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UEFA-Funktionärin Nadine Keßler über Barcelonas Dominanz und steigende Ablösesummen

Nadine Keßler am letzten Tag des Portugal Football Summit
Nadine Keßler am letzten Tag des Portugal Football SummitPortugal Football Summit

Nadine Keßler, ehemalige Ballon-d’Or-Gewinnerin und heutige UEFA-Direktorin für Frauenfußball, sprach über die Dominanz des FC Barcelona in der Champions League, den rasant wachsenden Transfermarkt, Europas Chancen bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft sowie eine mögliche Youth League für Frauen. Das Gespräch fand im Anschluss an Kesslers Podiumsdiskussion beim Portugal Football Summit statt, wo sie Fragen von Flashscore und ausgewählten portugiesischen Medien beantwortete.

Barcelona hat Lyon im Finale der Königsklasse mit 4:0 besiegt und vier der letzten sechs Champions-League-Titel gewonnen. Ist eine solche Dominanz gut für den Frauenfußball oder braucht es mehr Herausforderer?

Barcelona war in den vergangenen Jahren ganz klar die prägende Supermacht. Was viele dabei vergessen: Der Verein hat sich diesen Status hart erarbeitet. Barcelona hat viele Jahre in der Champions League gekämpft und Rückschläge hinnehmen müssen, bevor der Klub schließlich die Spitze erreichte.

Natürlich lebt der Wettbewerb von neuen Herausforderern – und ich bin sicher, dass auch Barcelona selbst nach neuen Reizen sucht. In dieser Saison erwarte ich einen besonders engen Titelkampf, da das Feld extrem ausgeglichen wirkt. Wir werden sehen, wer am Ende den Pokal hochstemmt.

Barcelona have become a dominant force in women's football in Europe
Barcelona have become a dominant force in women's football in EuropeReuters / Albert Gea

Real Madrid soll rund 1,5 Millionen Euro für Felicia Schröder gezahlt haben, während Barcelona mit dem Transfer von Kerolin einen Vereinsrekord aufstellte. Vor wenigen Jahren waren solche Summen undenkbar. Wie gesund ist dieser wachsende Markt und wie nachhaltig ist diese Entwicklung?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Diese Ablösesummen unterstreichen das enorme Interesse an unserem Sport und zeigen, wie viel die Vereine mittlerweile zu investieren bereit sind. Gleichzeitig müssen wir kritisch hinterfragen, wie diese Ausgaben refinanziert werden.

Mir ist es ein großes Anliegen, dass Vereine und Ligen auf ein nachhaltiges Fundament gestellt werden, damit sich ihre Investitionen auch langfristig auszahlen. Der Frauenfußball darf kein kurzes Strohfeuer sein. Wir begrüßen das steigende Kapital und investieren selbst auf allen Ebenen – aber wir müssen Strukturen schaffen, die auch in fünf oder zehn Jahren noch Bestand haben.

Spanien und England standen sich zuletzt sowohl im EM- als auch im WM-Finale gegenüber. Werden die UEFA-Nationen auch die kommende Weltmeisterschaft in Brasilien dominieren?

Da bin ich natürlich nicht ganz unparteiisch! Ich glaube fest an die europäischen Teams und bin überzeugt, dass sie in den entscheidenden Phasen des Turniers weit kommen werden.

Allerdings präsentiert sich Brasilien stark, und auch die USA reisen mit einem hungrigen, hochkarätigen Kader an. Es wird eine WM mit vielen Titelanwärtern – dennoch drücke ich unseren europäischen Teams die Daumen, dass sie den Pokal nach Hause holen.

Neben der Champions League wird der Wettbewerb nun durch den Europa Cup erweitert. Bei den Männern gibt es zudem die UEFA Youth League zur Nachwuchsförderung. Steht ein solches Format bald auch im Frauenfußball an?

Unsere Priorität im Vereinsfußball liegt aktuell darauf, mehr Seniorinnen-Teams in den europäischen Wettbewerben zu etablieren. Zudem arbeiten wir intensiv daran, mehr Investitionen in den Frauenfußball zu lenken und nachhaltige Einnahmequellen zu erschließen.

Eine Youth League käme zum jetzigen Zeitpunkt wohl noch zu früh. Die wenigsten Vereine in Europa wären aktuell bereit, in ein solches Format zu investieren. Wir bleiben offen für neue Ideen, haben aber erst vor wenigen Jahren im Rahmen der Lizenzierungskriterien verpflichtende Nachwuchsteams für Vereine eingeführt – das war bereits ein großer Schritt. Wichtig ist nun, dass die Klubs solide Fundamente bauen. Alles Weitere bringt die Zukunft.

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