"Große Lücke" zu historischem Sinner: Ratlosigkeit bei Zverev wächst

Alexander Zverev bleibt gegen Jannik Sinner einmal mehr nur die Rolle des fairen Verlierers.
Alexander Zverev bleibt gegen Jannik Sinner einmal mehr nur die Rolle des fairen Verlierers.REUTERS/Ana Beltran

Nach der nächsten heftigen Abreibung durch Jannik Sinner flüchtete sich Alexander Zverev in Galgenhumor. Bei den French Open in Paris könne der übermächtige Tennis-Dominator Sinner doch "vielleicht eine Pause machen", sagte Zverev auf dem Center Court in Madrid und lachte gequält. In der Stimme des Hamburgers schwang Verzweiflung mit, denn gegen "den mit Abstand besten Spieler der Welt" findet Zverev einfach kein Mittel - und ist mit diesem Problem nicht allein.

"Es gibt im Moment eine große Lücke zwischen Sinner und allen anderen. Es ist ganz einfach", sagte Zverev nach seiner brutalen 1:6, 2:6-Finalniederlage beim Masters in der spanischen Hauptstadt. Und dass sich das bis zum Grand-Slam-Highlight in Paris (ab 24. Mai) ändert, ist nicht abzusehen.

Zum Match-Center: Jannik Sinner vs. Alexander Zverev

Für Zverev blieb nach der neunten Pleite in Serie gegen Sinner die bittere Erkenntnis: Trotz der Verletzungspause von Paris-Titelverteidiger Carlos Alcaraz (Spanien) scheint die Jagd nach dem ersehnten ersten Major-Titel derzeit aussichtslos zu sein.

Sinner auf historischer Titelmission

Denn die Dominanz von Sinner ist erdrückend. Als erster Spieler gewann der Südtiroler fünf Masters-Turniere in Folge: Paris im Herbst 2025 sowie in diesem Jahr Indian Wells, Miami, Monte Carlo und Madrid – und jeweils besiegte er auf dem Weg zum Titel auch Zverev. In der Weltrangliste erreichte Sinner zudem erstmals die Marke von mindestens 14.000 Punkten (14.350) - das war zuletzt Novak Djokovic vor zehn Jahren gelungen.

Auf der Jagd nach jedem großen Titel im Männer-Tennis fehlen dem 24-Jährigen nun nur noch die Triumphe beim Heim-Masters in Rom und in Roland Garros - schon in den kommenden Wochen könnte Sinner seine Titelsammlung vervollständigen. Wer soll den Italiener in Abwesenheit von Alcaraz (Handgelenksprobleme) aufhalten?

Zverev, in der Weltrangliste direkt hinter Sinner und Alcaraz platziert, offensichtlich nicht. "Ich bin ja nicht der Einzige, der gegen ihn verliert. Ich verliere bloß häufiger gegen ihn, weil ich es jedes Mal bis zu ihm schaffe", sagte Zverev, der nach der Demontage in nur 57 Minuten selbstkritisch anerkannte: "Ich glaube, heute hätte ich gegen jeden verloren. Ich habe ein furchtbares Match gezeigt."

Zverev hofft auf "schlechte Tage" von Sinner

Dabei stimmt die Form von Zverev auf seinem Lieblingsbelag Sand eigentlich. Mit offensivem Tennis schaffte es die deutsche Nummer eins bei allen Masters in diesem Jahr mindestens ins Halbfinale - um immer an Sinner zu scheitern. "Ich muss mich mal reindenken, wie ich gegen ihn gewinnen kann. Gegen alle anderen kann ich es ja", sagte Zverev, der eine zweite Lücke zwischen sich, Alcaraz, Djokovic und "allen anderen" sieht.

Das Gute: In Paris wird Zverev wieder an Position zwei gesetzt sein, Sinner könnte erst im Finale warten. "Ich kann auch mal schlechte Tage haben", sagte Sinner fast aufmunternd in Richtung der Konkurrenz. Diese Tage sind derzeit nur extrem selten. Ganz zum Leidwesen von Zverev und dem Rest der Tenniswelt.