Scheitern kann der millionenschwere Hoffnungsdeal zwischen einem Großverband am Boden und dem erwünschten "Erstretter" immerhin kaum noch. Dafür sind sowohl der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als auch Klopp schon zu weit mit ausgebreiteten Armen aufeinander zugelaufen, wie Menschen, die sich nach Jahren am Bahnhof wiedersehen. "Ich bin bereit", sagte Klopp am späten Freitagabend auf einer New Yorker Dachterrasse in seinem Experten-Job bei MagentaTV. Was zur großen Umarmung mit der Nationalmannschaft fehlt? Es lohnt sich, seinem Nachsatz zuzuhören.
Denn Klopp treibt seinen Preis in die Höhe - und das nicht mal finanziell. "Es werden intensive Gespräche sein müssen", teilte er dem DFB mit, "weil natürlich die Probleme, die wir aktuell haben, nicht an der Personalie Julian Nagelsmann hängen." So weit seine Worte. Die Botschaft dahinter: Freunde, nur mich zu holen, das reicht nicht!
DFB will "keine Wasserstandsmeldungen" verkünden
Das formulierte der 59-Jährige mit dem Ruf des titelfressenden Potenzial-Optimierers dann auch noch aus. "Der deutsche Fußball steht an einem Wendepunkt. Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern", sagte er. Unabhängig davon, "ob das am Ende dann ich sein werde oder wer auch immer das sein wird".
Er wird es sein, darauf deutet alles hin. Die außergewöhnliche Nennung des Namens Klopp in offizieller DFB-Kommunikation, die eine sehr starke gegenseitige Gunstbezeugung ist. Der TV-Flirt über den Atlantik hinweg. Auch eine Nachricht, die am Samstagmorgen die Runde machte: Der Bild-Zeitung zufolge werden DFB-Boss Bernd Neuendorf und Bundesliga-Chef Hans-Joachim Watzke in Kürze (Zeitspanne: zehn Tage) nach New York reisen, um "gegenseitige Vorstellungen" auszutauschen. Der Verband erklärte auf SID-Anfrage, "keine Wasserstandsmeldungen" zu verkünden.
Dennoch: Es gibt Hürden. Klopps Forderungen könnten welche sein, sowohl finanziell als auch strukturell, wobei der Verband durch den lukrativen Nike-Deal (Klopp ist adidas-Botschafter!) keine größeren Geldsorgen mehr hat. Er kann sich Klopp leisten - wohl auch, wenn der Wunsch-Bundestrainer noch aus dem Red-Bull-Netz gerissen werden muss.
Denn Klopp steht beim österreichischen Konzerngiganten, der im vergangenen Jahr 14 Milliarden Dosen seines Energydrinks verkauft hat, bis 2029 als Chef der Fußball-Sparte unter Vertrag. Dass Klopp sich eine Ausstiegsklausel gesichert habe, soll falsch sein. "Es fehlt: Zeit", sagte Klopp. "Ich habe mehrfach gesagt, wie gerne ich diesen Job mache. Ich bin als Mensch so, dass ich normalerweise Verträge super gerne einhalte."
Klopp und der RB-Vertrag
Das aber, deutete er an, muss kein Hindernis sein, das Neuendorf zu Fall bringt. "Die anderen Gespräche mit meinem Arbeitgeber, mit Oliver Mintzlaff (Geschäftsführer Red Bull, d. Red.), muss ich natürlich auch führen. Weil ich weiß, dass ihm der deutsche Fußball auch am Herzen liegt und er dementsprechend sehr offen ist für diese Gespräche", berichtete Klopp. "Aber geführt werden müssen sie ja trotzdem." Gewisse Dinge seien bereits "angetextet".
Das werden sie in Frankfurt/Main gerne hören, Klopp hat wahrscheinlich schon seinen Finger gehoben und gesagt: Du, Oliver, es gibt da etwas, das mich noch mehr reizt.
Allein aus Imagegründen erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass das stets von Fußball-Traditionalisten kritisierte Unternehmen mit dem deutschen Reagenzglas-Ableger RB Leipzig den Daumen senkt. Warum auch? Für die Öffentlichkeit könnte Mintzlaff der Nation ganz generös Klopp überlassen. Zudem lassen sich derartige Probleme meist per Scheck regeln, so wird auch Julian Nagelsmann der DFB-Rücktritt vergoldet.
Offen ist, wie um Klopp herum gebaut werden könnte. Mehrere Weltmeister von 2014 (Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger) haben sich bereits ins Spiel gebracht, zur Zukunft von Sportdirektor Rudi Völler hat der DFB sich noch nicht geäußert. Der Vertrag von Geschäftsführer Andreas Rettig wird nicht verlängert. Damit aus dem "so gut wie" ein "wirklich" wird, müssen alle Beteiligten nun Geduld aufbringen.
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