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Ski-Weltcup 2026/27: Österreichs Hoffnungen, prominente Ausfälle und viele Highlights

Julia Scheib zählt nach ihrem Triumphwinter auch in der neuen Ski-Weltcup-Saison zu Österreichs größten Hoffnungen
Julia Scheib zählt nach ihrem Triumphwinter auch in der neuen Ski-Weltcup-Saison zu Österreichs größten HoffnungenEXPA/ Johann Groder / Newspix.pl / Profimedia

Nach sieben Monaten Pause kehrt der alpine Ski-Weltcup zurück. Am Samstag (24. Oktober) eröffnen die Frauen mit dem Riesentorlauf in Sölden die neue Saison, am Sonntag folgen die Männer. Beide Rennen beginnen um 10:00 Uhr, die zweiten Durchgänge stehen jeweils um 13:00 Uhr auf dem Programm. Insgesamt umfasst der Weltcup-Winter 83 Rennen, ehe im März in Sun Valley die letzten Kristallkugeln vergeben werden.

Im Mittelpunkt stehen einmal mehr die Fragen nach den großen Titelanwärtern und den österreichischen Erfolgsaussichten. Kann Marco Odermatt seine Dominanz fortsetzen? Wer fordert Mikaela Shiffrin heraus? Und gelingt dem ÖSV nach zwei Wintern ohne Kristallkugel bei den Männern wieder ein großer Wurf?

Für zusätzliche Spannung sorgen prominente Verletzungen, überraschende Karriereentscheidungen und das mögliche Comeback von Marcel Hirscher. Über allem steht die alpine Ski-WM in Crans-Montana, die vom 1. bis 14. Februar 2027 ausgetragen wird.

Scheib als Titelverteidigerin, Schwarz mit neuer Strategie

Die rot-weiß-rote Bilanz der vergangenen Saison macht Hoffnung. Österreichs Alpinskiteam holte 2025/26 insgesamt zwölf Weltcupsiege und 32 Podestplätze. Herausragend war Julia Scheib. Die Steirerin feierte fünf Siege im Riesentorlauf und sicherte sich erstmals die kleine Kristallkugel. Nun kehrt sie als Titelverteidigerin nach Sölden zurück. Genau dort hatte sie vor einem Jahr ihren ersten Weltcupsieg gefeiert. An Selbstvertrauen mangelt es ihr nicht: „Natürlich will ich jedes Mal gewinnen, wenn ich am Start stehe. Das ist Priorität Nummer eins“, erklärte die 28-Jährige vor dem Saisonauftakt.

Bei den Frauen ruhen die Hoffnungen neben Scheib auch auf Cornelia Hütter in den Speeddisziplinen sowie Katharina Liensberger im Slalom. In Sölden zählt außerdem Ricarda Haaser zum heimischen Aufgebot. Die Tirolerin feiert nach ihrem Schienbeinkopfbruch ihr Comeback. Insgesamt hat der ÖSV für die beiden Auftaktrennen 17 Athletinnen und Athleten nominiert.

Bei den Männern will vor allem Marco Schwarz wieder regelmäßig um Siege kämpfen. Der Kärntner hat dafür eine weitreichende Entscheidung getroffen. Nach drei Weltcupsiegen und einer Kristallkugel im Slalom beendet er seine Karriere in dieser Disziplin. Künftig konzentriert sich der 31-Jährige auf Riesentorlauf, Super-G und Abfahrt. „Das war sicher eine der härtesten Entscheidungen meiner Karriere“, erklärte Schwarz. Vier Disziplinen seien angesichts des dichten Kalenders nicht mehr miteinander vereinbar.

 

Marco Schwarz stellt die Slalom-Ski in die Ecke
Marco Schwarz stellt die Slalom-Ski in die EckeAction Press / Shutterstock Editorial / Profimedia

 

Im Riesentorlauf zählt auch Stefan Brennsteiner zu den größten österreichischen Hoffnungen. Im Speedbereich soll Vincent Kriechmayr erneut für Spitzenresultate sorgen. Der Oberösterreicher verzichtet allerdings auf einen Start in Sölden. Für einen erfolgreichen Winter braucht der ÖSV zudem starke Leistungen von Raphael Haaser, Manuel Feller und den aufstrebenden Nachwuchskräften.

Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer fordert jedenfalls mehr Selbstbewusstsein. „Unser Anspruch soll sein, jedes Rennen so in Angriff zu nehmen, dass wir gewinnen wollen. Und von Sölden an“, erklärte der ÖSV-Coach vor dem Saisonstart.

Odermatts Rekordjagd & Shiffrin auf neuen Wegen

Der große Gejagte bleibt Odermatt. Der Schweizer hat zuletzt fünfmal hintereinander den Gesamtweltcup gewonnen und geht erneut als Topfavorit in die Saison. Zu seinen härtesten Konkurrenten gehören Landsmann Loic Meillard, Speed-Ass Franjo von Allmen und der für Brasilien startende Lucas Pinheiro Braathen. Letzterer gewann die vergangenen drei Weltcup-Riesentorläufe und möchte sein Programm künftig um den Super-G erweitern.

 

Marco Odermatt und Mikaela Shiffrin gehen als Gejagte in die neu Saison
Marco Odermatt und Mikaela Shiffrin gehen als Gejagte in die neu SaisonChristopher Levy / Zuma Press / Profimedia

 

Bei den Frauen steht Shiffrin vor einem ungewöhnlichen Winter. Die US-Amerikanerin hat mittlerweile 110 Weltcupsiege auf dem Konto und gewann zuletzt zum sechsten Mal den Gesamtweltcup. Nun reduziert die 31-Jährige überraschend ihre Slalomstarts und setzt verstärkt auf Riesentorlauf und Super-G. Die Slaloms in Levi und Gurgl will sie auslassen. „Das auszuprobieren, dafür schlägt mein Herz, und da rückt der Gesamtweltcup in den Hintergrund“, so die Ausnahmekönnerin.

Davon könnte vor allem Emma Aicher profitieren. Die 22-jährige Deutsche verpasste den Gesamtweltcup im vergangenen Winter um lediglich 87 Punkte. Auch Camille Rast, Wendy Holdener und Alice Robinson gehören zum erweiterten Favoritenkreis.

Verletzungssorgen bei internationalen Topstars

Überschattet wird der Saisonstart von mehreren Ausfällen. Aleksander Aamodt Kilde erlitt beim Abfahrtstraining in Chile einen Achillessehnenriss. Für den 34-jährigen Norweger ist es der nächste schwere Rückschlag nach seinem folgenschweren Sturz in Wengen 2024. Eine lange Zwangspause droht. „Es ist brutal und schwer zu akzeptieren“, schrieb Kilde nach seiner Verletzung. 

 

 

Auch zwei italienische Topstars fehlen in Sölden. Sofia Goggia kämpft mit den Folgen zweier Viruserkrankungen, die sie während der Vorbereitung in Argentinien erwischten. Die Olympiasiegerin berichtete von starker Erschöpfung und ungewöhnlichen neurologischen Beschwerden. Federica Brignone muss sich hingegen nach einer weiteren Operation an ihrem schwer verletzten Bein gedulden. Die Doppel-Olympiasiegerin wird auch die Nordamerika-Rennen Ende November und Anfang Dezember auslassen. 

 

 

Für Schlagzeilen sorgt zudem Hirscher. Der achtfache Gesamtweltcupsieger plant nach Kreuzbandriss und einer Viruserkrankung einen neuerlichen Comebackversuch. Die FIS gewährt dem mittlerweile für die Niederlande startenden Salzburger allerdings nur noch vier Wildcards pro Disziplin und Saison. Bei einer Top-30-Platzierung bleibt die eingesetzte Wildcard erhalten. Hirscher verzichtet auf Sölden, weil ihm nach eigener Einschätzung noch die nötigen Trainingskilometer fehlen. Wann der 37-Jährige wieder in den Weltcup zurückkehrt, bleibt offen.

Die Highlights der Saison

Der große Höhepunkt wartet im Februar. Von 1. bis 14. Februar 2027 kämpfen die weltbesten Skifahrerinnen und Skifahrer bei den Weltmeisterschaften in Crans-Montana um elf WM-Titel. Nach den Olympischen Winterspielen 2026 steht damit schon wieder ein Großereignis auf dem Programm. 

 

Die Schweizer Fans werden hier für WM-Stimmung sorgen
Die Schweizer Fans werden hier für WM-Stimmung sorgenJEAN-CHRISTOPHE BOTT / EPA / Profimedia

 

Zuvor warten zahlreiche traditionsreiche Weltcuprennen. Aus österreichischer Sicht stechen die Hahnenkammrennen in Kitzbühel (22. bis 24. Jänner) und das Nachtspektakel in Schladming (26. und 27. Jänner) hervor. Auch die Heimrennen in Gurgl, Flachau und Saalbach-Hinterglemm stehen auf dem Programm. Eine Premiere feiert Gosau in Oberösterreich, wo am 28. und 29. Dezember erstmals Weltcuprennen stattfinden. Mit dem Finale in Sun Valley in den USA geht der Winter vom 20. bis 25. März zu Ende. 

Veränderungen hinter den Kulissen

Abseits der Rennstrecken bringt der Winter ebenfalls Veränderungen. Markus Waldner, seit 2014 FIS-Renndirektor der Männer, hat seinen Rücktritt angekündigt. Der 63-jährige Südtiroler begründet seinen Schritt mit der enormen Belastung und wird die Übergabe während der Saison begleiten. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Frauen-Renndirektor Peter Gerdol vorübergehend auch die Verantwortung für die Männer. 

Die Ausgangslage verspricht jedenfalls einen spannenden Ski-Winter. Während Odermatt und Shiffrin ihre Vormachtstellung verteidigen wollen, drängt eine neue Generation an die Spitze. Österreich setzt auf die Fortsetzung von Scheibs Erfolgslauf und auf ein stärkeres Männerteam. Die ersten Antworten liefert am Wochenende der Rettenbachgletscher in Sölden.

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