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Joel Schwärzler am Weg Richtung Weltspitze

Joel Schwärzler am Weg Richtung Weltspitze
Joel Schwärzler am Weg Richtung WeltspitzeMatthieu Mirville / Zuma Press / Profimedia

Nummer eins der Junioren-Weltrangliste, Grand-Slam-Sieger im Nachwuchs und mit 20 Jahren bereits dreifacher Challenger-Champion. Joel Schwärzler gilt als eine der größten Hoffnungen im österreichischen Tennis. Der Weg zu den Profis verlief dennoch nicht ohne Umwege. Wir blicken auf seine bisherige Karriere.

Joel Schwärzler ist dort angekommen, wo sich große Nachwuchstalente erstmals dauerhaft mit etablierten Profis messen. Nach seinem dritten Challenger-Titel im August 2026 steht der Vorarlberger auf Rang 150 der Weltrangliste – so hoch wie noch nie. Der nächste Schritt Richtung Top 100 ist damit näher gerückt.

Von Südafrika nach Vorarlberg

Geboren wurde Schwärzler am 27. Jänner 2006 in Sandton in Südafrika. Seine Mutter Ilse ist Südafrikanerin, Vater Matthias stammt aus Vorarlberg und versuchte sich selbst als Tennisprofi. Mit sechs oder sieben Jahren zog Joel mit seiner Familie nach Österreich und wuchs in Hard auf.

Tennis war damit beinahe vorprogrammiert. Auch sein fünf Jahre älterer Bruder Julian spielte und betreibt mittlerweile eine eigene Tennisakademie in Hard. Schon als Kinder lieferten sich die Brüder intensive Duelle. Später wurde Julian auch für Joels Profikarriere wichtig. Aktuell begleitet er seinen jüngeren Bruder auf der Nordamerika-Tour.

Mit 15 Jahren verließ Schwärzler sein Zuhause und wechselte zum Österreichischen Tennisverband. Dort trainierte er unter dem ehemaligen Weltranglisten-Achten Jürgen Melzer. Schon damals war sein Potenzial offensichtlich – ebenso wie sein Temperament. Schwärzler selbst wusste früh, wo sein größtes Entwicklungspotenzial lag. Auf die Frage nach seinen Schwächen antwortete er 2022: „Es sind keine bestimmten Schläge, die meine Schwächen sind. Es ist der Kopf.“

Nummer eins der Junioren

Sportlich machte Schwärzler spätestens 2022 international auf sich aufmerksam. In Prerov wurde er U16-Europameister. Für den Linkshänder war es der Durchbruch im Nachwuchs. Ein Jahr später gewann er die ITF Junior Finals in Chengdu. Im Jänner 2024 folgte schließlich der Sprung auf Platz eins der Junioren-Weltrangliste.

Auch auf Grand-Slam-Ebene sammelte er Erfolge. Bei den US Open 2023 erreichte Schwärzler das Junioren-Doppelfinale. Bei den French Open 2024 ging es noch einen Schritt weiter. Im Einzel stand er im Halbfinale, im Doppel gewann er gemeinsam mit Nicolai Budkov Kjaer den Titel. Im Endspiel setzte sich das Duo gegen Federico Cina und Rei Sakamoto mit 6:4, 7:6 durch.

Historischer Challenger-Titel mit 18

Seinen ersten ATP-Ranglistenpunkt holte Schwärzler im März 2023. Nur etwas mehr als ein Jahr später gelang ihm der erste große Coup bei den Profis. Im Mai 2024 gewann er in Skopje seinen ersten Challenger-Titel. Im Finale besiegte er den Top-100-Spieler Kamil Majchrzak mit 6:3, 6:3. Schwärzler war erst 18 Jahre alt und gleichzeitig die Nummer eins der Junioren. Vor ihm hatten lediglich Nick Kyrgios, Taylor Fritz und Wu Yibing als amtierende Junioren-Nummer-eins ein Challenger-Turnier gewonnen.

Der Sprung auf die ATP-Tour folgte noch im selben Jahr. In Kitzbühel bestritt Schwärzler sein erstes Hauptfeldmatch auf höchster Ebene. Wenige Monate später bekam er bei den Erste Bank Open in Wien die nächste Wildcard und traf auf Alexander Zverev. Beide Partien gingen verloren. Der Weg nach oben schien trotzdem vorgezeichnet. Ganz so schnell ging es dann aber nicht.

 

 

Umwege auf ITF- und Challenger-Ebene

Nach der Trennung von Melzer im Herbst 2024 suchte Schwärzler nach einem neuen Umfeld. Ein zwischenzeitlicher Wechsel nach Spanien brachte nicht den gewünschten Effekt. 2025 musste er sich seine Sicherheit teilweise wieder auf der ITF-Tour holen.

Bei den M25-Turnieren in Klosters und Bastia-Lucciana erreichte er jeweils das Endspiel. Danach wurden auch die Resultate auf Challenger-Ebene besser. In Bonn stand Schwärzler im Halbfinale, in Sofia erreichte er erstmals seit seinem Triumph in Skopje wieder ein Challenger-Finale. Zum Jahresende stand er auf Platz 256 der Weltrangliste.

Betreut wurde Schwärzler mittlerweile vom ehemaligen Davis-Cup-Spieler Markus Hipfl. Die Zusammenarbeit brachte ihn wieder nach vorne. Der endgültige Durchbruch sollte aber erst 2026 folgen.

Zwei Titel und Karrierehoch im Jahr 2026

Der Saisonstart brachte zunächst das nächste Ausrufezeichen. Ende Februar erreichte Schwärzler das Challenger-Finale von Lugano. Nur eine Woche später wechselte er vom Hallen-Hartplatz auf den Sand in Kigali und holte dort den Titel. Der Weg dorthin war spektakulär. Schwärzler bestritt im Turnierverlauf zehn Tiebreaks und gewann neun davon. Gegen Zdenek Kolar wehrte er im Achtelfinale sogar zehn Matchbälle ab. Im Finale schlug er Stefano Napolitano mit 7:6, 7:6. Erstmals zog Schwärzler anschließend in die Top 200 ein.

Bei den French Open und in Wimbledon durfte er 2026 erstmals Grand-Slam-Qualifikation bei den Herren spielen. In Paris erreichte er die zweite Runde, in London war zum Auftakt Schluss. Auch auf der ATP-Tour wartet er weiterhin auf seinen ersten Sieg. In Kitzbühel unterlag er im Juli Landsmann Jurij Rodionov klar mit 4:6, 2:6.

 

Joel Schwärzler in Wimbledon
Joel Schwärzler in WimbledonČTK / imago sportfotodienst / Juergen Hasenkopf

 

Die Niederlage hatte Folgen, denn Schwärzler beendete die Zusammenarbeit mit Hipfl. Die Reaktion auf dem Platz fiel umso stärker aus. Anfang August gewann Schwärzler beim Challenger in Grodzisk Mazowiecki seinen dritten Titel. Im Finale besiegte er Andrea Guerrieri mit 7:6, 6:1. Nach zuvor sieben Niederlagen in acht Matches war das Turnier ein Befreiungsschlag und der Sprung auf Karrierehoch Rang 150.

Der nächste Schritt heißt Top 100

Aktuell befindet sich Schwärzler erneut auf Trainersuche. In Nordamerika wird er vorübergehend von Bruder Julian begleitet. Eine mögliche langfristige Lösung könnte Günter Bresnik sein. Der ehemalige Coach von Dominic Thiem kennt Schwärzler bereits aus gemeinsamen Trainingseinheiten. Eine Entscheidung über seinen neuen Trainer möchte Schwärzler spätestens bis zum Saisonende treffen.

 

 

Sportlich stehen die nächsten Ziele bereits fest. Schwärzler will erstmals den Sprung in ein Grand-Slam-Hauptfeld schaffen. Zudem liegt er nach seinem Titel in Polen auf Rang vier im Next Gen Race und damit voll im Rennen um die Teilnahme am Saisonfinale der besten U21-Spieler. Danach wartet die nächste große Marke: die Top 100.

Dass Schwärzler das spielerische Potenzial dafür besitzt, hat er längst gezeigt. Jetzt geht es darum, dieses Niveau konstant abzurufen. Genau darin liegt die wichtigste Aufgabe für Österreichs derzeit größten Hoffnungsträger im Herrentennis.