Lewis Hamilton erreichte den Traditionskurs Interlagos mit mächtig Frust und viel Redebedarf im Gepäck. Die knallharte Abrechnung des wütenden Rekordweltmeisters mit Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc hallte auch bei der Ankunft der Formel 1 in Brasilien nach.
Vor der 20. WM-Station herrscht nach der öffentliche Attacke des Briten Alarmstufe Rot bei der Scuderia – und schnelle Besserung ist nicht in Sicht.
"Ich habe in der Vergangenheit schon enge Auseinandersetzungen mit Teamkollegen gehabt, und man kann es nicht immer richtig machen", meckerte Hamilton, "aber in neun von zehn Fällen sollten wir dazu in der Lage sein."
In Mexiko schafften die Ferrari-Piloten das nicht. Mit ihrem unnötig harten Duell um die Führung schenkten sie Max Verstappen den Sieg. Und weil der siebenmalige Champion Hamilton die Schuld eindeutig auf der anderen Seite der Garage sah, sparte er nicht mit Kritik.
Legitim?
Leclerc sei 29 Jahre alt, "also glaube ich nicht, dass es am Alter liegt. Ich denke, es ist eine Mentalitätsfrage. Es ist wie alles oder nichts, entweder ich gewinne oder keiner von uns, und so sollte es nicht sein", echauffierte sich Hamilton: "Wenn wir einfach unsere Positionen halten, kann meiner Meinung nach im Rennen alles passieren. Aber wenn der eigene Teamkollege gegen einen arbeitet und man dann auf diese Weise Positionen verliert, ist das definitiv hart."
Leclerc ließ die deutlichen Worte nicht lange auf sich sitzen, auch er könne "unzufrieden" darüber sein, wie sehr ihn Hamilton in Kurve eins von der Strecke gedrängt habe. "Aber so ist der Rennsport. Wenn man um den Sieg kämpft, ist das eben so", sagte der Monegasse.

Schumacher geht mit Hamilton ins Gericht
Mit dem harten Fight auf der Strecke habe er "kein Problem, weil es eine Rennsituation ist, bei dem jeder seine Position nicht abgeben will", sagte TV-Experte Ralf Schumacher im Podcast Backstage Boxengasse.
Problematisch sei vielmehr das "Drama, was danach kam. Am Funk eine Strafe für den Teamkollegen zu fordern, das macht man nicht. Dann wie Al Capone zu sprechen und zu drohen, dass 'wir große, große Probleme haben' – da geht aus meiner Sicht der Hund mit dem Herrchen spazieren."
