Die bestätigten Kandidaten
Gianni Infantino (Amtsinhaber)
Er tritt zwar nicht gegen sich selbst an, strebt aber eine weitere Amtszeit an: Gianni Infantino lenkt seit über zehn Jahren die Geschicke des Weltfußballs. Nachdem er 2016 die Nachfolge des in Ungnade gefallenen Sepp Blatter angetreten hatte, wurde er zweimal wiedergewählt. Nun strebt er trotz teils heftiger Kritik von außen eine Verlängerung seiner Herrschaft an.

Dem amtierenden Präsidenten gelang es, den FIFA-Rat davon zu überzeugen, dass sein erstes Mandat nicht als volle Amtszeit zählt, da er lediglich eine angebrochene Perioden vervollständigte. Nach einer einstimmigen Entscheidung des Rats greift die Begrenzung auf maximal drei Amtszeiten somit in seinem Fall noch nicht.
Die Menschenrechtsorganisation FairSquare forderte die Mitgliedsverbände in einem offenen Brief dazu auf, Infantino für nicht wählbar zu erklären. Auch Miguel Maduro, ehemaliger Leiter des FIFA-Governance-Ausschusses, übte scharfe Kritik: "Der Wortlaut der Statuten ist eindeutig: Er spricht von drei Amtszeiten und unterscheidet nicht zwischen vollständigen oder unvollständigen Perioden."
Infantinos Präsidentschaft war wiederholt von Kontroversen geprägt. Zuletzt kostete ihn der umstrittene Vorschlag für das Projekt "FIFA Forward Enterprise" spürbaren Rückhalt: Seit August 2026 haben ihm fast 100 FIFA-Mitglieder öffentlich das Vertrauen entzogen.
Ramon Vega
Der ehemalige Schweizer Nationalspieler Ramon Vega gab als Erster offiziell seine Kandidatur bekannt. Nachdem der 55-jährige Ex-Verteidiger von Tottenham Hotspur und Celtic Glasgow seine Absicht im Oktober angekündigt hatte, machte er sie am 4. November offiziell.
Bereits nach Sepp Blatters Rücktritt 2015 hatte Vega eine Kandidatur erwogen, verwarf den Gedanken damals jedoch wieder. Nun tritt er mit dem Ziel an, eine Führung zu etablieren, die "dem Fußball und den Menschen dient, die dem Spiel Leben einhauchen".
In einem Exklusivinterview mit Flashscore übte Vega deutliche Kritik an der aktuellen FIFA-Führung: "Das jüngste Kapitel ist eindeutig das schlimmste von allen. Es muss wieder um ehrliche Arbeit, Transparenz und die Integrität des Fußballs gehen. Das sind wesentliche Säulen, die man nicht einfach ignorieren darf. Die Realität ist doch: Wir sprechen nur noch über Geld und kaum mehr über den Fußball selbst, der dringend reformiert werden muss."
Vega plädiert für das Ende autokratischer Strukturen und mehr Rechenschaftspflicht an der FIFA-Spitze: "Wichtig sind der Wiederaufbau des Dialogs und eine grundlegende Reform der Führung. Innerhalb der ersten 100 Tage möchte ich alle Beteiligten an einen Tisch bringen – Spieler, Ligen, Verbände. Wir brauchen wieder eine demokratische Diskussionskultur und müssen auch den internationalen Spielkalender auf ein solides Fundament stellen."
Allerdings stand Anfang November noch nicht fest, ob Vega die statutengemäße Unterstützung von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsverbänden hinter sich vereinen kann – wenngleich er betonte, dass die Zusage vorliege.
Kozo Tashima
Auch Kozo Tashima, Ehrenpräsident des japanischen Fußballverbands (JFA), stieg am 5. November offiziell ins Rennen ein. Der 68-Jährige, der einst sieben Länderspiele für Japan absolvierte, ist Absolvent der Deutschen Sporthochschule Köln und sitzt bereits seit 2015 im FIFA-Rat, dem höchsten Entscheidungsgremium des Weltverbands.
Zuvor war Tashima von seinem Amt als Vizepräsident des asiatischen Kontinentalverbands (AFC) zurückgetreten, nachdem die AFC öffentlich ihre Unterstützung für Infantino erklärt hatte. "Es geht nicht primär um Sieg oder Niederlage, sondern darum, der Welt die ehrliche, solide und aufrechte Haltung zu vermitteln, die den japanischen Fußball auszeichnet. Genau diese Werte braucht die FIFA jetzt. Ich kandidiere, um diesem Appell eine Stimme zu geben", erklärte Tashima bei seiner Ankündigung.
Tashima genießt den vollen Rückhalt der JFA, benötigt für eine formelle Zulassung jedoch noch die Bestätigung von vier weiteren Verbänden.

Mögliche Herausforderer: Gerüchte aus Europa
Da die UEFA weiterhin nach einem aussichtsreichen Gegenkandidaten sucht, berichteten Zeitungen wie The Times und L’Équipe, dass der europäische Dachverband mehrere prominente Persönlichkeiten ins Auge gefasst hat.
Arsène Wenger
Ein gehandelter Name ist Arsène Wenger (77). Der langjährige Erfolgsmanager des FC Arsenal arbeitet derzeit als Leiter der Abteilung für globale Fußballentwicklung bei der FIFA. Im August distanzierte sich der Franzose deutlich von Infantinos Umstrukturierungsplan "FIFA Forward Enterprise": "Die Rücknahme des Projekts war absolut notwendig. Ich glaube zutiefst an eine unabhängige FIFA, die unserem Sport mit Engagement, Transparenz und Integrität dient."
Wenger genießt unter anderem die Rückendeckung des französischen Verbands (FFF). FFF-Präsident Philippe Diallo lobte im Interview mit Ouest-France Wengers Qualitäten und sein internationales Ansehen, betonte jedoch: "Am Ende ist es eine persönliche Entscheidung. Ist man bereit, sich einer Aufgabe zu stellen, die immense Anforderungen mit sich bringt?"

Michele Kang
Ebenfalls auf dem UEFA-Radar soll Michele Kang stehen. Die 67-jährige US-amerikanische Geschäftsfrau ist Eigentümerin und Präsidentin mehrerer Frauenfußball-Clubs, darunter Olympique Lyonnais, die London City Lionesses und Washington Spirit.
Kang stieg erst 2020 in den Sport ein – nach eigenen Angaben fast durch einen Zufall: "Ich wusste damals praktisch nichts über Fußball, nicht einmal, wer Lionel Messi war. Doch der WM-Sieg der US-Frauen 2019 führte mich zu einem Empfang auf dem Kapitol, wo ich erstmals von der Profiliga und Washington Spirit hörte."
Ihr Erfolgsrezept beschrieb sie gegenüber der Financial Times wie folgt: "Man muss sich mit den besten Leuten umgeben, die in ihren Fachgebieten klüger sind als man selbst. Ich verflichte die besten Trainer und Direktoren. Wenn ich mich dann dauernd in deren Entscheidungen einmischen würde, müsste ich sie gar nicht erst einstellen."
In der Branche ist Kang nicht unumstritten: Kritiker werfen ihr vor, mit hohen Ablösen und Gehältern den Markt zu verzerren und durch Multi-Club-Ownership Interessenskonflikte zu schüren. Gleichzeitig investiert sie massiv in den Sport – so spendete sie zuletzt über 50 Millionen Dollar für Nachwuchsprogramme des US-Verbands.

Lise Klaveness
Als dritte Option gilt Lise Klaveness, die Präsidentin des norwegischen Fußballverbands (NFF). Die Juristin und ehemalige Nationalspielerin (73 Länderspiele) wurde 2022 als erste Frau an die Spitze des NFF gewählt und gilt seit Jahren als eine der profiliertesten Kritikerinnen der aktuellen FIFA-Führung.
Klaveness prangerte wiederholt Mängel bei der WM 2022 in Katar an, stellte das Vergabeverfahren für die WM 2034 in Saudi-Arabien infrage und forderte 2026 die Abschaffung des FIFA-Friedenspreises. Auch beim Widerstand gegen das Projekt „FIFA Forward Enterprise“ stand sie in der ersten Reihe.

Ob sie selbst als Kandidatin antritt, ließ Klaveness im Gespräch mit dem Guardian jedoch offen: "Dass mein Name genannt wird, sehe ich als Zeichen dafür, dass sich die Menschen Gedanken über gute Führung machen. Wir haben uns international immer sehr klar positioniert – was strategisch nicht unbedingt der effizienteste Weg ist, um Stimmen zu sammeln. Deshalb glaube ich nicht, dass eine Kandidatur für mich diesmal realistisch oder ein Thema ist."
Das Wichtigste zur Wahl (FAQ)
Wann läuft die Bewerbungsfrist ab?
Kandidaten müssen ihre Unterlagen samt der Nachweise über die nötigen Unterstützerstimmen bis Mittwoch, den 18. November, um 23:59 Uhr MESZ offiziell einreichen.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Jeder Kandidat benötigt laut FIFA-Statuten die offizielle Unterstützung von mindestens 5 der 211 Mitgliedsverbände.
Wann findet die Wahl statt?
Der neue FIFA-Präsident wird am Donnerstag, den 18. März, im Rahmen des 77. FIFA-Kongresses gewählt.
Wer sind die offiziell bestätigten Kandidaten?
Bislang haben der amtierende Präsident Gianni Infantino, der Schweizer Ex-Profi Ramon Vega und der japanische Funktionär Kozo Tashima ihre Kandidatur angekündigt.
Kann Infantino die Wahl überhaupt verlieren?
Ein Machtwechsel gilt derzeit als unwahrscheinlich. Wichtige Kontinentalverbände wie AFC, CAF, CONMEBOL und OFC haben Infantino bereits ihre Unterstützung zugesagt. Über 120 der 211 FIFA-Mitglieder stehen aktuell fest hinter dem Amtsinhaber.
