussprache des Vornamens ("Matteias") noch Probleme. Dabei spricht man längst Deutsch in der Premier League: Nach Marco Rose (Bournemouth), Fabian Hürzeler (Brighton) und Daniel Farke (Leeds) ist Jaissle schon der vierte deutsche Teammanager, das gab es noch nie.
"Klassischem Red-Bull-Trainer" soll Umbruch gelingen
Auf Jaissle wartet viel Arbeit. Topstar Alexander Isak ist schon seit einem Jahr weg, nun gehen auch Sandro Tonali, Anthony Gordon und wohl auch Kapitän Bruno Guimaraes. In der Liga hatte es für den Champions-League Teilnehmer zuletzt nur noch zu Rang zwölf gereicht.
Und doch macht sich am St. James' Park Aufbruchstimmung breit. Es herrsche "das Gefühl vor, dass dieser Wachwechsel den Beginn spannender Zeiten markiert", schrieb die Sun. Der Guardian bezeichnete Jaissle als "einen der vielversprechendsten jungen Trainer im Fußball".
Tatsächlich verspricht Jaissle, der mit Red Bull Salzburg 2022 und 2023 Meister in Österreich wurde und das Team bis ins Achtelfinale der Champions League führte (1:1 und 1:7 gegen Bayern München), einen Hochgeschwindigkeits-Fußball. "Ich habe in Salzburg mit ihm gearbeitet. Er ist das, was ich einen klassischen Red-Bull-Trainer nennen würde: hohes Pressing, schnelles Umschaltspiel und durchgehend hohe Intensität", sagte der ehemalige Bundesliga-Stürmer Jan Age Fjörtoft.
Die größte Herausforderung werde es aber, einen Draht zur "Toon Army" zu finden, so Fjörtoft, zu den Fans also. Jaissles Vorgänger Eddie Howe war äußerst beliebt, schon am Samstag im Test gegen den FC Valencia werden die Anhänger genau hinschauen. Am 23. August kommt dann der FC Liverpool zum Ligastart. Zeit zu verlieren hat Matthias Jaissle wahrlich nicht.
Zum Match-Center: FC Valencia vs. Newcastle United
