Lilli Tagger hat den bislang größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert. Die 18-jährige Osttirolerin gewann am Sonntag die Livesport Open in Prag und sicherte sich damit ihren ersten Titel auf der WTA-Tour. Im Finale setzte sich Österreichs größte Nachwuchshoffnung gegen die als Nummer acht gesetzte Ukrainerin Daria Snigur nach 1:30 Stunden mit 7:6 (3), 6:2 durch.
Für Österreich ist es der erste WTA-Turniersieg seit Yvonne Meusburgers Triumph in Bad Gastein im Jahr 2013. Gleichzeitig war es der 25. Titel einer Österreicherin auf der WTA Tour und Tagger ist mit 18 Jahren die jüngste rot-weiß-rote Spielerin, der dieses Kunststück gelungen ist.
Match-Center: Daria Snigur vs. Lilli Tagger
Dabei begann das Endspiel alles andere als optimal. Tagger wirkte zu Beginn nervös, fand nicht in ihren Rhythmus und musste früh das Break zum 0:2 hinnehmen. Auch zwei Breakchancen beim Stand von 2:5 ließ sie ungenutzt.
Mit Fortdauer der Partie steigerte sich die Weltranglisten-74. jedoch deutlich. Das Rebreak zum 4:5 brachte sie zurück ins Match, ehe sie im Tiebreak ihre Klasse zeigte und sich den ersten Satz im Tiebreak souverän mit 7:3 holte.
Dominanter zweiter Satz bringt den Premierentitel
Im zweiten Durchgang knüpfte Tagger nahtlos an ihre starke Leistung an. Das entscheidende Break gelang ihr zum 3:1, anschließend kontrollierte sie das Geschehen. Mit einem weiteren Servicegewinn der Ukrainerin zum 6:2 machte sie ihren ersten WTA-Titel perfekt und verwandelte ihren zweiten Matchball.
Bereits im Halbfinale hatte Tagger mit dem Sieg gegen die zweifache Grand-Slam-Siegerin Barbora Krejcikova für Aufsehen gesorgt. Nun krönte sie ihre Traumwoche mit dem Titelgewinn.
Historischer Erfolg und Sprung in die Top 50
„Die Atmosphäre war die ganze Woche ein Wahnsinn. Danke für ein unglaubliches Turnier. Natürlich danke an mein ganzes Team, mein Vater ist heute auch hier. Danke an alle, die mir geholfen haben, damit ich meine Ziele erreichen kann. Ich hätte ohne ihre Unterstützung nichts geschafft", sagte Tagger völlig überwältigt bei der Siegerehrung.
Am Sonntag galt ihre Aufmerksamkeit aber auch ihren Eltern, die sie in die tschechische Hauptstadt begleiteten. "Sie sind heute Morgen mit dem Auto gekommen, meine Schwester war da und auch meine Brüder. Als ich gestern ins Finale eingezogen bin, stand der Plan fest: 'Morgen ist Sonntag, wir fahren nach Prag zum Finale.' Und so waren sie hier. Ich war sehr glücklich darüber, plötzlich waren da ganz andere Emotionen. Es war wirklich schön", erzählte sie gerührt.
Mit dem Erfolg verbessert sich Tagger in der Weltrangliste um 29 Positionen und wird am Montag erstmals auf Rang 45 geführt – so hoch wie noch keine Österreicherin ihres Alters zuvor. Und das ist auch auf ihre unfassbar guten Anlagen zurückzuführen.
Für ihre Beweglichkeit sorgten auch die Wintersportarten, die in Österreich Volkssport sind. "Ich spiele zum Beispiel sehr gerne Eishockey. Ich bin kein Profi, aber ich spiele es wirklich gerne. Ich komme aus den Bergen, also Skifahren oder Eishockey spielen, das ist für mich ganz normal und selbstverständlich" gibt sie zu.
Vor ihren Matches fällt jedoch ein etwas anderes Ritual auf. Zusammen mit ihrem italienischen Team holen sie einen kleinen Fußball heraus und das Aufwärmen in Bewegung dauert manchmal bis zu einer Stunde, je nachdem, wie sich die Situation auf dem Platz entwickelt. "Fußball? Das kann ich dafür überhaupt nicht und ich glaube, ich kenne nicht mal die Regeln. Ich weiß genau, dass ich darin schlecht bin, aber genau deshalb mache ich es! (lacht). Aber das Aufwärmen, nach dem Sie fragen, das ist einfach die Zeit, in der ich Spaß habe und in Schwung komme."
