Gianni Infantino setzte sein breitestes Grinsen auf, präsentierte sich in Rabat bester Laune. Das Afrika-Cup-Spiel der Frauen zwischen Malawi und Sambia nutzte der FIFA-Präsident als Bühne, versuchte in den schwersten Tagen seiner Regentschaft demonstrativ Stärke und Gelassenheit auszustrahlen. Schließlich hatte er zuvor in einer Krisensitzung in der marokkanischen Hauptstadt intern Rückendeckung erfahren. Der angeschlagene Alleinherrscher bleibt weiter im Amt - daran ließ er keinen Zweifel.
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FIFA will "ihren Ruf verteidigen"
In der öffentlichen Erklärung verschwendete Infantino keinerlei Gedanken an einen Rücktritt, stattdessen holte er nach einem angedeuteten Fehlereingeständnis schnell zum Gegenangriff auf seine Kritiker aus. "Die FIFA wird keinerlei Angriffe auf ihre Integrität dulden und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um ihren Ruf zu verteidigen", drohte der Weltverband in seinem Schreiben. In die Öffentlichkeit wurde nach der Notfallsitzung das Bild eines internen Schulterschlusses transportiert.
Generalsekretär Mattias Grafström und die anwesenden Mitglieder der Geschäftsführung bekräftigten in der fast 500 Wörter langen Stellungnahme "ihre uneingeschränkte Unterstützung für FIFA-Präsident Gianni Infantino – den einzigen Amtsträger, der von den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden gewählt wurde". Gleichzeitig betonte Infantino selbst "seine volle Unterstützung für den FIFA-Generalsekretär und die FIFA-Administration".
Beim Gruppenspiel des Afrika Cups präsentierte sich der Schweizer lächelnd und winkend auf der Tribüne. Er zeigte sich gemeinsam mit den Council-Mitgliedern Fleetwood Fouzi Lekjaa und Hany Abo Rida, posierte mit den Verbandspräsidenten aus Malawi und Sambia für Fotos. Die Partie verfolgte er im Stade El Barid Seite an Seite mit Generalsekretär Grafström, der sich zuvor in einem internen Schreiben von ihm distanziert haben soll.
"Vertrauen in die Organisation wiederherstellen"
Nun zeigten beide gemeinsam demonstrativ den erhobenen Daumen in die Kameras. "Wir sind fest davon überzeugt, dass die Ergebnisse der heutigen Sitzung die Governance der FIFA stärken und dazu beitragen werden, das Vertrauen in die Organisation wiederherzustellen", schrieb Infantino unter das entsprechende Foto bei Instagram. Es sei nun wieder möglich, "uns auf einheitliche und transparente Weise auf die bevorstehenden Großveranstaltungen und Herausforderungen vorzubereiten".
Dabei waren wenige Stunden zuvor noch Gerüchte aufgekommen, wonach Infantino Marokko das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 versprochen habe.
Im Gegenzug verlange er Unterstützung durch das Land, um das Blatt im Machtkampf an der Spitze des Weltverbandes noch einmal zu wenden und international wieder Rückhalt zu gewinnen. Dies berichtete die Times unter Berufung auf eine anonyme Quelle. Der Weltverband dementierte dies wenige Stunden später.
Selbstkritik kaum vorhanden
Die Selbstkritik nach dem geplatzten Investorendeal fiel derweil knapp aus. Beim Projekt FIFA Forward Enterprise (FFE) seien "Fehler unterlaufen", räumte die FIFA nebulös ein. Intern sei das Ziel nun, die "Prozesse (...) hinsichtlich ihrer Effektivität und Effizienz" kontinuierlich zu verbessern. Es herrsche Einigkeit darüber, "dass es nicht die Absicht war, dem FIFA-Rat und den FIFA-Mitgliedsverbänden das Gefühl zu geben, vom Prozess ausgeschlossen zu sein, und dass das Verfahren anders hätte gehandhabt werden müssen."
In einem separaten Schreiben an den FIFA-Rat und die FIFA-Mitgliedsverbände sei für diese Fehler um Entschuldigung gebeten und zugesichert worden, "dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen werden". Es werde nun zwar eine Überprüfung durchgeführt, generell seien sämtliche Maßnahmen aber "in voller Übereinstimmung mit dem Regelwerk der FIFA" erfolgt.
Und wie geht es nun weiter? Infantino reiste laut Medienberichten am Donnerstag erstmal zur Amtseinführung des kolumbianischen Präsidenten Abelardo de la Espriella. Mit großen Staatsmännern umgibt sich der 56-Jährige ja bekanntlich gerne, da kann die weitere Aufarbeitung warten.
