Mit einem Premierenchampion, einem österreichischen Rekordsieger und einem bis zum Ende gefüllten Tennisstadion ist das Generali Open 2026 zu Ende gegangen. Quentin Halys bezwang Titelverteidiger Alexander Bublik im Finale mit 6:4, 7:6(6). Lucas Miedler sorgte gemeinsam mit Marc Polmans für den rot-weiß-roten Turniersieg im Doppel. Die österreichischen Einzelspieler kamen hingegen nicht über das Achtelfinale hinaus.
Halys findet in den Tiroler Bergen seine perfekte Bühne
Quentin Halys reiste ohne ATP-Einzeltitel und als ungesetzter Spieler nach Kitzbühel. Er verließ die Gamsstadt als erster französischer Sieger des Turniers in der Open Era. Sechs Franzosen hatten zuvor ein Kitzbühel-Finale verloren. Halys beendete diese Serie bei seinem ersten Antreten im Tiroler Sandplatzklassiker.
Der 29-Jährige musste während der gesamten Woche keinen Satz abgeben. Bereits zum Auftakt setzte er sich gegen den Qualifikanten Laslo Djere mit 7:6(4), 6:4 durch. Danach folgte der erste große Fingerzeig. Halys besiegte den als Nummer zwei gesetzten Valentin Vacherot mit 6:3, 6:4 und feierte seinen fünften Erfolg gegen einen Top-20-Spieler. Auch Mariano Navone und Kitzbühel-Spezialist Yannick Hanfmann fanden kein Mittel gegen den druckvollen Franzosen.
Die Höhenlage, der schnelle Court und die in diesem Jahr verwendeten Bälle kamen seinem Spiel entgegen. Halys konnte früh in den Ball gehen und die Punkte mit seinem Aufschlag kontrollieren. Im Finale demonstrierte er das bereits im ersten Game, das er mit vier Assen in Serie gewann. Insgesamt schlug er 17 Asse und holte 41 seiner 55 Aufschlagpunkte.
„Ich bin so glücklich. Ich habe heute ein tolles Match gespielt und Sascha ist ein so toller Spieler. Ich hoffe, ihr habt es auch genossen“, sagte Halys nach seinem größten Triumph.
Alexander Bublik war keineswegs ein schwacher Finalgegner. Der Weltranglistenelfte hatte auf dem Weg ins Endspiel ebenfalls keinen Satz verloren. Nach einem Freilos schlug er Facundo Diaz Acosta, Alex Molcan und Tomas Martin Etcheverry jeweils in zwei Sätzen. Als erster Spieler seit Robin Haase 2011 und 2012 erreichte der Kasache zwei Kitzbühel-Finalspiele hintereinander.
Im entscheidenden Match wurde der Titelverteidiger jedoch früh unter Druck gesetzt. Halys nahm ihm im ersten Satz den Aufschlag ab und ließ anschließend kaum Chancen zu. Im Tiebreak des zweiten Durchgangs wehrte der Franzose bei 5:6 einen Satzball ab. Wenig später verwandelte er seinen ersten Matchball. Schon neun Tage zuvor hatte Halys Bublik in Gstaad in drei Sätzen besiegt. Die Wiederholung in Kitzbühel bestätigte, dass der Erfolg kein Zufallsprodukt war.
Österreichs Einzelbilanz enttäuscht – Miedler liefert den Heimsieg
Vier Österreicher standen im Einzel-Hauptfeld. Ein Einzug ins Viertelfinale gelang keinem. Am weitesten kam Jurij Rodionov, der sich zunächst mit zwei Siegen durch die Qualifikation kämpfte. In der ersten Hauptrunde setzte er sich im heimischen Duell gegen Joel Schwärzler mit 6:4, 6:2 durch. Im Achtelfinale traf Rodionov auf den späteren Halbfinalisten Etcheverry. Nach einem schwachen ersten Satz kämpfte sich der Niederösterreicher zurück. Getragen vom nahezu ausverkauften Center Court holte er im zweiten Durchgang einen Breakrückstand auf. Im Tiebreak setzte sich der Argentinier dennoch durch und gewann 6:2, 7:6(4). „Es ist immer ein Privileg, hier spielen zu dürfen“, sagte Rodionov nach seinem Ausscheiden.
Lukas Neumayer zeigte gegen Hanfmann phasenweise, dass er auf diesem Niveau mithalten kann. Der Salzburger servierte im ersten Satz zum Satzgewinn und erspielte sich drei Satzbälle. Er nutzte keinen davon und verlor schließlich 6:7(5), 4:6. Das Resultat war enttäuschend, die Leistung gegen den späteren Halbfinalisten aber durchaus vielversprechend. Weniger erfreulich verlief die Woche für Österreichs Nummer eins Sebastian Ofner. Gegen Molcan fand der Steirer kaum Zugriff und verlor nach 68 Minuten mit 4:6, 4:6. „Ich habe nie wirklich hineingefunden“, lautete seine nüchterne Analyse. Damit endeten drei der vier heimischen Auftritte bereits in der ersten Runde.
Im Doppel veränderte sich das Bild grundlegend. Neumayer und Schwärzler besiegten Fernando Romboli und John-Patrick Smith mit 6:4, 7:5 und erreichten das Viertelfinale. Dort waren die topgesetzten Pierre-Hugues Herbert und Kevin Krawietz beim 6:3, 6:4 zu stark. Den großen österreichischen Erfolg lieferte jedoch Lucas Miedler.

Miedler und sein australischer Partner Polmans hatten erst eine Woche zuvor erstmals gemeinsam ein Turnier bestritten und sofort in Gstaad gewonnen. In Kitzbühel setzten sie ihren Lauf fort. Im Viertelfinale entschieden sie einen Match-Tiebreak mit 14:12 für sich. Im Halbfinale folgte ein 10:7 gegen N. Sriram Balaji und Andre Göransson. Das Finale war anschließend beinahe ein Kontrastprogramm. Gegen Jakob Schnaitter und Mark Wallner dominierten Miedler und Polmans von Beginn an. Nach nur 57 Minuten stand der 6:2, 6:2-Erfolg fest. Das österreichisch-australische Duo verwertete vier seiner zehn Breakchancen und musste selbst keinen einzigen Breakball abwehren. Nach zwei gemeinsamen Turnieren steht die Paarung bei acht Siegen und keiner Niederlage.
Für Miedler war es nach 2021 und 2023 der dritte Kitzbühel-Titel. Damit stellte er den Doppelrekord seines früheren Partners Alexander Erler ein. Der Erfolg bringt dem 30-Jährigen zudem eine neue persönliche Bestmarke. Miedler rückt auf Platz 19 der Doppel-Weltrangliste vor. „Unglaubliche zwei Wochen“, fasste er den Traumstart mit Polmans zusammen.
Ausverkaufte Ränge und mehrere Geschichten abseits des Finales
Die österreichische Bilanz im Einzel blieb überschaubar, doch das Publikumsinteresse litt darunter nicht. Ab dem Viertelfinale waren sämtliche Ticketkategorien ausverkauft. Auch für die Halbfinalspiele und den Finaltag gab es keine regulären Karten mehr. Schon zuvor hatte sich die Nachfrage gezeigt. Beim Ladies Day waren alle 1.000 Freikarten innerhalb von 30 Minuten vergeben – so schnell wie noch nie. Besonders im Doppel verwandelten die Zuschauer das Stadion mehrfach in einen Heimcourt. Miedler und Polmans wurden bei ihrem knappen Viertelfinalerfolg bis in den späten Abend mit Sprechchören unterstützt. Der Österreicher sagte anschließend, die Partie habe sich trotz der frühen Turnierphase beinahe wie ein Finale angefühlt.
Auch sportlich bot die Woche mehr als die beiden Endspiele. Hanfmann erreichte zum vierten Mal das Kitzbühel-Halbfinale. Mit 34 Jahren und acht Monaten war er der älteste Halbfinalist seit Beginn der neuen Turnierära. Sein Viertelfinalsieg gegen den früheren Champion Sebastian Baez war bereits sein 22. Match in Kitzbühel – bei keinem anderen ATP-Turnier spielte der Deutsche häufiger. Hanfmann, Halys und Molcan sorgten dafür, dass drei ungesetzte Spieler das Viertelfinale erreichten. Das auf dem Papier stärkste Kitzbüheler Teilnehmerfeld seit der Rückkehr auf die ATP-Tour entwickelte dadurch früh eine unerwartete Dynamik. Der ursprüngliche Cut lag bei Weltranglistenplatz 68.
Eine zusätzliche sportliche Klammer bildete die Rückkehr des internationalen Damentennis. Noch vor dem ATP-Hauptbewerb gewann Sinja Kraus das rein österreichische Finale des WTA-125-Turniers gegen Julia Grabher mit 6:3, 6:1. Gemeinsam mit dem ATP-Turnier, den Nachwuchsaktionen und dem umfangreichen Rahmenprogramm entstand damit erstmals eine fast zweiwöchige Kitzbüheler Tennisphase.
Am Ende bleibt eine Turnierwoche mit klaren Gewinnern. Halys nutzte die Bedingungen besser als jeder andere Einzelspieler und verwandelte seine erste Kitzbühel-Teilnahme in den größten Erfolg seiner Karriere. Bublik bestätigte trotz der Finalniederlage seine besondere Beziehung zur Gamsstadt. Miedler sorgte für den erhofften Heimsieg. Und die Zuschauer zeigten, dass das österreichische Traditionsturnier auch ohne einen heimischen Einzelspieler in der entscheidenden Phase seine Anziehungskraft behält.
