"Wir sind in der Situation, in der wir sein wollten. Ich bin sehr glücklich", sagte der 29-Jährige nach seinem Triumph auf der neunten Etappe der Italien-Rundfahrt. Am montäglichen Ruhetag durfte er sich dann entspannt zurücklehnen. Ins Trikot des Gesamtführenden ist Vingegaard bislang zwar noch nicht geschlüpft, doch dass er den tapferen, aber auf höchstem Level nicht konkurrenzfähigen Afonso Eulálio bald überflügeln wird, scheint eine Frage der Zeit.
Zu stark präsentierten sich Vingegaard und sein Team Visma-Lease a Bike in der langen ersten Woche. Das große Ziel haben sie klar vor Augen: Als achter Fahrer der Radsport-Geschichte will der zweimalige Gewinner der Tour de France und der Triumphator der letztjährigen Spanien-Rundfahrt am 31. Mai seine Titelsammlung bei den Grand Tours vervollständigen.
Es froht Langeweile: Giro-Sieg in Trainingsmanier?
Es wäre, wie Vingegaard vor dem Giro erklärte, der letzte Schritt zur "kompletten Karriere". Ein echter Prestigeerfolg. Und einer, mit dem er endlich mal wieder seinem großen Rivalen etwas voraus hätte. Ausnahmefahrer Tadej Pogacar nämlich hat das "Triple" bislang nicht geschafft - 2019 reichte es für den Slowenen im Alter von 20 Jahren bei seiner bislang einzigen Vuelta-Teilnahme "nur" zu Rang drei.
Apropos Pogacar: Im Juli will Vingegaard den Slowenen dann auch mal wieder im direkten Wettstreit attackieren. Bei der Tour de France. Nach zwei recht schmerzhaften Niederlagen in den vergangenen Jahren. Der Giro ist trotz aller Relevanz also auch irgendwie ein Trainingslager. Und mit Blick auf das Duell, dem die Radsportfans schon jetzt entgegenfiebern, gab es für Vingegaard in Italien bislang gute Nachrichten.
Gewiss, die Entscheidung fällt erst in der dritten Rundfahrtwoche in den Dolomiten, doch drängt sich nach den ersten Bergetappen der Eindruck auf, dass Vingegaard den Gesamtsieg sogar recht locker erreichen kann - lediglich der Österreicher Felix Gall überzeugte zuletzt, doch auch ihn ließ Vingegaard (unter anderem) am Corno alle Scale hinter sich. Gut möglich also, dass der Däne in der entscheidenden Phase sogar ein paar Körner sparen kann. Für das noch größere Ziel namens Tour-Sieg Nummer drei.
