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Winners & Losers: Klopp stolpert, City gerät ins Wanken – und Shea Charles glänzt

Jürgen Klopp ist nach seinen ersten zwei Spielen als Bundestrainer noch ohne Sieg.
Jürgen Klopp ist nach seinen ersten zwei Spielen als Bundestrainer noch ohne Sieg.Action Press / Shutterstock Editorial / Profimedia

Auch wenn am Wochenende die Nations League im Rampenlicht stand, bot der internationale Fußball reichlich Drama. Während Griechenland und Nordirland historische Siege feierten, müssen Jürgen Klopp und die Nationalmannschaft Costa Ricas nach dramatischen Einbrüchen erst einmal die Scherben zusammenkehren.

Winner: Shea Charles

Stell dir vor, du startest als frischgebackener Gruppensieger in die Nations League – und bist in einer Hinsicht trotzdem das Schlusslicht Europas. Bis zum vergangenen Freitag war Nordirland die letzte UEFA-Nation, die in diesem Wettbewerb noch keinen einzigen Auswärtssieg einfahren konnte.

Durch den Aufstieg schien dieser Fluch theoretisch nur noch schwerer zu brechen. Auch nach 90 Minuten in Tiflis sah es ganz danach aus, als bliebe die Reise nach Georgien ertraglos: Khvicha Kvaratskhelia hatte zwar einen Elfmeter verschossen, doch auch die Gäste blieben ohne Treffer.

In der neunten Minute der Nachspielzeit bot sich nach einem Einwurf schließlich die allerletzte Chance. Trai Hume schlug den Ball hoch in den Strafraum, wo Shea Charles sein Bein ausstreckte – und Geschichte schrieb. Sein Last-Minute-Treffer bescherte Nordirland den ersehnten Sieg, kostete den gegnerischen Trainer prompt den Job und veranlasste den nordirischen Verband dazu, den Highlight-Clip kurzerhand mit einem Song von Celine Dion zu unterlegen. Ja, Shea Charles gehört dieses Wochenende definitiv zu den großen Gewinnern.

Loser: Jürgen Klopp

Seit dem schmerzhaften WM-Aus gegen Paraguay begleitete die Debatte um Jürgen Klopp als neuen Bundestrainer eine enorme Erwartungshaltung. Nach der Ära unter Julian Nagelsmann sollte mit ihm endlich der Umschwung gelingen.

Diese monatelange Euphorie spiegelte sich auch in den Quoten wider: Fast elf Millionen Menschen schalteten beim Debüt ein. Das vorangegangene Unentschieden gegen die Niederlande hinterließ zwar erste Frustrationen, doch der späte Punktverlust gegen Oranje war noch verkraftbar. Gegen Griechenland schien die DFB-Elf vor heimischem Publikum zunächst gefestigter – insbesondere in der Zuordnung und der defensiven Grundordnung.

Deutschland – Griechenland: Momentum-Grafik
Deutschland – Griechenland: Momentum-GrafikFlashscore

In der Schlussphase brach diese Struktur jedoch komplett zusammen. Griechenland nutzte die Passivität der Gastgeber eiskalt aus und feierte einen historischen Premieren-Sieg. Die seit Juli herrschende Aufbruchstimmung zerplatzte wie eine Seifenblase. Auch wenn das Klopps Arbeit nicht grundlegend infrage stellt, sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Ausgerechnet Aufsteiger Griechenland gilt nun als Favorit auf den Einzug ins Viertelfinale.

Winner: Vancouver FC

Länderspielpausen bedeuten für Fans des Vereinsfußballs meist eine Durststrecke – dieser Spieltag war jedoch eine Ausnahme. In der Canadian Premier League bot sich den Zuschauern in Toronto ein Spektakel der Extraklasse: Inter Toronto verlor in einer wilden Partie mit 3:4 gegen das Tabellenschlusslicht Pacific FC. Alle sieben Tore fielen bereits im ersten Durchgang.

Eine Rote Karte, drei Elfmeter und 15 Minuten Nachspielzeit – es war die pure Fußball-Anarchie. Für Pacific war es erst der zweite Sieg im 23. Saisonspiel.

Obwohl hier zwei Kellerkinder aufeinandertrafen, durfte man sich vor allem beim Vancouver FC freuen, das mehr als 3.300 Kilometer entfernt im Einsatz war. Durch die Pleite von Inter patzte jeder direkte Konkurrent Vancouvers im Kampf um die Play-off-Ränge. Vancouver selbst trotzte dem favorisierten Forge FC einen Punkt ab und kam der historischen ersten Qualifikation für die K.-o.-Runde damit einen großen Schritt näher.

Loser: Manchester City

Am Freitag erfuhr die Konkurrenz aus der Premier League, dass Manchester City in 114 von 115 Anklagepunkten schuldig gesprochen wurde. Die Welle der Spekulationen über mögliche Strafen rollte augenblicklich an. Daran konnten weder die Reaktion von Klub-Chef Khaldoon Al Mubarak noch die Ankündigung, Berufung einzulegen, etwas ändern.

Alle Hintergründe: Wie der Fall Man City die Premier League erschüttert

Verliert City nun rückwirkend Punkte und Titel? Selbst wenn nicht: Für die Rivalen öffnet sich das Tor für immense finanzielle Schadensersatzforderungen. Der Reputationsschaden für die "Cityzens" ist jedenfalls gewaltig – und das an einem Wochenende, an dem sie nicht einmal auf dem Platz standen.

Loser: Costa Rica

Wer Curaçaos WM-Debüt verfolgt hatte, dürfte das Auswärtsspiel in Costa Rica nach 45 Minuten bereits abgehakt haben. Eloy Room, der gegen Ecuador noch 15 Torschüsse entschärft hatte, erwischte in San José einen rabenschwarzen Tag und musste dreimal hinter sich greifen.

Costa Rica ging mit einer komfortablen 3:0-Führung in die Pause und stürmte an die Spitze der Live-Tabelle. Auch eine halbe Stunde vor dem Ende deutete nichts auf eine Wende hin – bis die Joker der Gäste das Spiel komplett auf den Kopf stellten.

Jordi Paulina glänzte zwischen der 62. und 66. Minute als zweifacher Vorbereiter für Kenji Gorre und Tahith Chong. Plötzlich war die Partie wieder offen, und Curaçao spielte wie im Rausch: Erst drückte Gorre einen Abpraller nach einem Pfostenschuss von Comenencia ins leere Tor, ehe Paulina den Ball per Knie über den Innenpfosten zum 3:4-Endstand über die Linie beförderte. Während Curaçao ein historisches Comeback feierte, dürfte man in Costa Rica noch immer rätseln, wie man eine 3:0-Führung innerhalb von 20 Minuten verspielen konnte.

Winner: Gavin Bazunu

Zumindest vorerst geht Irlands Ersatzkeeper als Gewinner aus seiner Entscheidung hervor, auf einen Einsatz gegen Israel zu verzichten. Seit Freitag dominiert der Torhüter, der ohnehin voraussichtlich nur auf der Bank gesessen hätte, die Schlagzeilen.

In seiner Heimat schlug ihm eine Welle der Zustimmung entgegen, und auch international reiht sich seine Geste für viele in die Haltung des irischen Verbands ein. Wie hoch die sportlichen und persönlichen Konsequenzen am Ende ausfallen, wird erst die Zukunft zeigen. Vorerst bleibt Bazunu vor dem Duell gegen Österreich im Kader, während die politische Debatte im Hinblick auf das Rückspiel in Serbien weiter brodelt.

Loser: Israel

Nach dem Abstieg aus der Liga A erlebte Israel eine Etage tiefer ein böses Erwachen. Bereits im Auftaktspiel gegen Österreich nahm das Unheil zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt seinen Lauf: Kurz nach dem Ausgleichstreffer wurde Sayed Abu Farkhi wegen eines umstrittenen Jubels vom Platz gestellt.

Er hatte die Eckfahne entwendet und eine Waffen-Geste angedeutet. Der Schiedsrichter wertete dies als Unsportlichkeit und zeigte ihm Gelb-Rot. Geschwächt unterlag Israel am Ende mit 1:3. Dass Farkhi diesen Jubel als Hommage an den Snookersport verstand, änderte nichts an der Unklugheit der Aktion unter Vorbelastung.

Die Tabelle in der Israel-Gruppe
Die Tabelle in der Israel-GruppeFlashscore

Nach zwei Tagen medialer Daueraufregung folgte am Sonntag in Debrecen das nächste Desaster: Irland überrollte die Israelis binnen 25 Minuten völlig. Nach drei schnellen Gegentreffern fand die Mannschaft nicht mehr zurück ins Spiel und ziert nun mit einer indiskutablen Tordifferenz das Tabellenende.

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