Deshalb stellen sich in München nach zwei Zusammenbrüchen Musialas innerhalb von nur vier Tagen drängende Fragen: Wie plant Bayern-Trainer Vincent Kompany in den nächsten Wochen? Wie belastbar ist Musiala? Kann der junge Mann überhaupt noch auf Topniveau Leistung bringen? Wie sehr schränkt ihn die Erkrankung künftig ein?
Antworten gibt es vor dem Franz-Beckenbauer-Supercup am Samstag (20.30 Uhr/Sky und Sat.1) bei Vizemeister Borussia Dortmund kaum. Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat in einem RTL/Sky-Interview aber angedeutet, dass der Rekordmeister "mittelfristig" ein Problem habe. "Wir haben uns darauf nicht vorbereiten können. Wir müssen erst lernen, mit dieser Situation umzugehen." Der FC Bayern müsse sich an die Situation "herantasten", sagte der Klub-Patron.
Woher kommen Musialas Probleme?
Doch wie tastet man sich an so ein "Drama" (Hoeneß) heran? Es ist kaum vorstellbar, dass Kompany am Samstag beim BVB oder auch beim Ligastart am 28. August gegen den VfB Stuttgart auf Musiala setzt. Dem FC Bayern liegt zwar eine Versicherung von Ärzten vor, dass ein Einsatz aus medizinischer Sicht unbedenklich sei. "Ohne das hätten wir uns ja fahrlässig verhalten", sagte Hoeneß. Dennoch: Das Risiko, dass Musiala erneut kollabiert, ist momentan jederzeit gegeben. "Wir haben mit allem gerechnet, nur nicht mit dieser Häufung", räumte Hoeneß ein.
Doch warum es gerade jetzt zu dieser Häufung kommt, zumal der Verein schon seit Monaten von der Erkrankung wusste, ist unklar. Hat sich die Erkrankung verschlechtert? Wurde die Medikation verändert? Immerhin hatte Musiala auch beim deutschen WM-Desaster in den vier Spielen bis zum Aus mitgewirkt, dreimal sogar von Beginn an. Auffälligkeiten gab es keine. Auch beim FC Bayern seit seinem Comeback im Januar waren keine offensichtlichen Probleme aufgetreten.
Was tun? Dem Klub bleibt nur das Prinzip Hoffnung. Man sei in "Absprache mit den Neurologen, mit seinen Ärzten", sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. Diese hätten sich "dafür ausgesprochen, dass er spielt, dass der Klub ihn spielen lässt. Und insofern hoffen wir gemeinsam, dass die Stabilität wieder zurückkehrt und er wieder zu seinem alten Spiel zurückfindet." Zumal die Erwartungen an Musiala, der als riesiges Versprechen für die Zukunft gilt und pro Jahr rund 25 Millionen Euro verdient, weiter hoch sind.
Auch seine betroffenen Kollegen wissen nicht so recht, wie sie die Situation einschätzen sollen. Es bleibe nichts anderes übrig, betonte Superstar Harry Kane, "dass wir respektieren müssen, wie er damit umgehen möchte. Er arbeitet unglaublich hart, vor allem seit seiner Verletzung im letzten Jahr, um wieder das höchste Niveau zu erreichen. Aber im Moment geht es einfach darum, Jamal das so handhaben zu lassen, wie er es möchte. Und wir unterstützen ihn zu 100 Prozent."
Musiala will nur "Passion" nachgehen
Die Bayern haben auf Musialas Position hinter Torjäger Kane zumindest vorgebaut. Sportvorstand Max Eberl hatte frühzeitig Ismael Saibari, dessen Lieblingsposition die "10" ist, für die Münchner Offensive verpflichtet. Dessen Transfer für 55 Millionen Euro erscheine angesichts der Sorgen um Musiala "in neuem Licht", schrieb die SZ.
Und Musiala? Der Jungstar kämpft mit der Unterstützung von Ärzten um seine Karriere, um ein unbeschwertes Fußballer-Leben. Was ihm nun bei der Genesung am meisten helfe? "Meiner Passion, Fußball zu spielen, weiter nachzugehen." Doch kann und darf er das zeitnah überhaupt?
