NBA: Lakers-Stars in Houston abgeschmettert – "Wemby" und Spurs kurz vor Weiterkommen

Victor Wembanyama feiert den Sieg der San Antonio Spurs in Spiel 4 der NBA-Playoff-Serie.
Victor Wembanyama feiert den Sieg der San Antonio Spurs in Spiel 4 der NBA-Playoff-Serie.SOOBUM IM / GETTY IMAGES VIA AFP

Angeführt von Rückkehrer Victor Wembayama haben die San Antonio Spurs in Spiel vier der NBA-Playoff-Serie gegen die Portland Trail Blazers einen 19-Punkte-Rückstand gedreht. Während die Boston Celtics nach dem Ausrutscher am Dienstag wieder in der Spur sind, bekommen die Los Angeles Lakers um LeBron James und Luka Doncic einen mächtigen Schuss vor den Bug.

Portland Trail Blazers 93:114 San Antonio Spurs

Victor Wembanyama ist zurück – und wie! Nach seiner Gehirnerschütterung kehrte der "Defensive Player of the Year" aufs Parkett zurück und legte mit 27 Punkten, 11 Rebounds und beeindruckenden 7 Blocks eine Galavorstellung hin. Die San Antonio Spurs besiegten die Portland Trail Blazers deutlich mit 114:93 und führen in der Serie nun mit 3:1. Trotz des Erfolgs gab sich "Wemby" nach dem Spiel kritisch gegenüber dem vorgeschriebenen Protokoll seiner Rückkehr, betonte aber die exzellente Behandlung durch das medizinische Personal.

Dabei sah es zur Halbzeit noch düster für die Spurs aus. Portland überrollte die Gäste in der ersten Hälfte förmlich und führte zeitweise mit 19 Punkten Vorsprung. Deni Avdija, der mit 26 Punkten bester Werfer der Blazers war, krönte einen 18:3-Lauf zur 58:41-Pausenführung. Doch San Antonio kam wie verwandelt aus der Kabine: Mit einem 13:0-Run zu Beginn des dritten Viertels schmolz der Vorsprung der Blazers dahin, bevor Devin Vassell die Spurs schließlich in Führung brachte.

Im Schlussviertel zeigten die Spurs dann ihre ganze Tiefe. De’Aaron Fox steuerte 28 Punkte bei und sorgte zusammen mit Keldon Johnson durch einen Hagel von Dreiern für die Vorentscheidung. Die Stimmung im Moda Center wurde gegen Ende hitzig, als sich Avdija und Stephon Castle ein handfestes Wortgefecht lieferten, das in technischen Fouls endete. Avdija erklärte später, er ließe sich ein gewisses Maß an Respektlosigkeit nicht gefallen.

Wembanyama lobte nach dem Sieg vor allem den Teamgeist: "Es gibt kein unnötiges Drama bei uns. Wir gedeihen, wenn wir uns für andere aufopfern." Diese Uneigennützigkeit könnte der Schlüssel sein, um die Serie bereits am Dienstag in San Antonio zu entscheiden. Portland steht nun mit dem Rücken zur Wand und muss dringend Lösungen finden, um die defensive Präsenz des französischen Giganten zu neutralisieren.

Philadelphia 76ers 96:128 Boston Celtics

Die Boston Celtics sind nur noch einen Sieg vom Einzug in die nächste Runde entfernt. Mit einem überzeugenden 128:96-Sieg gegen die Philadelphia 76ers stellten sie auf 3:1 in der Serie. Überragender Akteur war Payton Pritchard, der von der Bank kam, sechs Dreier versenkte und 32 Punkte beisteuerte. Auch Jayson Tatum glänzte mit 30 Punkten und 11 Assists. Boston demontierte Philly bereits zum zweiten Mal in dieser Serie mit über 30 Punkten Vorsprung und dominierte vor allem die Bretter (51:30 Rebounds).

Das große Thema vor dem Spiel war die Rückkehr von Joel Embiid, der nur 17 Tage nach einer Blinddarm-Operation wieder auf dem Feld stand. Der Center startete furios und erzielte die ersten acht Punkte seines Teams, inklusive eines krachenden Dunks. Doch der emotionale Schub verpuffte schnell. Embiid wirkte mit zunehmender Spieldauer erschöpft und verfehlte sieben Würfe in Folge. "Soll ich mich hinsetzen und weinen?", kommentierte er gewohnt trocken seine jüngste Verletzungsmisere.

Während Embiid kämpfte, blieb der Rest der Sixers blass. Star-Guard Tyrese Maxey fand in der ersten Halbzeit kaum statt und nahm lediglich drei Würfe, was er nach dem Spiel als "inakzeptabel" bezeichnete. Die Celtics hingegen spielten wie aus einem Guss. Besonders bemerkenswert: In der ersten Halbzeit erzielten sie 13 Punkte aus zweiten Chancen, während Philadelphia in dieser Kategorie leer ausging. Zur Pause führte Boston bereits mit 21 Punkten.

Die Celtics wirken derzeit wie das Maß aller Dinge im Osten. Coach Joe Mazzulla lobte besonders Pritchard für seine Aggressivität und die Fähigkeit, das Tempo zu diktieren. Da Tatum nach seiner schweren Verletzung aus dem Vorjahr wieder zu alter Stärke gefunden hat, scheint der Weg für Boston geebnet. Die 76ers müssen am Dienstag in Boston gewinnen, um ein vorzeitiges Aus zu verhindern, doch Trainer Nick Nurse weiß, dass dafür vor allem ein "mentaler Ruck" nötig ist.

Houston Rockets 115:96 Los Angeles Lakers

Der Besen kann im Schrank bleiben! Die Houston Rockets haben den drohenden "Sweep" in letzter Sekunde abgewehrt und die Los Angeles Lakers mit einer deutlichen 96:115-Abreibung nach Hause geschickt. Nachdem die Lakers die ersten drei Spiele für sich entscheiden konnten, schien der Einzug in die nächste Runde nur noch Formsache zu sein. Doch Houston dachte gar nicht daran, sich kampflos zu ergeben und nutzte die Schwächen der Lakers-Starter gnadenlos aus.

Besonders bitter für L.A.: Superstar LeBron James erwischte einen Abend zum Vergessen. Mit nur 10 Punkten bei einer mageren Trefferquote von 2 aus 9 aus dem Feld lief beim "King" fast nichts zusammen; obendrauf gesellten sich acht schmerzhafte Ballverluste. Auch die Abwesenheit der verletzten Leistungsträger Luka Doncic und Austin Reaves wog schwer. Da halfen auch die 19 Punkte von Deandre Ayton wenig, der zu allem Überfluss nach einem Flagrant-2-Foul vorzeitig in die Kabine geschickt wurde.

Auf der anderen Seite zeigten die Rockets, dass sie auch ohne ihren verletzten Star Kevin Durant (Knöchel) ein hochexplosives Team sind. Angeführt von Amen Thompson, der 23 Punkte beisteuerte, lieferte die gesamte Starting Five ab und erspielte sich zeitweise einen massiven Vorsprung von 28 Zählern. Alperen Sengün (19 Punkte), Reed Sheppard (17) und Tari Eason (20) zerlegten die Lakers-Defensive nach allen Regeln der Kunst und hielten die Hoffnungen der texanischen Fans am Leben.

Für Houston ist dieser Sieg Balsam auf die Seele, nachdem man im Vorjahr noch knapp in der ersten Runde an den Warriors gescheitert war. Nun wandert die Serie beim Stand von 3:1 zurück nach Los Angeles, wo am Mittwoch die nächste Möglichkeit zur Entscheidung ansteht. Der Sieger dieses Duells darf sich im Halbfinale der Western Conference auf den Gewinner der Paarung Oklahoma City Thunder gegen Phoenix Suns freuen – dort steht OKC bereits mit 3:0 kurz vor dem Einzug in die nächste Runde.

Toronto Raptors 93:89 Cleveland Cavaliers

Was für eine Abwehrschlacht im Norden! Die Toronto Raptors haben die Serie gegen die Cleveland Cavaliers zum 2:2 ausgeglichen, obwohl sie aus der Distanz so gut wie gar nichts trafen. Mit einer katastrophalen Quote von vier Treffern bei 30 Versuchen von der Dreierlinie stemmten sich die Raptors gegen die Niederlage. Scottie Barnes behielt in der Schlussminute die Nerven und verwandelte die entscheidenden Freiwürfe zum 93:89-Sieg. "Jetzt ist es eine Best-of-Three-Serie", rechnete Clevelands Star-Guard James Harden vor.

Neben Barnes, der 23 Punkte sammelte, lieferte Brandon Ingram ebenfalls 23 Zähler ab. Dass Toronto trotz der offensiven Aussetzer gewann, lag vor allem an der galligen Verteidigung. Coach Darko Rajakovic lobte sein Team überschwänglich dafür, dass sie "nie gezuckt" hätten. Selbst als die ersten 14 Dreier des Spiels allesamt ihr Ziel verfehlten, blieben die Raptors defensiv stabil. Ein später 10:2-Lauf am Ende des vierten Viertels drehte die Partie endgültig zugunsten der Kanadier.

Auf der Gegenseite erlebte Donovan Mitchell einen Abend zum Vergessen. Zwar erzielte er 12 seiner 20 Punkte im Schlussviertel, doch insgesamt landeten nur sechs seiner 24 Würfe im Korb. Besonders schmerzhaft war ein technischer Fehler in der Crunchtime, als er den Ball nicht rechtzeitig über die Mittellinie brachte, sowie ein vergebener Dreier zum möglichen Ausgleich kurz vor Schluss. Cleveland leistete sich insgesamt 18 Ballverluste, was Coach Kenny Atkinson als mangelnde Energie und Physis gegenüber dem Heimteam kritisierte.

Die Serie wandert nun für Spiel 5 zurück nach Cleveland. Während die Cavaliers mit ihrer Wurfauswahl und den Turnovern hadern, blicken die Raptors auf ihre erste Serie von zwei Postseason-Siegen in Folge seit 2022 zurück. Das Momentum scheint im Moment in Toronto zu liegen, doch in dieser engen Serie, in der selbst NBA-Commissioner Adam Silver als Zuschauer kaum hochklassiges Shooting sah, ist noch alles offen.