Plötzlich war Gianni Infantino machtlos. "Wir müssen respektieren", sagte der FIFA-Präsident in einem seltenen Anflug von Bescheidenheit, "dass wir nicht die Könige der Welt sind".
Ja, was Omar Artan bei seiner versuchten Einreise in die USA widerfahren ist, sei "unglücklich". Aber die FIFA habe nun einmal "nicht alles im Griff". Sie sei, so Infantino, nur "eine Sportorganisation".
Genau zwei Monate sind seitdem vergangen. Zwei Monate, in denen rund um Infantino und die FIFA, nun ja, einiges passiert ist.
Die Worte von damals wirken jedenfalls längst wie aus der Zeit gefallen. Vor allem jetzt, da Artan, der somalische Schiedsrichter, dem kurz vor der WM die Einreise in die USA verweigert wurde, wieder in aller Munde ist. Als Figur im immer schmutzigeren Machtkampf zwischen FIFA und UEFA.

Artan freut sich auf Abenteuer
Am Mittwoch (21 Uhr/DAZN) leitet der 34-Jährige das Finale im europäischen Supercup in Salzburg.Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain trifft auf Europa-League-Champion Aston Villa.
"Als wir diesen Anruf erhielten, war das für mich und meine Familie wirklich ein sehr, sehr glücklicher Moment", sagte der 34-Jährige: "Es gibt eine große somalische Gemeinschaft in Europa und in Österreich, und sie sind überglücklich, dass ich ein solches Spiel leiten darf."
Es werden sein "erstes Spiel in Europa sein. Abenteuer zu erleben, Erinnerungen zu sammeln und Neues zu lernen, ist immer toll", sagte Artan: "Ich hatte Glück, aber ich habe sehr hart dafür gearbeitet, hier zu sein, und ich bin wirklich stolz."
Offener Brief setzt Schlammschlacht fort
Die Ansetzung hatte die UEFA bereits Mitte Juni, nur wenige Tage nach Artans gescheiterter Einreise, bekannt gegeben. Es war eine erste Spitze aus Europa gegen Infantino – und wahrlich nicht die letzte.
Im wochenlangen Streit um Infantinos geplatzten Investorendeal legten die Europäer am Montag in einem gemeinsam Statement mit den Kontinentalverbänden aus Asien (AFC) sowie Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF) noch einmal nach.

