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Von Tirol über Lyon ins ÖFB-Team: Felix Bacher im Flashscore-Portrait

Von Tirol über Lyon ins ÖFB-Team: Felix Bacher im Flashscore-Portrait
Von Tirol über Lyon ins ÖFB-Team: Felix Bacher im Flashscore-PortraitČTK / imago sportfotodienst / Jordy Fourgon

Vor zwei Jahren spielte Felix Bacher noch für die WSG Tirol. Heute ist er Stammspieler bei Olympique Lyon und erstmals Teil des ÖFB-Teams. Dahinter steckt eine Karriere mit Umwegen, Geduld und einem entscheidenden Schritt nach Portugal.

Es gibt wohl einfachere Wege ins österreichische Nationalteam. Felix Bacher hat seinen über Virgen, Innsbruck, Freiburg, Wattens, Estoril und schließlich Lyon genommen. Noch im Sommer 2024 verließ er die WSG Tirol ablösefrei. Gut zwei Jahre später steht der 25-Jährige bei einem französischen Spitzenklub unter Vertrag und erstmals im Kader von Ralf Rangnick.

Dabei begann Bacher seine fußballerische Laufbahn keineswegs als Innenverteidiger. Als Kind spielte er im Angriff, später rückte er immer weiter zurück. „Dann ist es kontinuierlich retour gegangen“, erzählte er zuletzt mit einem Augenzwinkern im ÖFB-Camp. In der U15 war er noch offensiver Mittelfeldspieler, später Sechser. Erst danach fand er seine Position im Abwehrzentrum.

Aus Osttirol über Innsbruck nach Freiburg

Bacher wurde am 25. Oktober 2000 in Lienz geboren und wuchs einige Jahre im Virgener Ortsteil Mitteldorf auf. Seine ersten Schritte im Vereinsfußball machte er beim SC Schwaz. Mit zehn Jahren wechselte er zu Wacker Innsbruck, später durchlief er die AKA Tirol. 2018 kehrte er nach Innsbruck zurück und sammelte bereits als Teenager Erfahrung in der 2. Liga.

Im Jänner 2020 folgte mit 19 Jahren der Wechsel zum SC Freiburg. Über die zweite Mannschaft sollte er sich an die Bundesliga heranarbeiten. Ganz ging dieser Plan nicht auf. Bacher absolvierte 23 Regionalliga-Spiele für Freiburg II und feierte 2021 den Aufstieg in die 3. Liga, für die Profis kam er aber nicht zum Einsatz.

Auch die Corona-Pandemie erschwerte seine Entwicklung. „Zum einen ist wenige Monate nach meinem Wechsel Corona ausgebrochen, dadurch sind viele Prozesse nicht wie normal abgelaufen. Zum anderen bin ich bei der zweiten Mannschaft nicht so zum Zuge gekommen, wie ich es mir vorgestellt habe“, blickte er später zurück.

 

Bei der WSG Tirol ging Bacher als Kapitän voran
Bei der WSG Tirol ging Bacher als Kapitän voranČTK / imago sportfotodienst / Ulrich Wagner

 

Im Sommer 2021 kehrte Bacher nach Tirol zurück und wechselte zur WSG Tirol. Dort entwickelte er sich nach und nach zum Stamm- und Führungsspieler. In seiner letzten Saison trug er sogar die Kapitänsbinde. Insgesamt absolvierte er 85 Pflichtspiele für die Wattener.

„Heute sehe ich mich auch als einen Mentalitätsspieler, der gerne Verantwortung übernimmt“, sagte Bacher Anfang 2025. Es ist eine Beschreibung, die gut zu seiner Karriere passt: Weniger früher Durchbruch, dafür stetige Entwicklung.

Portugal wird zum Karrierebeschleuniger

Nach drei Jahren WSG stand Bacher im Sommer 2024 vor einer wichtigen Entscheidung. Auch österreichische Klubs zeigten Interesse. Der Innenverteidiger wollte jedoch bewusst ins Ausland. Seine Wahl fiel auf Estoril Praia.

 

 

Der Start in Portugal verlief schwierig. In den ersten zehn Liga-Runden spielte Bacher kaum eine Rolle. Aufgeben kam für ihn dennoch nicht infrage. „Es ist eine Challenge, entweder du meisterst sie oder du gibst auf. Und ich bin jetzt nicht so ein Aufgeber“, sagte er später.

Die Geduld zahlte sich aus. Bacher erkämpfte sich einen Stammplatz und wurde schließlich zum Dauerbrenner. In der Saison 2025/26 stand er in allen 34 Liga-Partien über die komplette Spielzeit auf dem Platz. 3.060 Minuten – kein anderer Feldspieler der portugiesischen Liga schaffte das.

 

Felix Bacher wurde in Portugal zum Dauerbrenner
Felix Bacher wurde in Portugal zum DauerbrennerČTK / imago sportfotodienst / Diogo Sautchuk

 

Portugal veränderte ihn auch abseits des Rasens. Erstmals lebte Bacher dauerhaft weit entfernt von Familie und Freunden. „Ich hab mich sowohl sportlich als auch persönlich weiterentwickelt – vor allem persönlich. Ich bin zum ersten Mal so weit weg von daheim, das sind über 2000 Kilometer“, erzählte er im März 2026.

Gemeinsam mit seiner Freundin fühlte er sich schnell wohl. Gleichzeitig blieb die Verbindung nach Tirol eng. Spiele der WSG verfolgte er weiterhin, mit mehreren ehemaligen Mitspielern hielt er Kontakt. Die Familie spielte auf seinem Weg ohnehin immer eine wichtige Rolle. Schon nach seinem Wechsel nach Freiburg sagte Bacher: „Mein größter Förderer war immer mein Papa.“

Erst Lyon, jetzt das ÖFB-Team

Schon im Mai 2025 formulierte Bacher ein klares Ziel: „Natürlich möchte ich gerne einmal bei einem großen Verein und international spielen. Sollte sich diese Gelegenheit ergeben, möchte ich sie schon nutzen.“

Etwas mehr als ein Jahr später war es so weit. Anfang August 2026 verpflichtete Olympique Lyon den Österreicher. Die Franzosen überwiesen 4,3 Millionen Euro an Estoril, bis zu 800.000 Euro können als Bonus dazukommen. Bacher unterschrieb einen Vertrag bis 2031. Bemerkenswert ist, wie schnell er sich durchsetzte. In seinen ersten fünf Ligue-1-Partien stand Bacher jeweils über 90 Minuten auf dem Platz. Dazu kam ein Einsatz in der Europa League. Auch sein erstes Tor für Lyon hat er bereits erzielt.

 

Felix Bacher jubelt über seinen ersten Treffer im Lyon-Dress
Felix Bacher jubelt über seinen ersten Treffer im Lyon-DressMourad Allili /PsnewZ / Bestimage / Profimedia

 

Sein Profil passt gut zum modernen Verteidigen. Bacher ist körperlich robust und kopfballstark, fühlt sich aber auch in einer hoch stehenden Abwehr wohl. In Portugal wurde sein Spiel mit dem Ball geschult. Unter Lyon-Trainer Paulo Fonseca kommen aggressives Pressing und viele Mann-gegen-Mann-Situationen hinzu.

Sein schneller Aufstieg in Frankreich überraschte ihn deshalb nur bedingt. „Ich war vielleicht überrascht, dass ich das Vertrauen so schnell bekommen habe, aber auch nicht zu 100 Prozent, weil sie es mir ja auch so kommuniziert haben und weil ich davon überzeugt bin, was ich kann“, sagte er im aktuellen Nationalteam-Lehrgang.

Die Leistungen blieben auch Rangnick nicht verborgen. Für den Nations-League-Auftakt wurde Bacher erstmals für das österreichische A-Team nominiert. Ein Stammplatz ist ihm beim ÖFB angesichts der Konkurrenz in der Innenverteidigung damit noch lange nicht garantiert. Doch auch in Freiburg, Wattens und Estoril musste Bacher zunächst warten, kämpfen und sich seinen Platz erarbeiten.

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