Auf dem Eis bemühte sich der neue Bundestrainer André Rankel mit seinem Team um sportliche Werbung für die Heim-WM, doch die Sorgen um das Eishockey-Highlight im nächsten Jahr wurden nicht kleiner. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) drängte zwar am Rande des Deutschland Cups auf eine Lösung des Russland-Dilemmas, der Weltverband unternahm aber schon erste Schritte für die Rückkehr des ehemaligen Rekordweltmeisters - trotz massiven Widerstands mit Boykottdrohungen und Sponsorenrückzug.
"Wir wollen eine schnelle Entscheidung", sagte der DEB-Vorstandsvorsitzende Frank Lutz am Samstag beim WM-Test in Düsseldorf, "wir sind mitten im Kartenverkauf." Das Eröffnungsspiel auf Schalke gegen die Schweiz ist mit 60.000 Zuschauern schon so gut wie ausverkauft, für die anderen WM-Spiele hat der DEB bereits Tickets im sechsstelligen Bereich abgesetzt. Der Verkauf ging auch nach der Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshof CAS, Russland wieder zu Eishockey-Turnieren zuzulassen, weiter - aufgrund des "existierenden Spielplans", so Lutz.
Kanada will Einreiseverbot gegen Russland verhängen
Der könnte sich aber bald ändern, denn zur U20-WM zum Jahreswechsel in Kanada hat der Weltverband IIHF einen neuen vorgelegt - mit Russland statt Aufsteiger Norwegen. Für die Weltmeisterschaft in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim würde dies bedeuten, dass die seit Beginn des Krieges ausgeschlossene russische Mannschaft ausgerechnet die angegriffene Ukraine ersetzen würde.
Kanada hat ein Einreiseverbot für Russland angekündigt, die deutsche Regierung schreckt davor nach den Gesprächen mit dem DEB zurück. Das sei die "Ultima Ratio", sagte Lutz, dabei sei auch die Olympiabewerbung Münchens um die Sommerspiele 2036, 2040 und 2044 zu berücksichtigen. "Das können wir als DEB allenfalls mit Argumenten beeinflussen, aber nicht durchsetzen."
Eine mögliche Lösung wäre laut Lutz, dass der Weltverband Russlands Ausschluss nicht mit Sicherheitsbedenken, die der CAS zurückwies, sondern mit der "sportlichen Integrität der Wettbewerbe", also bereits feststehenden Teilnehmerfeldern und Spielplänen, begründet - wie andere Sportarten, die damit Erfolg hatten. Trotz der Boykottdrohungen des Weltmeisters Finnland und anderer Europäer sowie des angekündigten Rückzugs mehrerer Sponsoren konnte sich die IIHF mit dem neuen Präsidenten Franz Reindl dazu nach tagelangen Beratungen bislang nicht durchringen, sondern kündigte an, die "notwendigen Schritte zu ergreifen, die das Urteil verlangt." Dennoch gab sich Lutz, der vor einer Woche die WM-Rückgabe nicht ausgeschlossen hatte, "sehr optimistisch". Allerdings seien weiter "alle Optionen auf dem Tisch."
Lettland zu stark
Sportlich weckte Rankel bei seinem Einstand an der Bande der Nationalmannschaft nur bedingt WM-Euphorie. Nach dem 3:0-Sieg zum Auftakt gegen Österreich erspielte sich das deutsche Team beim 1:3 gegen Lettland zwar Chancen zuhauf, ließ aber jegliche Effektivität vermissen. Dennoch sah Rankel "viele positive Dinge, auf die wir aufbauen können." Es sei wichtig, betonte der 41-Jährige, "dass wir ein Gefühl füreinander entwickeln, dass wir uns vertrauen."

Zum Match-Center: Deutschland vs. Lettland
Auch Kapitän Yasin Ehliz, mit 33 Jahren der Älteste in der Mannschaft ohne zahlreiche Leistungsträger und schon beim Silbercoup bei Olympia 2018 dabei, meinte: "Die Richtung stimmt." Rankels System habe das Team schon "ganz gut" umgesetzt: "Schnell nach vorne, gar nicht lange rumturnen, dem Gegner nicht viel Zeit und Platz geben, in der defensiven Zone kompakt spielen."
