Die WM in Nordamerika ist erst wenige Wochen vorbei, schon beginnt für das österreichische Nationalteam das nächste Kapitel. Am Donnerstag startet die UEFA Nations League 2026/27. Österreich trifft in der Gruppe B3 auf Israel, Kosovo und Irland. Sechs Spiele entscheiden darüber, ob der ÖFB-Auswahl die Rückkehr in die höchste Spielklasse gelingt.
Die Ausgangslage ist dabei ungewöhnlich. Nach der ersten WM-Teilnahme seit 1998 befindet sich der Kader von Ralf Rangnick im Umbruch. Mehrere Führungsspieler fehlen. Gleichzeitig bietet die Nations League jungen und bislang weniger etablierten Spielern die Chance, sich mit Blick auf die Qualifikation zur EURO 2028 in Stellung zu bringen.
Vier Spiele in elf Tagen: Intensiver Start für das ÖFB-Team
Der Auftakt hat es zeitlich in sich. Durch das verlängerte Länderspielfenster absolviert Österreich zwischen dem 24. September und 4. Oktober gleich vier Partien. Zunächst geht es am Donnerstag in Linz gegen Israel. Drei Tage später folgt im Wiener Ernst-Happel-Stadion das Heimspiel gegen den Kosovo. Danach warten am 1. Oktober Irland in Dublin und am 4. Oktober bereits das Rückspiel gegen den Kosovo in Pristina. Im November folgen noch das Heimspiel gegen Irland und der Abschluss gegen Israel.
Auf dem Papier ist die Gruppe ausgeglichen, die Ausgangslagen der vier Mannschaften sind allerdings unterschiedlich. Israel spielte zuletzt noch in Liga A und traf dort auf Frankreich, Italien und Belgien. Zwar gelangen zum Abschluss ein 0:0 gegen Frankreich und ein 1:0 gegen Belgien, dennoch belegte Israel den letzten Gruppenplatz und stieg in Liga B ab. Mit Israel hat Österreich zudem noch eine Rechnung offen. In der WM-Qualifikation 2022 verlor das ÖFB-Team auswärts spektakulär mit 2:5, gewann das Rückspiel wenige Monate später allerdings mit 4:2.
Der Kosovo ist hingegen ein Aufsteiger. Nach Platz zwei in Liga C setzte sich die Mannschaft in den Play-offs mit insgesamt 5:2 gegen Island durch. Besonders interessant aus österreichischer Sicht: Mit Franco Foda sitzt ein ehemaliger ÖFB-Teamchef auf der kosovarischen Bank. Ein A-Länderspiel zwischen Österreich und dem Kosovo hat es bislang noch nicht gegeben.
Irland behauptete seinen Platz in Liga B über die Relegation. Gegen Bulgarien gewann das Team beide Partien und setzte sich mit einem Gesamtscore von 4:2 durch. Österreich und Irland kennen einander dagegen bestens. Insgesamt stehen bereits 20 direkte Duelle zu Buche. Die jüngsten Pflichtspiele stammen aus der WM-Qualifikation 2018. Irland gewann 2016 in Wien mit 1:0, das Rückspiel in Dublin endete 1:1.
Verpasster Aufstieg als zusätzliche Motivation
Dass Österreich erneut in Liga B spielt, war vor knapp zwei Jahren alles andere als selbstverständlich. In der Nations League 2024/25 sammelte die Rangnick-Elf in ihrer Gruppe elf Punkte. Unter anderem gelangen ein 4:0 gegen Kasachstan und ein beeindruckendes 5:1 gegen Norwegen. Am letzten Spieltag reichte gegen Slowenien allerdings nur ein 1:1. Norwegen zog dadurch noch vorbei und stieg direkt auf. Österreich erhielt anschließend über die Play-offs eine zweite Chance. Nach einem 1:1 im Wiener Hinspiel verlor das ÖFB-Team jedoch mit 0:2 in Serbien und verpasste Liga A erneut.

Diesmal soll der Umweg möglichst vermieden werden. Der neue Modus macht den Gruppensieg besonders wertvoll. Der Erste jeder Gruppe in Liga B steigt direkt in Liga A auf. Die Zweitplatzierten müssen in die A/B-Play-offs. Platz drei bedeutet den sicheren Verbleib in Liga B, die Viertplatzierten kämpfen in Relegationsspielen gegen Teams aus Liga C. Die Regeln wurden angepasst, weil die Nations League ab 2028/29 von vier auf drei Ligen umgestellt wird.
Auch deshalb ist das sportliche Ziel für Österreich klar definiert. Rangnick machte bei der Kadernominierung deutlich, dass seine Mannschaft ihre Spielidee nicht verändern werde: „Wir bleiben bei unserer DNA. Gegenpressing ist das Maß aller Dinge.“ Der Teamchef verbindet diese Linie ausdrücklich mit dem angestrebten Aufstieg in Liga A.
Neue Hierarchie nach der WM
Sportlich startet Österreich allerdings nicht in Bestbesetzung. Vor allem die Hierarchie innerhalb der Mannschaft verändert sich. Marko Arnautovic beendete nach der WM seine Nationalteamkarriere. Der Rekordspieler verabschiedete sich nach 137 Länderspielen und 49 Toren. Marcel Sabitzer, der bereits bei 102 Einsätzen hält, nimmt zumindest bis Jahresende eine Auszeit vom Nationalteam.
Auch David Alaba fehlt beim Nations-League-Start. Der langjährige Kapitän wurde nicht nominiert und ist aktuell nicht matchfit. Christoph Baumgartner steht verletzungsbedingt ebenfalls nicht zur Verfügung. Zusätzlich fällt Konrad Laimer wegen einer leichten Adduktorenverletzung zumindest gegen Israel und den Kosovo aus. Eine Rückkehr für die anschließenden Auswärtsspiele ist nicht ausgeschlossen. Für Laimer wurde LASK-Kapitän Sascha Horvath nachnominiert, der erstmals im A-Nationalteam dabei ist.
Rangnick nutzt die Situation gleichzeitig für eine Verjüngung und Verbreiterung des Kaders. Mit Spielern wie Lukas Jungwirth, Felix Bacher, Christian Zawieschitzky und dem erst 18-jährigen Vasilije Markovic stehen mehrere neue Gesichter im Aufgebot. Nach dem Abgang von Arnautovic und dem vorläufigen Fehlen von Sabitzer und Alaba müssen sich zudem neue Führungsspieler entwickeln.
Für Rangnick beginnt damit nun eine neue Phase. Die Nations League ist einerseits ein Wettbewerb mit einem klaren sportlichen Ziel, andererseits bereits Teil der Vorbereitung auf die EURO 2028. Ein gutes Abschneiden kann sogar darüber hinaus wichtig werden. Nicht direkt qualifizierte Gruppensieger der Nations League können einen zusätzlichen Weg in die EM-Play-offs erhalten.
Der ideale Verlauf wäre aus österreichischer Sicht deshalb eindeutig: Den personellen Umbruch bewältigen, neue Führungsspieler etablieren und jene Chance nutzen, die 2024/25 knapp vergeben wurde. Der direkte Aufstieg in Liga A ist das große Ziel dieser Nations-League-Saison.
