Die "Mondlandung" im Saarland: Elversberg folgt Schalke in die Bundesliga

Der SV Elversberg steigt erstmals in die Bundesliga auf
Der SV Elversberg steigt erstmals in die Bundesliga auf REUTERS/Thilo Schmuelgen

Die SV Elversberg schreibt Geschichte - und darf sich auf Bundesliga-Duelle mit den Bayern und Dortmund freuen.

Als sich der kleine Dorfverein den Platz bei den ganz Großen gesichert hatte, brachen an der Kaiserlinde alle Dämme. Die Fans der SV Elversberg stürmten auf den Rasen, die Profis hüpften Arm in Arm in ihren Aufstiegsshirts. Und Trainer Vincent Wagner, dem das Bier durchs Gesicht floss und dessen Oberteil triefte, schwärmte inmitten der geschichtsträchtigen Party von seiner ganz persönlichen "Mondlandung".

Dass den Saarländern erstmals überhaupt der Sprung in die Bundesliga und damit der größte Erfolg der Klubhistorie gelang, sei "völlig" bei ihm angekommen. "Irgendwie bin ich relativ entspannt", gestand der Erfolgscoach bei Sky, ehe er mit einem Vergleich das schier Unglaubliche zusammenfasste: "Ein Freund hat mir diese Woche gesagt: Wenn die SVE aufsteigen kann, ist das so, als würde man zum Mond fliegen. Und die Mondlandung haben wir heute geschafft."

Zum Match-Center: SV Elversberg vs. Preußen Münster

Dritter Aufstieg in fünf Jahren

Die Saarländer bezwangen Absteiger Preußen Münster am letzten Spieltag mit 3:0 (2:0) und erreichten den vorläufigen Höhepunkt ihres Fußballmärchens. Die SVE ließ im Dreikampf mit Hannover 96 und Darmstadt 98 nichts mehr anbrennen - und darf sich nun auf Duelle mit Harry Kane, Michael Olise und vielen anderen Bundesliga-Stars freuen. "Es wird nicht leichter nächstes Jahr", sagte Wagner mit einem Schmunzeln: "Aber das ist nicht schlimm."

Bambasé Conté (10.) und David Mokwa (14./66.) sorgten mit ihren Treffern für den dritten Aufstieg innerhalb von nur fünf Jahren. Die 12.800-Seelen-Gemeinde Spiesen-Elversberg wird damit zum kleinsten Standort der Bundesliga-Geschichte und löst Unterhaching mit seinen 22.000 Einwohnern ab. Das Saarland kehrt dazu nach 33 Jahren in die deutsche Eliteliga zurück, auf der Tribüne jubelte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger euphorisch mit.

"Wir genießen das erstmal ein bisschen. Das ist nicht vom Himmel gefallen", sagte Wagner: "Das Emotionale war mal vor drei Wochen, als Schalke aufgestiegen ist und ich meiner Frau gesagt habe, dass es völlig geistesgestört ist, dass wir in dieselbe Liga aufsteigen können." Für den Dorfverein, der Jahr um Jahr seine besten Spieler und mittlerweile auch Erfolgs-Trainer und -Manager verliert, ist dies ein kleines Wunder.

Aufsteiger sorgt früh für klare Verhältnisse

All das hatte Elversberg trotz des ersten vergebenen Matchballs in der Vorwoche in Düsseldorf (1:3) ausgeblendet. Ihre Anfangsnervosität schüttelten die Saarländer schnell ab, nach einem tollen Spielzug musste Conté den Ball aus drei Metern nur noch über die Linie drücken. Der Ball lief gut durch die eigenen Reihen, der Favorit drückte gewaltig aufs Tempo.

Mokwa schob nach starkem Querpass von Lasse Günther ein, wenig später verpasste er allein vor Johannes Schenk mit einem zu hohen Abschluss seinen zweiten Treffer (27.). Das Schlusslicht aus Münster wirkte im letzten Spiel seines Trainer Alois Schwartz phasenweise überfordert, erst in der Viertelstunde vor der Pause bekamen die Preußen den Elversberger Angriffswirbel etwas besser in den Griff.

Nach dem Wechsel drängten die Saarländer allerdings vehement auf eine schnelle Vorentscheidung. Lukas Petkov scheiterte aus zentraler Position an Schenk (48.), ansonsten haperte es einige Male an der Genauigkeit beim letzten Pass. Münster kam seinerseits kaum in die Nähe des gegnerischen Strafraums - und war quasi durchgehend mit Defensivarbeit beschäftigt.

Mokwa erhöhte aus kurzer Distanz und beseitigte auch die letzten Zweifel bei den Elversbergern, die in der Vorsaison noch in der Aufstiegsrelegation gescheitert waren. Die Schlussphase entwickelte sich unter dem Jubel der Fans zu einem Schaulaufen.

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