Fabian Reese trottete mit gesenktem Kopf zur Wolfsburger Bank, Trainer Tobias Strobl spendete einen aufmunternden Schulterklopfer. Während der frühere Hertha-Kapitän seine bittere Rückkehr ins Olympiastadion verdaute, intonierte die Berliner Ostkurve schon wieder ihren viralen Hit. "100 Punkte, Hertha BSC", schallte es durch die Arena, in der 70.000 Fans ihre Überflieger feierten.
Ausgerechnet bei seiner Heimkehr musste Reese miterleben, wie seine alte Liebe den nächsten Schritt Richtung Bundesliga machte. Zwölf Punkte Rückstand hat er mit dem VfL Wolfsburg nun auf die Hertha, die als unangefochtener Spitzenreiter bei sagenhaften zehn Siegen aus elf Spielen steht. Das 1:2 (0:2) am Samstagabend war für die einstige Berliner Identifikationsfigur mehr als eine gewöhnliche Niederlage.
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Reese trifft nur die Latte
Bei ausnahmslos jeder Ballberührung gnadenlos ausgepfiffen, leitete Reese mit zwei Ballverlusten vor der Pause beide Gegentreffer ein. Nach dem Schlusspfiff wollte er weder im Fernsehen noch vor den wartenden Journalisten sprechen. Seine zuvor mit Spannung erwartete Heimkehr an die alte Wirkungsstätte endete im Schweigen.
Stattdessen meldete sich seine Verlobte zu Wort. "Ich bin immer noch sprachlos über das, was heute passiert ist. Das hat für mich jede Grenze überschritten", schrieb Johanna Grünewald bei Instagram: "Für uns als Familie war das einfach nur schrecklich." Wer die Schuld für die Pfiffe bei Reese suche, "sollte sich vielleicht mal fragen, wie viel Menschlichkeit bei all dem noch übrig bleibt."
Strobl nahm seinen Schützling anschließend ausdrücklich in Schutz. "Er hatte eine ganz große Vorfreude, aber am Ende des Tages war es eine Ungewissheit, weil keiner genau wusste, was denn wirklich passiert", sagte der VfL-Trainer über Reeses Gefühlslage im Vorfeld. "Ich finde aber, dass er sehr gut damit umgegangen ist", betonte Strobl und attestierte dem 28-Jährigen trotz der folgenschweren Fehler ein "sehr engagiertes, ordentliches Spiel".
Dabei hätte die Geschichte schon nach zwei Minuten eine ganz andere Wendung nehmen können. Reese hätte das aufgepeitschte Olympiastadion verstummen lassen können, seinen ersten Abschluss donnerte er ansatzlos an die Latte. Danach nahm das VfL-Übel auf dem Rasen seinen Lauf.
Wolfsburg hadert mit nicht gegebenem Elfmeter
Nach der Roten Karte gegen Wolfsburgs Cleiton (22., Notbremse) verlor Reese zunächst vor dem Führungstreffer durch Oluwaseun Adewumi (44.) den Ball. Wenig später vertändelte er erneut, Deyovaisio Zeefuik (45.+2) erhöhte. Nachdem Kento Shiogais Anschlusstreffer (47.) den Gästen neue Hoffnung machte, fühlten sie sich letztlich von Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck um die Chance auf den Ausgleich gebracht.
In der 94. Minute war Shiogai im Strafraum nach einem Kontakt mit Hertha-Verteidiger Niklas Kolbe zu Boden gegangen. Jöllenbeck ließ weiterspielen, auch Video-Assistent Nicolas Winter griff nicht ein. "Das ist eine Frechheit, dass man da nicht auf Elfmeter zeigt, das ist eine klare Fehlentscheidung", sagte VfL-Kapitän Maximilian Arnold bei Sky: "So stehen wir mit leeren Händen da." Und vor allem Fabian Reese.
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