Schwache Strecke und starker Vingegaard: Die Tops und Flops der ersten Giro-Woche

Paul Magnier bejubelt den Etappensieg beim Giro d'Italia.
Paul Magnier bejubelt den Etappensieg beim Giro d'Italia.HRISTO RUSEV / NURPHOTO VIA AFP

Nach dem packenden Auftakt in Bulgarien bot die erste Woche des Giro d'Italia gewohnt hohes Drama. Zeit für eine erste Bestandsaufnahme.

Tops

Paul Magnier

Zwei Etappensiege und das Maglia Rosa als Belohnung: Der Franzose hat sich in dieser ersten Woche eindrucksvoll als Top-Sprinter der Rundfahrt etabliert – noch vor Jonathan Milan. Ohne den Sturz von Dylan Groenewegen im Finale von Neapel hätte der Soudal-Quick-Step-Profi sogar den Hattrick perfekt machen können. Wie Magnier nach einem eigenen Sturz wieder aufs Rad stieg und noch auf Platz drei sprintete, war mindestens so beeindruckend wie seine Erfolge in Bulgarien.

Jonas Vingegaard

Ein spektakulärer Triumph am Blockhaus und ein ebenso effektiver Auftritt am Corno alle Scale: Jonas Vingegaard knüpft nahtlos an seine starke Frühform an. Der Däne agiert spürbar offensiver als in der Vergangenheit. Auch wenn er das Rosa Trikot noch nicht trägt, dürfte er der Konkurrenz im Zeitfahren am Dienstag weiter entkommen – ein echter Rivale auf Augenhöhe ist aktuell nicht in Sicht.

UAE Team Emirates XRG

Der Start in die Rundfahrt glich einem Desaster: Gleich drei Fahrer mussten nach demselben Sturz vorzeitig aufgeben, darunter Kapitän Adam Yates. Dennoch schlug das Team dreimal furios zurück – durch Jhonatan Narváez (in Cosenza und Fermo) sowie Igor Arrieta (in Potenza). Arrieta fing nach einem völlig wilden Etappenfinale samt Sturz und Fahrfehler auf den letzten Metern den ebenfalls gestürzten und völlig entkräfteten Afonso Eulálio noch ab. Damit hat UAE Team Emirates XRG einen eigentlich verkorksten Giro bereits jetzt mehr als gerettet.

Afonso Eulálio

Der Portugiese war die große Überraschung der ersten Woche – auch ohne Etappensieg ist seine Leistung bemerkenswert. Am Blockhaus hielt er den Schaden in Grenzen und verteidigte einen Großteil seines Vorsprungs aus der Fluchtgruppe der 5. Etappe. Auch am Sonntag am Corno alle Scale musste er sichtlich kämpfen, rettete sich aber mit nur 41 Sekunden Rückstand auf Vingegaard ins Ziel.

Flops

Die Zielankünfte in Bulgarien und Neapel

Es stellt sich die Frage, ob die Organisatoren die Risiken bewusst ignorieren oder die Sicherheit schlichtweg vernachlässigen. Die Etappen in Bulgarien offenbarten eklatante Mängel in der Streckenplanung, geprägt von schweren Stürzen und Schrecksekunden – solche Zielgeraden kannte man zuletzt von der Polen-Rundfahrt vergangener Jahre. Zudem bot die erste Woche zwei Massensprints auf nassem Kopfsteinpflaster. Bei Regen und Feuchtigkeit glich das Asphalt-Layout einer Rutschbahn – in Neapel war das Chaos vorprogrammiert. Dass die Fahrer gegen diese mangelhafte Absicherung nicht protestierten, grenzt an ein Wunder.

Giulio Pellizzari

Der Italiener wollte Vingegaards Antritt am Blockhaus kontern, ging das Tempo des Dänen aber zu blauäugig mit. Nur einen Kilometer später brach er völlig ein und wurde vom stark aufgelegten Felix Gall mühelos stehen gelassen. Dieser Trend setzte sich am Sonntag am Corno alle Scale fort: Pellizzari zeigte schon auf den ersten Metern Schwächen und verlor im Ziel 1:28 Minuten. Dass er im Gesamtklassement damit "nur" 2:51 Minuten hinter Vingegaard liegt, ist noch glimpflich – macht aber wenig Hoffnung für die verbleibenden zwei harten Rennwochen.