Nach der Wahl zum Weltverbandspräsidenten gönnte sich Franz Reindl einen kurzen Abstecher nach Hause. "Ich habe einen kleinen Lauf in den Bergen gemacht", berichtete der ehemalige Eishockey-Nationalspieler im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID), "ein bisschen frische Luft schnappen, mal tief durchatmen. Es war schon anstrengend."
Amtsbeginn voller Tatendrang
Am Freitag war der 71-Jährige auf Teneriffa im zweiten Anlauf zum IIHF-Chef gewählt worden, nach diversen Sitzungen kehrte er am späten Samstagabend nach Garmisch-Partenkirchen zurück, am frühen Montagmorgen geht es schon weiter nach Lausanne zum Treffen der Wintersportverbände. Seine Frau habe ihn gefragt, warum er sich das antue, erzählte Reindl lachend, "mir macht es einfach Spaß, sowas anzupacken."
Anzupacken gibt es viel: Da ist die Frage der Rückkehr Russlands zur Eishockey-WM. Die IIHF hatte sich noch der Empfehlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) widersetzt und die Suspendierung für die laufende Saison - und damit auch für die WM in Deutschland (13. bis 30. Mai 2027) - aufrechterhalten. Dagegen geht der russische Verband vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) vor, "diese Entscheidung müssen wir abwarten", erklärte Reindl.
Noch weiter in die Zukunft reicht die zweite knifflige Frage im Welteishockey: Wie einigt sich der Weltverband mit der NHL, die immer mehr nach Europa strebt, auf eine Zusammenarbeit? "Da müssen wir eine langfristige Strategie entwickeln", sagte Reindl, "kurzfristig hat es nicht funktioniert."
Reindl will "Brücken bauen"
Dabei geht es nicht nur um die NHL-Teilnahme an den künftigen Olympischen Winterspielen, sondern auch um die Zukunft der Weltmeisterschaften. Bis 2033 ist der jährliche Rhythmus aufgrund des laufenden Vertrags mit dem Vermarkter Infront noch festgeschrieben, obwohl die NHL mit der Neuauflage des World Cups im Februar 2028 auf den europäischen Markt drängt. Reindl will "Brücken bauen", dabei müssten beide Seiten Abstriche machen, die WM-Turniere womöglich seltener, dafür aber mit allen NHL-Profis ausgetragen werden.
Reindl, geboren in Garmisch-Partenkirchen, hat im Eishockey alles erlebt. Er wurde 1972 in seiner Heimatstadt beim SC Riessersee Profi, gehörte zum Nationalteam, das 1976 in Innsbruck sensationell Bronze gewann. Als Stürmer nahm Reindl dreimal an Winterspielen teil, dazu an acht Weltmeisterschaften. 1988 beendete er seine aktive Karriere, wurde erst Trainer, dann Funktionär. Von 2014 bis 2022 war er DEB-Präsident.
Vor fünf Jahren hatte Reindl bei der IIHF-Wahl den Kürzeren gezogen, obwohl er als Favorit ins Rennen gegangen war. Vorwürfe, er sei als Geschäftsführer der DEB GmbH "verdeckt" für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Verbandspräsident bezahlt worden und habe sich in einem "Interessenskonflikt" befunden, überschatteten die Wahl und kosteten ihn womöglich den Sieg.
