Kiels "Traum" von Titel und Champions League lebt: Deutsche Dominanz im Halbfinale

Johansson überragte mit 14 Treffern und dem entscheidenden Siebenmeter
Johansson überragte mit 14 Treffern und dem entscheidenden SiebenmeterČTK / imago sportfotodienst / Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn

Erst fuhr Torwart-Star Andreas Wolff im Siebenmeter-Thriller seine rechte Pranke aus, kurz danach netzte Eric Johansson dann zur Entscheidung unten rechts ein - und verwandelte die Kieler Handball-Arena in ein Tollhaus wie zu besten Zeiten. "Jetzt fahren wir nach Hamburg - das war unser großer Traum. Und den haben wir uns erfüllt", jubelte THW-Trainer Filip Jicha.

Während auf den Rängen nach dem 34:29 nach Siebenmeterwerfen gegen den kroatischen Vizemeister RK Nexe Nasice pure Ekstase herrschte und die Spieler wilde Freudentänze auf dem Spielfeld aufführten, spürte Jicha vor allem eines: Erleichterung. "Am Ende bin ich sehr glücklich für meine Jungs, weil wir aktuell durch eine wirklich intensive Phase in unser aller Handball-Karrieren gehen", sagte er. Sein Team hatte im Moment des maximalen Drucks die Nerven behalten.

Zum Match-Center: THW Kiel vs. Nexe

Mit dem dramatischen Einzug ins Final Four wahrten die verletzungsgeplagten Kieler nicht bloß ihre letzte Titelchance in einer bislang so enttäuschenden Saison. Vielleicht noch wichtiger: Die Hoffnung auf die Champions League lebt. Dem European-League-Sieger - das macht eine Teilnahme am Finalturnier am 30. und 31. Mai in Hamburg noch interessanter - winkt unter Umständen ein Königsklassen-Startplatz in der kommenden Saison.

"Haben abgeliefert"

"Ich bin wirklich stolz auf mein Team und den Staff in unseren Klub", sagte Siegtorschütze Johansson, der mit zehn Treffern groß auftrumpfte und so die Aufholjagd nach dem verlorenen Hinspiel (30:33) erst möglich machte. "Der Erfolg tat gut, weil wir in den vergangenen Wochen einige Downs hatten. Aber wir haben heute abgeliefert - gegen alle Widrigkeiten."

Beim Final Four warten dann alte Bekannte. Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt, der die TSV Hannover-Burgdorf (43:35 nach 39:39 im Hinspiel) ausschaltete, gehört am Freitag bei der Auslosung in Wien ebenso zu den möglichen Halbfinalgegnern wie die MT Melsungen und Vorjahresfinalist Montpellier HB aus Frankreich. Damit streiten just jene vier Teams um die Krone, die auch schon im vergangenen Jahr in Hamburg dabei waren.

Deutsche Dominanz im Final Four

Flensburg, das - ganz im Gegensatz zu Kiel - als Zweiter auch über die Liga noch alle Chancen auf die Champions League hat, behielt im Torfestival in Hannover die Nerven. Die SG konnte sich vor allem auf seine dänische Europameister-Power verlassen. Hinten lieferte Torhüter Kevin Möller eine starke Partie, vorn spielte Nachnamens-Vetter Lasse Möller groß auf. Melsungen kam trotz eines 19:23 (9:12) beim portugiesischen Rekordchampion FC Porto weiter, das 28:23 aus dem Hinspiel reichte knapp.

Die European League ist seit Jahren eine deutsche Angelegenheit. Seit 2004 kam der Sieger nur zweimal nicht aus der Bundesliga (Lissabon 2022, Pick Szeged 2014), zuletzt triumphierte Flensburg zwei Jahre in Folge. Kiel, Frisch Auf Göppingen und der SC Magdeburg sind mit vier Titeln Rekordsieger.