Es bleibt zunächst also "nur" der Fakt, dass LIV spätestens ab Ende August ohne die milliardenschwere Unterstützung aus Saudi-Arabien auskommen muss. Der Staatsfonds PIF erklärte am Donnerstag, LIV nur noch für den Rest des Spieljahres finanziell zu unterstützen - und erklärte weiter: "Die erheblichen Investitionen, die LIV Golf langfristig benötigt, sind nicht mehr mit der aktuellen Phase der Investitionsstrategie von PIF vereinbar."
Die Investitionen waren tatsächlich "erheblich". Experten gehen von fünf bis acht Milliarden US-Dollar aus, die insgesamt von den Saudis ausgegeben wurden. Im Jahr 2022 wurden damit erst Topstars wie Jon Rahm, Bryson DeChambeau, Phil Mickelson, Brooks Koepka oder der frühere Weltranglistenerste Martin Kaymer mit Millionen-Summen zum Teil im dreistelligen Bereich zur Abkehr von der traditionsreichen PGA-Tour bewegt. Danach wurde die Serie mit hohen Preisgeldern finanziert.
Saudis drehen den Geldhahn zu
Um die andauernden Diskussionen über die gespaltene Golfwelt einzudämmen, unterzeichneten die Abtrünnigen 2023 zwar eine Rahmenvereinbarung mit der US-amerikanischen PGA und der europäisch geprägten DP World Tour - die darin angepeilte Kooperation kam aber bislang nicht zustande.
Rund zwei Stunden vor PIF hatte LIV in einer nebulös formulierten Mitteilung schon erahnen lassen, dass die saudische Geldquelle versiegt. Nun gehe es darum, "langfristige Finanzpartner zu gewinnen, um den Übergang von der Gründungsphase zu einem diversifizierten Investitionsmodell mit mehreren Partnern zu unterstützen".
An diesen Übergang glauben allerdings die Wenigsten. Zu viele Fragen sind offen: Kann die überteuerte Tour, die nie das erhoffte Niveau sowie Interesse der Zuschauer erreicht hat, wirklich ohne PIF überleben? Wenn nicht, müssen die Profis ausbezahlt werden oder greift eine Konkursregelung? Stehen die Spieler vor hohen Strafzahlungen, falls sie zur PGA zurückkehren wollen? Was passiert mit der PGA? Die Tour hatte als Reaktion auf LIV die ohnehin schon exorbitanten Preisgelder teilweise massiv erhöht - was nach Ansicht vieler Experten finanziell nicht zukunftsfähig ist.
Die Antwort von Donald Trump auf all diese Fragen war ziemlich lapidar. "Jetzt werden sie alle von der Tour akzeptiert werden", sagte der US-Präsident: "Sie werden auf die Tour zurückkommen und es wird großartig werden." Dass Trump eine Meinung dazu hat, ist klar: An diesem Wochenende spielt die PGA auf seinem Kurs in Miami, in einer Woche LIV auf seinem Platz nahe Washington.
Investitionen in andere Sportarten betroffen?
Die ersten Reaktionen der PGA-Profis waren etwas differenzierter als die Trumps. So stellte der dreimalige Major-Champion Jordan Spieth selbst erst mehrere Fragen zur ungewissen Zukunft, bevor er meinte: "Ich bin froh, dass ich die Fragen nicht beantworten muss - und ich baue darauf, dass die Leute, die sie beantworten müssen, die richtigen Entscheidungen treffen."
Diese Fragen könnte schon bald auch auf die Macher anderer Sportarten zukommen. Schließlich hatte PIF kürzlich seine Strategie für die Zeitspanne von 2026 bis 2030 präsentiert, der Sport wurde darin nicht erwähnt. Saudi-Arabien hat in den vergangenen Jahren massiv in den Sport investiert - vor allem in Fußball, Formel 1, Boxen, Tennis, E-Sport und eben Golf.
Erst im vergangenen Jahr wurde das Land zum Gastgeber der Fußball-WM 2034 gekürt - die Endrunde dürfte im Gegensatz zum Golf wohl weiter mit der Investitionsstrategie der Saudis vereinbar sein.
