Kann die Klopp-Anwerbung noch scheitern? Wer schon fast Bundestrainer war

Paul Breitner wäre im Jahr 1998 um ein Haar Bundestrainer geworden.
Paul Breitner wäre im Jahr 1998 um ein Haar Bundestrainer geworden.Frank Hoermann/SVEN SIMON / dpa Picture-Alliance via AFP / Profimedia

Jürgen Klopp ist für sämtliche Beobachter so nah dran am Bundestrainer-Amt, dass ein Scheitern der Verhandlungen desolat für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) wäre. Jeder alternative Nachfolger für Julian Nagelsmann wäre schon beschädigt. Aber: Bereits andere verdiente Persönlichkeiten sahen sich als sichere Bundestrainer - und sie wurden es dann doch nicht. - Ein Überblick:

CHRISTOPH DAUM

So hoch geflogen, so tief gefallen. Die perfekte Ikarus-Geschichte - Daum, innovativ, lautsprecherisch, bisweilen überheblich, kommt zu nah an die Sonne. Nach dem beschämenden Vorrunden-Aus bei der EM 2000 (siehe "Uli Stielike") soll er im Sommer übernehmen. Sein Weg ins Amt erscheint perfekt vorgezeichnet, bis sein Intimfeind Uli Hoeneß in Andeutungen vom "verschnupften Herrn Daum" raunt.

Hoeneß wird in den Stadien der Bundesliga angefeindet und beschimpft, es folgt eine wochenlange Schlammschlacht: Bis Daum sich einer Haarprobe stellt, weil er "ein absolut reines Gewissen" habe. Gefunden wird: Kokain. Daum fliegt bei Bayer Leverkusen, sein Nachfolger dort wird Berti Vogts (siehe "Paul Breitner"), den Posten des Bundestrainers kann Daum sich, nun ja, in die Haare schmieren.

Später räumt Daum lachend ein: Gut, war jetzt nicht die allerbeste Idee, diese Haarprobe. Er wird später beim 1. FC Köln wie der Heiland persönlich empfangen werden, Fans reichen ihm ihre Kinder über den Zaun. DFB-Teamchef bleibt Rudi Völler, er schafft es 2002 bis ins WM-Finale. Es hätte zu dieser Zeit allerdings auch ein ganz anderer extrem überraschend Bundestrainer sein können, nämlich...

PAUL BREITNER

Die Bandagen sind hart. im September 1998 nennt der Spiegel Berti Vogts den "kurzgewachsenen Übungsleiter der Fußball-Nationalmannschaft", der nach acht Jahren "endlich ein Einsehen hatte und seinen Stuhl räumte". In einer sehenswerten ARD-Dokumentation ("Elf Helden, ein Albtraum") ist zu verfolgen, wie übel ihm bereits 1994 mitgespielt worden ist, unter anderem von seinem Vorgänger: Franz Beckenbauer.

Aber zurück ins Jahr 1998. DFB-Patriarch Egidius Braun umwirbt als Vogts-Nachfolger nun Daum (!), Otto Rehhagel oder den Champions-League-Siegertrainer Jupp Heynckes - vergeblich. Das macht ihn nervös.

Dann klingelt im oberbayrischen Brunnthal um 20.30 Uhr ein Telefon. "Du Papa, ein Herr Braun ist dran", sagt Max, der Teenager-Sohn von Paul Breitner. Und Egidius Braun bietet dem ewigen Rebellen Breitner, der null Trainererfahrung hat, tatsächlich das Bundestrainer-Amt an. "Diese Idee revolutioniert die Welt", jubiliert Braun, man ist sich einig. Doof nur: Am nächsten Morgen erfährt Braun von einem Artikel in der Münchner Abendzeitung, Breitner fordert darin Brauns Abtritt wegen Inkompetenz. Braun ruft wieder an: "Vergessen Sie es!" In der Folge fühlt sich noch jemand als Bundestrainer, es ist...

ULI STIELIKE

Stielike hat sich ein interessantes kariertes Sakko gekauft, mit einem aus heutiger (und ehrlich gesagt auch aus damaliger) Sicht Modeverbrechen von Krawatte, das er anscheinend für anlasswürdig hält. Er gibt, halten Zeitungen später in ihrer Aufarbeitung fest, "bis an den Rand der Erschöpfung" Interviews als Bundestrainer. Auch dabei gibt es Kommunikationsprobleme: Der eloquentere Erich Ribbeck wird ihm an die Seite und damit vor die Nase gesetzt, Stielike steht plötzlich als Ballaufpumper da. "Am Ende hätte es nicht mehr verwundert, wenn der DFB den Nachfolger über eine Annonce in 'Fix und Foxi' gesucht hätte", ätzt der Spiegel.

Das Duo Ribbeck/Stielike hält sich nicht einmal bis zur EM 2000, die Ribbeck alleine in den Sand setzt: Stielike hat einige Monate vorher entnervt hingeworfen.

Fußball