"Ich bin völlig beruhigt und relaxt, am Montag wird die Mannschaft alles reinhauen", sagte Sportchef Rudi Völler vor dem Abflug nach Boston. Der Weltmeister von 1990 beruhigte eine nervöse Nation – obwohl er aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig ein K.o.-Spiel gegen Paraguay sein kann.
Mit Völler als Teamchef mühte sich die DFB-Auswahl im WM-Achtelfinale 2002 zu einem 1:0 gegen den Außenseiter, Oliver Neuville traf spät in der 88. Minute. "Damit könnte ich auch dieses Mal gut leben", sagte Völler grinsend.

Doch 24 Jahre später ist der Druck riesig. Scheitern ist verboten, zumal nach der Niederlage im abschließenden Gruppenspiel gegen Ecuador (1:2) in der Heimat zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen wurden.
"Wir wissen, dass wir nun das Messer am Hals haben", betonte DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig. Dessen ist sich auch Julian Nagelsmann bewusst.
Match-Center: Deutschland vs. Paraguay
Nagelsmann mit klaren Forderungen
Mit dem jüngsten Auftritt war der Bundestrainer keinesfalls zufrieden. "Wir müssen den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen. Oder wir schaffen im Kollektiv mehr Überzahlsituationen", forderte Nagelsmann.

Seit der Gegner für das erste K.o.-Spiel feststeht, tüftelt er mit seinen Co-Trainern und Analysten am Matchplan. Seine Lösung erscheint denkbar simpel: "Wir müssen einfach mit dem nötigen Selbstvertrauen aufdribbeln."
Doch werden die Ballkünstler Florian Wirtz und Jamal Musiala wirklich endlich durch die Abwehrreihen tanzen – oder bekommt der Favorit wieder große Probleme mit der physischen Herangehensweise des Gegners?

Schwache Physis bereitet Sorgen
"Körperlichkeit", räumte Nagelsmann ein, "ist schwer zu trainieren." Bis zum Spiel gegen Paraguay "werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich".
Tatsächlich offenbarte sich gegen Ecuador eine längere Mängelliste. Die Probleme in den Zweikämpfen waren unübersehbar. Lediglich Jonathan Tah, Antonio Rüdiger und "mit Abstrichen" Felix Nmecha "können über 90 Minuten physisch dagegenhalten", lautete die Analyse von Ex-Weltmeister Toni Kroos: "Ansonsten sind das alles keine physischen Monster".

Es müssen also andere Lösungen her. Nagelsmann erwartet "weniger Harakiri bei der Positionierung" im Offensivspiel. Zudem sollen die Kombinationen schneller werden.
Alle Spieler fit
Immerhin kann Deutschland zum Auftakt der K.o.-Phase aus dem Vollen schöpfen. Linksverteidiger Nathaniel Brown ist nach leichten Adduktorenproblemen wieder ins Training eingestiegen und sollte seinen angestammten Platz in der Viererkette einnehmen.
Das gilt auch für Kapitän Joshua Kimmich, mit dem Nagelsmann trotz öffentlicher Diskussionen weiter hinten rechts plant.

"Die Diskussionen gab es schon immer. Er ist auf beiden Positionen Weltklasse", sagte der gewiefte Krisenmanager Völler und wischte auch die Kritik an Nagelsmann weg. Dieser sei schließlich "ein absoluter Top-Trainer".
Voraussichtliche Aufstellungen: Deutschland vs. Paraguay
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