Zum Hauptinhalt springen

FIFPRO Europe fordert FIFA-Reformen nach gescheitertem Infantino-Investitionsplan

Gianni Infantino steht als FIFA-Präsident weiter unter Druck.
Gianni Infantino steht als FIFA-Präsident weiter unter Druck.REUTERS / Kacper Pempel

Die europäische Spielergewerkschaft FIFPRO Europe hat am Montag grundlegende Reformen der Entscheidungsprozesse innerhalb der FIFA gefordert. Der mittlerweile aufgegebene Investitionsvorschlag des Weltverbands offenbare gefährliche Schwachstellen in der Führung des Weltfußballs.

In einer am Montag veröffentlichten Studie kritisiert die Gewerkschaft die auf Eis gelegte „Forward Enterprise“ (FFE)-Initiative der FIFA scharf. Demnach hätte das Projekt die wichtigsten Fußballwettbewerbe ohne angemessene Einbindung zentraler Interessengruppen in Vermögenswerte für privates Kapital verwandelt. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte den FFE-Vorstoß Anfang des Jahres präsentiert, ihn nach breitem Widerstand jedoch wieder zurückgezogen. Laut FIFPRO Europe bleiben die strukturellen Governance-Mängel, die eine solche Entwicklung überhaupt erst ermöglicht haben, jedoch weiterhin ungelöst.

"FFE war der Versuch, die zentralen Wettbewerbe des Fußballs in ein investierbares, handelbares und unterbewertetes Finanzprodukt für privates Kapital zu verwandeln", heißt es in dem Bericht, der gemeinsam mit Player IQ und Football Benchmark erstellt wurde.

Europäische Klubs dominieren

Die Veröffentlichung fällt in eine Phase intensiver Debatten über die Machtverhältnisse im Weltfußball. In Gerichtsunterlagen im Zuge juristischer Auseinandersetzungen mit der UEFA argumentierte die FIFA zuletzt, dass der Widerstand gegen ihre Pläne vor allem dem Schutz der europäischen Dominanz diene. FIFPRO Europe betonte zwar, Bemühungen um eine höhere Entwicklungshilfe für kleinere Verbände zu unterstützen, stellte jedoch klar: Jeder Solidaritätsmechanismus müsse gemeinsam von allen Akteuren gestaltet werden. "Jeder zukünftige Vorschlag zur Erhöhung von Solidaritätszahlungen muss auf der Grundlage verlässlicher Governance gemeinsam entwickelt und darf nicht einseitig durchgedrückt werden", so die Gewerkschaft.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, stellten europäische Klubs bei der erweiterten Weltmeisterschaft 2026 insgesamt 856 Spieler ab. Dies entsprach einem Gesamtmarktwert von rund 16,9 Milliarden Euro (19,8 Milliarden US-Dollar) bzw. 94 Prozent des gesamten Spielerwerts des Turniers. Zudem gingen sämtliche 20 individuellen Auszeichnungen der vergangenen fünf Weltmeisterschaften an Profis, die bei europäischen Vereinen unter Vertrag standen.

Aus Sicht von FIFPRO Europe unterstreichen diese Zahlen die Dringlichkeit, die "kritische Infrastruktur" des Fußballs zu schützen. Die Organisation fordert eine unabhängige Überprüfung der Entscheidungsprozesse im FIFA-Council, um zu verhindern, dass grundlegende Weichenstellungen eigenmächtig von einer einzelnen Instanz getroffen werden können.

Darüber hinaus verweist die Studie auf eine Schieflage bei der Einnahmenverteilung: Der Anteil der WM-Einnahmen, der als Preisgeld an die teilnehmenden Verbände ausgeschüttet wird, sei 2026 trotz stark steigender Gesamterträge auf etwa 7,7 Prozent gesunken – nach 10,5 Prozent im Jahr 2006. "Die Spieler erhalten davon nur einen Bruchteil, während die Verbände auf diese Gelder als einzige leistungsabhängige FIFA-Einnahmequelle angewiesen sind", heißt es weiter.

Abschließend fordert die Spielergewerkschaft, dass Spieler, Klubs und Ligen künftig gleichberechtigt neben den nationalen Verbänden formell in die Führungsgremien des Weltfußballs eingebunden werden.

Eine Anfrage von Reuters um Stellungnahme ließ die FIFA bislang unbeantwortet.