"Es ist nicht die deutsche Meisterschaft, nicht der DFB-Pokal oder die Champions League - aber es ist ein Titel", sagte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken am Donnerstag. "Ich möchte hier im Stadion nicht sehen, wie die Bayern einen Titel feiern." Er wolle sehen, "dass wir mutig, bereit und hungrig sind. Erschwerend ist, dass die Bayern das wohl ähnlich sehen..."
Besonders Ole Book wird interessiert hinschauen, er hatte zuletzt alle Hände voll zu tun. Immer wieder stand der neue BVB-Sportdirektor auf Präsentationsfotos links neben einem lächelnden Hoffnungsträger, Ricken positionierte sich rechts, und gemeinsam hielten alle drei ein schwarzgelbes Trikot hoch.
Book, der bei der SV Elversberg in der vergangenen Saison noch im Hunderttausender-Bereich unterwegs war, holte Konstantinos Karetsas (KRC Genk) für mehr als 30 Millionen Euro, er verpflichtete dessen griechischen Landsmann Giannis Konstantelias (PAOK Saloniki) für 30 Millionen, und am Dienstag legte er noch 20 Millionen für den Niederländer Joey Veerman von der PSV Eindhoven nach.
"Wir gehen von fünfzig Pflichtspielen aus, einer enormen Belastung, auch noch davon, dass fast ausschließlich Nationalspieler im Team sind", sagte Book, der nach der Absage an Said El Mala und den 1. FC Köln geradlinig und zügig seinen Plan B umsetzte. Der Kader soll optimal besetzt sein - und neuerdings auch wieder: jung. 110 Millionen Euro hat der BVB im Sommer ausgegeben, für sechs Spieler. Vier davon sind 19 oder jünger, nur Veerman (27) ist älter als 23. Zum Vergleich: 110 Millionen investierten auch die Bayern - in Ismael Saibari (PSV) und Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt/je 55).
Der BVB kehrt also zurück zu einer Transferpolitik, von der er sich einst einigermaßen genervt abgewandt hatte. Weg von den "fertigen" Spielern, die das Gehaltsbudget belasten, hin zu überaus talentierten Jungprofis, die in Dortmund hoch hinaus wollen. Das Ziel wird sein, die Stars von morgen zu entwickeln, aber auch zu halten. Und dabei erheblich attraktiveren Fußball zu bieten als in der zähen Vorsaison.
Einsparungen vor allem beim Gehalt
"Wenn wir es schaffen, noch mehr Kreativität und offensive Durchschlagskraft hinzuzugewinnen, dann können wir noch stärker werden", sagt Book. Die beste Abwehr der Liga (34 Gegentore) hatte der BVB ohnehin schon, den Fans aber fehlte das Spektakel. Spieler wie Karetsas, der hervorragende Ansätze in den Tests zeigte, sollen es zurückbringen.
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Parallel arbeitete Book daran, die Gehaltskosten einzudämmen. Großverdiener wie Niklas Süle (Karriereende), Julian Brandt (Ajax Amsterdam) oder Karim Adeyemi (FC Barcelona) haben den Verein verlassen - dadurch konnte der BVB auf dem Markt größer rangehen, obwohl sich die Transfereinnahmen mit insgesamt knapp 40 Millionen Euro in Grenzen hielten.
"Es ist nicht der große Umbruch, den vielleicht viele zu verschiedenen Zeiten mal befürchtet hatten", sagt Book. "Wir haben sehr, sehr viele Leistungsträger und Topspieler behalten, dazu haben wir einige spannende Neuzugänge geholt." Am Samstag stehen sie auf dem Prüfstand.
