Das extrem hoch stehende Abwehrsystem grenzt an ein Spiel mit dem Feuer: Die Kette rückt in den meisten Partien beinahe bis zur Mittellinie auf. Jede gegnerische Mannschaft mit Tempo in der Offensive kann diese letzte Reihe überspielen und tut das auch regelmäßig, weil den Katalanen schlicht die nötige Schnelligkeit in der Innenverteidigung fehlt.
Das Motto „Ihr schießt drei Tore, wir schießen vier“ mag spektakulär sein und gegen schwächere Gegner funktionieren. Doch wie die Duelle mit PSG und Real Madrid gezeigt haben, ist dieser Ansatz gegen Europas Elite zu fehleranfällig. Ohne einen gestandenen, schnellen Innenverteidiger droht das Champions-League-Projekt einmal mehr zu scheitern. Da hilft es auch wenig, wie oft Raphinha, Lamine Yamal und Co. vorne treffen.
Hincapie im Visier der Katalanen
Vor diesem Hintergrund berichten spanische Medien über ein konkretes Interesse Barcelonas an Piero Hincapie für das Wintertransferfenster. Der 24-jährige Ecuadorianer soll bei Arsenal mit seinen Einsatzzeiten in der laufenden Saison hochgradig unzufrieden sein.
Bislang absolviert er lediglich sieben Partien (weniger als die Hälfte der Einsätze vieler Teamkollegen) und stand dabei nur zweimal in der Startelf. Seine insgesamt 256 Spielminuten entsprechen nicht einmal drei vollen Partien. Zum Vergleich: Sein Abwehrkollege Gabriel Magalhães bringt es bereits auf 1.215 Minuten.
Hincapie leidet spürbar unter der Verpflichtung von Ezri Konsa. Und sobald William Saliba wieder vollständig fit ist, droht dem Ecuadorianer noch mehr Bankzeit. Es ist daher vollkommen verständlich, dass er sich nach Alternativen umsieht, zumal sein Profil perfekt nach Barcelona passen würde.
Strategische Vielseitigkeit
Als Linksfuß könnte Hincapie dem bisher blassen Gerard Martín Druck machen und um den Platz neben Pau Cubarsí konkurrieren. Zudem überzeugt er als Schienenspieler auf der linken Abwehrseite wie auch im linken Mittelfeld. Genau diese Flexibilität macht ihn für die Blaugrana extrem attraktiv.
Ein Transfer im Januar dürfte allerdings am Widerstand von Mikel Arteta scheitern: Der Arsenal-Coach gilt als extrem zurückhaltend, wenn es um Abgänge im Winterfenster geht. Hinzu kommt, dass Hincapies Leihwechsel von Bayer Leverkusen erst im Sommer fest eingetütet wurde.
Bei einem Vertrag bis 2031 besteht für die Nordlondoner keinerlei Verkaufsdruck. Dennoch soll Barcelonas Sportdirektor Deco bereits die Fühler ausgestreckt und Kontakt zur Spielerseite aufgenommen haben, um Hincapie von einem Wechsel in die Sonne Kataloniens zu überzeugen.
Starke Leistungswerte trotz kaum Einsatzzeiten
Ein Blick auf die Daten unterstreicht den Wert des Verteidigers: Trotz seiner geringen Spielzeit verzeichnet Hincapie bereits 83 Tackling-Versuche – der viertbeste Wert im gesamten Arsenal-Kader. Mit 72 Kopfballklärungen rangiert er intern auf Platz drei und gehört mit insgesamt 125 Befreiungsaktionen zu den wenigen Akteuren der Gunners, die in dieser Kategorie die Hunderter-Marke geknackt haben.

Mit einer Zweikampfquote von 61,89 Prozent führt er das Team unter allen Spielern mit mindestens 100 Duellen sogar an. Zwar weisen Konsa und Bruno Guimarães leicht bessere Quoten auf, haben diese Marke jedoch noch nicht erreicht. Zudem entschied Hincapie 54 seiner 100 Luftduelle für sich und glänzt mit einer Passquote von 87,12 Prozent.
Artetas Sturheit als Beschleuniger
Umso unverständlicher wirkt es, dass Arteta sein Abwehrtalent derart links liegen lässt und damit einen Wechselwunsch überhaupt erst provoziert. Arsenal hat unter dem Spanier eine enorm positive Entwicklung genommen – doch wenn der FC Barcelona ernst macht, fällt eine Absage schwer. Hätte Hincapie im Emirates Stadium den Stellenwert bekommen, der seinen Qualitäten entspricht, stünde diese Zukunftsfrage gar nicht erst im Raum.
