Kurz vor dem Umschwung hatten die Buchmacher die Jets längst abgeschrieben. Die Quoten auf einen Sieg stiegen auf 500:1, bei manchen Anbietern wurden Wetten gar nicht mehr angenommen. Statistiker bezifferten die Wahrscheinlichkeit für eine Wende auf ein mickriges Prozent.
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Doch dann zündeten die Gäste ein Eishockey-Feuerwerk. Der Funke sprang beim Stand von 0:4 über, als sich Verteidiger Tyrel Bauer einen Schlagabtausch mit Montreals Arber Xhekaj lieferte. Kurz darauf erzielte Bauer nicht nur seinen ersten NHL-Treffer überhaupt zum 1:4, sondern bereitete auch noch das 2:4 vor – ein lupenreiner "Gordie Howe-Hattrick" (Tor, Assist und Fight in einem Spiel).
"Es war eine lange und schwierige Phase, aber diese Mannschaft hat immer an sich geglaubt", sagte Bauer sichtlich erleichtert. "Ehrlich gesagt erinnere ich mich kaum noch an den Rest des Spiels, aber es war großartig. Genau das haben wir als Team gebraucht."
Nach Bauers Vorarbeit übernahm Kyle Connor das Zepter. In Überzahl verkürzte und glich der Angreifer mit zwei unhaltbaren Direktabnahmen aus dem rechten Bullykreis aus. Winnipeg erzielte vier Tore innerhalb von nur 126 Sekunden – 30 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit war die Sensation perfekt. In der Verlängerung krönte Dylan Samberg in der vierten Minute das Wunder von Montreal.
"Irgendwie lag das in der Luft", jubelte Matchwinner Connor nach seinen Saisontoren 12 und 13. "Das war die beste Art, eine schwere Serie zu beenden. Wir wollten positive Energie entwickeln und einfach Vollgas geben, auch wenn es anfangs überhaupt nicht lief."
Mit diesem Triumph überboten die Jets einen jahrzehntealten Ligarekord: Die Los Angeles Kings hatten am 10. November 2007 ebenfalls einen Vier-Tore-Rückstand aufgeholt, damit allerdings erst bei Minute 52:46 begonnen. Winnipeg startete die Aufholjagd erst bei 57:21.
"Wir brauchten einfach einen Funken, irgendetwas völlig Verrücktes", freute sich Headcoach Scott Arniel. Amüsanter Sidefact: Arniel bewies dabei ein kurzes Gedächtnis. Vor 42 Jahren war er als Spieler selbst am vorherigen Klubrekord beteiligt, als Winnipeg am 9. November 1984 gegen Vancouver vier Tore in 2:16 Minuten erzielte und er zwei Treffer beisteuerte.
Diesmal war die Freude über den historischen Erfolg nicht weniger überschwänglich: "Es war unglaublich. In der Kabine fühlte es sich an wie ein Sieg in den Playoffs. Ich freue mich riesig für die Jungs", lobte Arniel, vergaß aber auch den gegnerischen Keeper nicht: "Wir hatten 86 Schussversuche, 47 davon aufs Tor. Aber dieser junge Kerl Jacob Fowler im Tor? Ich habe ihn jetzt zum zweiten Mal gesehen und möchte ihm ehrlich gesagt so schnell nicht wieder begegnen", scherzte der Jets-Coach.
