Wenn Österreich am Donnerstag in Linz um 20.45 Uhr (DAZN) gegen Israel das erste der vier anstehenden Nations-League-Spiele bestreitet, gehören gleich sechs Akteure zum Kader, die noch nie für die ÖFB-Auswahl aufgelaufen sind. Neun der 27 nominierten Profis waren bei der WM im Sommer, als Österreich im Sechzehntelfinale am späteren Weltmeister Spanien scheiterte, nicht dabei. Die neue Namen sollen für frischen Wind sorgen - doch sie stehen auch sofort in der Pflicht.
Denn das frühe Ausscheiden bei der Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada war angesichts des schier übermächtigen Gegners zwar keine Schande, die Art und Weise jedoch warf Fragen auf. Rangnick gab sich selbstkritisch, sprach davon, "nicht genügend" Trainingseinheiten eingebaut zu haben, "wo es richtig gescheppert hat." Auch dass er seinem Team viele Freiheiten in der Freizeitgestaltung ließ, sei ein Fehler gewesen: "Das würde ich so nicht mehr machen."
Nun zieht der 68-Jährige die Zügel an. Auf Instagram schrieb er im Rahmen der Kadernominierung für die Nations League, mit seinem Team wieder den Fußball zeigen zu wollen, "für den wir in den letzten vier Jahren gestanden haben und für den wir auch gefürchtet waren."
Das Vertrauen des Österreichischen Fußballverbandes (ÖFB) genießt Rangnick bei diesem Vorhaben. Die geräuschvolle Trennung des langjährigen Sportdirektors Peter Schöttel vor rund zwei Wochen soll laut Medienberichte auch deshalb erfolgt sein, weil es zwischen Schöttel und Rangnick Differenzen gegeben haben soll.
Auftakt gegen Israel
Doch auch Rangnick selbst steht unter genauester Beobachtung: Dessen "selbstkritische Analyse" sei "notwendig und richtig und wichtig", erklärte Josef Pröll, ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender, bei Sky. Nun werde sich zeigen, "ob die Lehren aus dem, was vielleicht punktuell da war, gezogen sind und wurden", ergänzte der Funktionär: "An dem messe ich Mitarbeiter und auch mich selbst."
Zum Match-Center: Österreich vs. Israel
Das von der Europäischen Fußballunion UEFA angesichts der politischen Lage als Hochrisikospiel eingestufte Aufeinandertreffen mit Israel bildet dabei den Auftakt, drei Tage später trifft Österreich in Wien auf Kosovo. Bei den Auswärtsreisen Anfang Oktober heißen die Gegner Irland und erneut Kosovo.
Bis dahin sollte sich auch der ehemalige Bremen-Profi Romano Schmid an das veränderte Gesicht der Mannschaft gewöhnt haben, zu der neben Alaba, Arnautovic und Sabitzer derzeit auch Christoph Baumgartner (RB Leipzig, verletzt) und der angeschlagene Bayern-Akteur Konrad Laimer nicht gehören. Laimer könnte noch nachrücken, für Schmid jedoch fühlt sich das Fehlen der zahlreichen Routiniers "ganz komisch" an: "Ich kenne das Nationalteam nur mit ihnen."
Doch in Österreich scheint nun eine neue Zeitrechnung begonnen zu haben.
