Seit seinem Amtsantritt vor sieben Jahren hat Mikel Arteta mit Arsenal fast alles erreicht, ein Premier-League-Sieg an der Anfield Road blieb ihm bis zu diesem Sonntag jedoch verwehrt. Nach dem blamablen Pokal-Aus gegen den Viertligisten Fleetwood unter der Woche forderte Arteta eine Reaktion. Seine Mannschaft lieferte: Kai Havertz brachte die Gunners früh in Führung.
In der Folge spulten die Nordlondoner ihr gewohnt defensivstarkes Programm ab. Liverpool bestrafte sich selbst für die fahrlässige Chancenverwertung in einer dominanten Phase vor der Pause. Im zweiten Durchgang hatten die Reds den taktischen Umstellungen Artetas nichts mehr entgegenzusetzen.
Arsenals Vorsprung von drei Punkten wirkt umso komfortabler, da Manchester City bei einem Schuldspruch wegen über 100 Verstößen gegen Finanzregularien ein drastischer Punktabzug droht.
Steckt Manchester United tatsächlich im Abstiegskampf?
Dass Manchester United nach dem August in der Abstiegszone stand, gab es zuletzt vor 40 Jahren. Damals ebnete das Aus von Ron Atkinson den Weg für die Ferguson-Ära. Das dürfte aktuell allerdings der einzige schwache Trost für die Anhänger der Red Devils sein, die sich auf einen langen, harten Winter einstellen müssen.
Nur weil auch Nottingham Forest und Crystal Palace patzten, bleibt United dank der besseren Tordifferenz knapp über dem Strich. Ein Ausweg aus dem Abwärtstrend ist jedoch nicht in Sicht.
Für das Gastspiel an der Stamford Bridge erhielt Michael Carrick noch einmal eine Gnadenfrist. Nach dem Einbruch seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit konnte der Coach jedoch nur noch ratlos den Kopf schütteln. Dabei hatte United vor der Pause noch die besseren Chancen verbucht.
Der minimale Hauch von Zuversicht verflog im zweiten Durchgang schlagartig, als Morgan Rogers völlig unbedrängt durch das Zentrum der United-Defensive marschierte und die Führung erzielte. Ein Aussetzer von Lisandro Martínez machte die Hoffnung auf eine Aufholjagd endgültig zunichte: Der Argentinier holte sich innerhalb von nur 83 Sekunden zwei Gelbe Karten ab. Den fälligen Strafstoß verwandelte Cole Palmer souverän zum Endstand.

Dass ein Klub mit einem Jahresumsatz von voraussichtlich über 700 Millionen Pfund am Ende tatsächlich absteigt, erscheint nach wie vor unwahrscheinlich. Da jedoch alle drei Aufsteiger einen starken Start hingelegt haben und in der Tabelle vor Carricks Team stehen, lässt sich das Szenario nicht mehr völlig von der Hand weisen.
Brighton darf vom Wunder träumen
Auch Brighton & Hove Albion träumt – allerdings aus erfreulichen Gründen. Die Seagulls haben zwar noch nie eine große Trophäe gewonnen, beweisen derzeit aber eindrucksvoll, dass sie mit den Schwergewichten der Liga auf Augenhöhe agieren.
Das Team von Fabian Hürzeler fegte Arsenal im September mit 3:0 vom Platz und feierte am Samstag den ersten Auswärtssieg gegen Manchester City in der Vereinsgeschichte.
Neben der Offensivstärke überzeugt vor allem die Abwehr: In sechs der letzten neun Partien blieb Brighton ohne Gegentreffer. "Es gibt dieses alte Sprichwort: Offense wins games, defense wins championships", erklärte Hürzeler nach dem Spiel. "Ich habe den Jungs vorher gesagt: Es kommt auf den Glauben an sich selbst an. Auf das Selbstvertrauen, hierherzukommen und mit drei Punkten im Gepäck nach Hause zu fahren."
Brighton rangiert aktuell auf Platz drei. Und der Glaube wächst, dass dieser Klub das Unmögliche schaffen und an das meisterliche Märchen von Leicester City vor zehn Jahren anknüpfen könnte.
