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Antonelli auf dem Weg zu den ganz Großen: Für Wolff hat er nichts mehr zu beweisen

Kimi Antonelli feiert seinen Triumph
Kimi Antonelli feiert seinen TriumphREUTERS / Raquel Cunha

Kimi Antonelli, der jüngste Formel-1-Weltmeister der Geschichte, hat nichts mehr zu beweisen und das Potenzial, einer der ganz Großen des Sports zu werden. Davon ist sein Mercedes-Teamchef Toto Wolff überzeugt. Mit seinem Titelsieg am Sonntag in Mexiko-Stadt sicherte sich der 20-Jährige nicht nur die Krone der Königsklasse, sondern krönte sich zugleich zum ersten italienischen F1-Weltmeister seit 73 Jahren.

Wolff, der mit Mercedes bereits Lewis Hamilton zu sechs seiner sieben Titel sowie Nico Rosberg 2016 zum Weltmeisterschaftserfolg führte, erklärte gegenüber Reuters, dass Antonelli sämtliche Erwartungen übertroffen habe. Er gehe davon aus, dass der Italiener in den kommenden Jahren noch viele weitere Titel nachlegen werde.

"Wenn wir ihm auch in Zukunft ein konkurrenzfähiges Auto bereitstellen, wird das definitiv keine Eintagsfliege bleiben", sagte der Österreicher vor dem Rennen am Sonntag. "Und sollte ihm irgendwann ein anderes Team ein Siegerauto geben, weil wir dazu nicht in der Lage sind, wird er eben dort gewinnen. Er bringt alles mit, um sich auf eine Stufe mit den Legenden dieses Sports zu stellen."

Ferraris Interesse? Kein Grund zur Sorge

Angesprochen auf die in Italien lautwerdenden Rufe, Ferrari müsse das Ausnahmetalent verpflichten, zeigt sich Wolff gelassen. Ferrari ist zwar das traditionsreichste und erfolgreichste Team der Formel-1-Geschichte, wartet jedoch seit 2008 auf einen Weltmeistertitel.

"Das ist natürlich eine berechtigte Frage", räumte Wolff in seinem Büro im Fahrerlager ein.

"Man kann sich gut vorstellen, dass das für einen jungen Italiener eines Tages ein Thema werden könnte. Aber Fakt ist: Kimi weiß sehr genau, was wir für ihn getan haben, und schätzt das extrem wert. Wir haben ihn gefördert, seit er elf Jahre alt war. Er vergisst nicht, was diese gemeinsame Reise bedeutet."

"Wir haben einen sehr langfristigen Vertrag mit ihm. Aber selbst ohne Papier hätte ich keinerlei Zweifel an seiner Loyalität. Er würde selbst dann für uns fahren, wenn wir mal kein meisterschaftsfähiges Auto hätten, weil er unsere gemeinsame Leistung zu schätzen weiß. Ob es in Zukunft Interesse von Ferrari geben wird? Womöglich – aber damit muss man einfach professionell umgehen."

Der Weg an die Spitze verlief keineswegs ohne Nebengeräusche. Nach einer herausfordernden Debütsaison 2025 sah sich Wolff heftiger Kritik von Fahrerkollegen und Managern ausgesetzt, weil er ein so junges Talent direkt in ein Topteam befördert hatte.

Einige Konkurrenten taten die Entscheidung als Witz ab, andere bombardierten ihn mit Nachrichten und bezeichneten den Schritt als leichtsinnig oder unverantwortlich – Antonelli hätte mindestens noch ein weiteres Jahr in der Formel 2 gebraucht.

"Das musste ich mir das gesamte letzte Jahr über anhören: ‚Siehst du, es war ein Fehler. Er ist zu jung, seine Leistungen schwanken zu stark.‘" Entschuldigt habe sich von den damaligen Kritikern bis heute keiner, so Wolff.

Eine beeindruckende Erfolgsbilanz

Die Zahlen sprechen jedoch für sich: Antonelli feierte in dieser Saison neun Siege, davon fünf in Folge. Bei seinem Heim-Grand-Prix in Monza triumphierte er nach einer spektakulären Aufholjagd vom Ende des Feldes. Zudem siegte er auf den Traditionskursen in Monaco und Spa – zwei Klassikern, die jeder Pilot in seiner Vita stehen haben möchte.

Für Wolff kommen diese Erfolge keineswegs überraschend. Wer Antonellis Weg durch die Nachwuchsklassen verfolgt habe, wisse um sein Ausnahmetalent – und um die Millioneninvestitionen sowie die akribische Vorbereitung, die Mercedes in den letzten neun Jahren in seine Ausbildung gesteckt habe.

"Dieser Junge hat niemandem mehr etwas zu beweisen", betonte Wolff mit Verweis auf Antonellis frühere Dominanz im Kartsport und seine Titel in den Junior-Formelklassen. "Er hat in den letzten acht Jahren durchgehend gezeigt, dass er der Beste ist."

Auch Etablierte Größen wie Lewis Hamilton oder Red-Bull-Star Max Verstappen hätten sofort gespürt, welch außergewöhnliches Kaliber da nachrückt. "Wenn man die Interaktion zwischen Max und Kimi oder Lewis und Kimi beobachtet, gilt das alte Prinzip: Könner erkennen ihresgleichen. Als Kimi das erste Mal auf die Strecke fuhr, hat Max sofort gesehen, was in ihm steckt. Man merkt beim Hinterherfahren einfach, dass er aus einem anderen Holz geschnitzt ist."

Befürchtungen, der plötzliche Ruhm oder das große Geld könnten den jungen Champion abheben lassen, wischt Wolff ebenfalls zur Seite.

"Wir haben ein starkes Umfeld und eine schützende Mauer um ihn errichtet. Seine Familie verleiht ihm die richtigen Werte, und er hat erstklassige Mentoren an seiner Seite, die Störgeräusche von ihm fernhalten."

"Er findet es ehrlich gesagt immer noch erstaunlich, wenn Leute ihn um Autogramme oder Selfies bitten. Dann fragt er sich: ‚Wirklich? Passiert das gerade mir?‘ Die Gefahr, dass er zu einem abgehobenen Superstar wird, sehe ich absolut nicht.“

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