French Open 2026 Damen-Draw: Sabalenka will ersten Titel, Fragezeichen hinter Swiatek

Aryna Sabalenka hat den ersten Titel in Paris im Visier
Aryna Sabalenka hat den ersten Titel in Paris im VisierDavid Winter / Shutterstock Editorial / Profimedia

Nur noch wenige Tage trennen uns vom Start der French Open, und das Tableau der Damen verspricht Hochspannung pur. Eine klare Favoritin auszumachen fällt schwer, da sich etliche Topspielerinnen derzeit in absoluter Spitzenform präsentieren. Während die Weltranglisten-Erste Aryna Sabalenka ihren ersten Grand-Slam-Titel auf Asche ins Visier nimmt, peilt Coco Gauff die erfolgreiche Titelverteidigung an. Die große Frage bleibt: Findet die viermalige Turniersiegerin Iga Swiatek rechtzeitig zu ihrer alten Dominanz zurück?

Wer erwischt den vermeintlich leichteren Weg ins Finale und wer muss sich durch ein echtes Minenfeld kämpfen? Werfen wir einen Blick auf die vier Viertel.

Erstes Viertel

Gesetzte Spielerinnen: Aryna Sabalenka (1), Jessica Pegula (5), Victoria Mboko (9), Naomi Osaka (16), Iva Jovic (17), Madison Keys (19), Diana Shnaider (25), Cristina Bucsa (31)

Sabalenka wartet nach wie vor auf ihren ersten Grand-Slam-Coup abseits von Hartplatz. Nach der hauchdünnen Finalniederlage gegen Coco Gauff im Vorjahr brennt die Belarussin darauf, diesmal den letzten Schritt zu gehen. Mit der Auslosung darf sie unterm Strich zufrieden sein, wenngleich mit Jessica Bouzas Maneiro eine unangenehme Auftakthürde wartet.

Ein Achtelfinal-Kracher gegen Osaka wirft seine Schatten voraus – allerdings konnte die Japanerin auf Sand bislang selten ihr volles Potenzial abrufen. Insgesamt sollte Sabalenka souverän ins Viertelfinale einziehen. Als zweite Kraft in diesem Abschnitt sehe ich entweder Pegula oder Mboko.

Geheimtipp: Das Erstrunden-Duell zwischen Jovic und Alexandra Eala ist ein absolutes Must-Watch in diesem Viertel!

Prognose: Sabalenka schlägt Pegula im Viertelfinale

Sabalenka ist bei den Major-Turnieren mittlerweile eine absolute Bank – der Halbfinaleinzug ist fast schon Formsache. Für Pegula prognostiziere ich zwar das zweite French-Open-Viertelfinale ihrer Karriere, dort wird gegen die Topgesetzte jedoch Endstation sein.

Zweites Viertel

Gesetzte Spielerinnen: Coco Gauff (4), Amanda Anisimova (6), Linda Noskova (12), Ekaterina Alexandrova (14), Anna Kalinskaya (22), Elise Mertens (23), Anastasia Potapova (28), Ann Li (30)

Auch Gauff darf sich über eine machbare Auslosung in der oberen Tableau-Hälfte freuen. Zum Auftakt wartet mit Taylor Townsend eine interessante Aufgabe, in der dritten Runde könnte die formstarke Potapova zum Stolperstein werden. Dennoch sollte für die Titelverteidigerin hier wenig anbrennen.

Spannend wird der Auftritt von Amanda Anisimova, die als absolute Wundertüte gilt. 2019 stand sie in Paris bereits im Halbfinale, im Vorjahr erreichte sie die Endspiele in Wimbledon und bei den US Open. Das Potenzial zur Grand-Slam-Siegerin bringt sie zweifellos mit. Zuletzt bremsten sie im Jahr 2026 jedoch Verletzungssorgen und Formschwankungen aus.

Prognose: Gauff schlägt Noskova im Viertelfinale

Der Halbfinaleinzug von Gauff steht für mich außer Frage, wer ihr dort gegenübersteht, ist hingegen offen. Findet Anisimova zu ihrem Rhythmus, führt der Weg nur über sie. Da hinter ihrer Physis jedoch ein Fragezeichen steht, tippe ich auf Noskova. So oder so: Die US-Amerikanerin wird eine Nummer zu groß sein.

Drittes Viertel

Gesetzte Spielerinnen: Iga Swiatek (3), Elina Svitolina (7), Belinda Bencic (11), Marta Kostyuk (15), Clara Tauson (21), Leylah Fernandez (24), Jelena Ostapenko (29), Wang Xinyu (32)

Willkommen in der weitaus komplizierteren Hälfte des Tableaus – und im Albtraum-Viertel für Sandplatzkönigin Swiatek. Die Polin sucht seit geraumer Zeit nach ihrer absoluten Topform; ihr einstiger Lieblingsbelag war zuletzt kein automatischer Erfolgsgarant mehr. In Rom zeigte die Kurve unter dem neuen Coach Francisco Roig zwar nach oben, doch die Auslosung meint es nicht gut mit ihr.

Bereits in Runde drei droht das Duell mit Jelena Ostapenko – Swiateks erklärter Angstgegnerin, die im direkten Vergleich mit 6:0 führt. Zudem lauern mit Marta Kostyuk und Elina Svitolina die aktuellen WTA-1000-Siegerinnen. Ein härteres Programm ist kaum vorstellbar.

Svitolinas Triumphzug zum Titel in Rom war beeindruckend
Svitolinas Triumphzug zum Titel in Rom war beeindruckendREUTERS / Claudia Greco / Opta by StatsPerform

Prognose: Svitolina schlägt Kostyuk im Viertelfinale

 

Unter normalen Vorzeichen wäre Swiatek hier die logische Halbfinalistin. Doch ein potenzielles Drittrunden-Match gegen Ostapenko verändert alles – die Lettin liegt ihr stilistisch einfach überhaupt nicht. Ich setze daher auf ein rein ukrainisches Viertelfinale, in dem Svitolina, beflügelt vom Rom-Titel und der Gunst des Pariser Publikums (auch dank Ehemann Gael Monfils), das Ticket für die Vorschlussrunde löst.

Viertes Viertel

Gesetzte Spielerinnen: Elena Rybakina (2), Mirra Andreeva (8), Karolina Muchova (10), Jasmine Paolini (13), Sorana Cirstea (18), Liudmila Samsonova (20), Hailey Baptiste (26), Marie Bouzkova (27) 

Elena Rybakina geht als klare Favoristin in diesen Abschnitt, muss sich jedoch gegen eine enorm formstarke Konkurrenz behaupten.

Rybakina beim Training bei den French Open
Rybakina beim Training bei den French OpenDPPI, DPPI Media / Alamy / Profimedia

Mirra Andreeva hat ihre Sandplatz-Qualitäten mit dem letztjährigen Viertelfinaleinzug bereits unter Beweis gestellt. Karolina Muchova weiß als ehemalige Paris-Finalistin genau, wie man hier gewinnt, während Sorana Cirstea mit 36 Jahren das beste Tennis ihrer Karriere spielt. Auch Hailey Baptiste reist nach ihrem Coup gegen Sabalenka in Madrid mit reichlich Selbstvertrauen an.

Prognose: Rybakina schlägt Andreeva im Viertelfinale

Dieses Duell verspricht einen hochklassigen Schlagabtausch von der Grundlinie. Mein Vorteil liegt bei der Australian-Open-Siegerin Rybakina, der vielleicht konstantesten Spielerin der bisherigen Saison. Zuletzt wirkte sie aufgrund des Mammutprogramms zwar etwas überspielt, nach einer kurzen Verschnaufpause sollte sie nun aber wieder frisch sein. Es wäre ihr Premiereneinzug ins Halbfinale von Roland-Garros.

Halbfinal- und Finalprognosen

Halbfinale 1: Gauff schlägt Sabalenka

Halbfinale 2: Rybakina schlägt Svitolina

Finale: Gauff schlägt Rybakina

Ich lege mich fest: Coco Gauff verteidigt ihren Titel. Ihr Auftritt in Rom hat mich nachhaltig beeindruckt, auch wenn sie sich im Finale Svitolina geschlagen geben musste.

Die rote Asche kommt ihrem Spiel am meisten entgegen. Dank ihrer außergewöhnlichen Athletik und Beinarbeit ist sie in langen Rallies kaum zu bezwingen. Hinzu kommt, dass sie sowohl den Aufschlag als auch die Vorhand auf Sand spürbar stabilisiert hat. Bereits im Vorjahr bezwang sie Sabalenka im Endspiel – die Belarussin mag Gauffs zähe Defensivarbeit überhaupt nicht. Das wird sich auch diesmal zeigen.

Gauff gewann den Titel 2025
Gauff gewann den Titel 2025Photo by THOMAS PADILLA / POOL / AFP

Das zweite Halbfinale ist ein klassisches 50:50-Match. Wenn Rybakina ihr absolutes Peak-Tennis abruft – wovon in der zweiten Turnierwoche auszugehen ist –, wird die Hürde für Svitolina zu hoch sein.

Ein Finale zwischen Gauff und Rybakina böte enorme Brisanz, da die beiden seit 2022 nicht mehr gegeneinander gespielt haben. Für Rybakina wäre es die Chance, das Jahr direkt mit zwei Grand-Slam-Titeln zu krönen. Am Ende wird es jedoch Gauffs unbändiger Kampfgeist auf diesem Belag sein, der den Ausschlag zur Titelverteidigung gibt.