Dabei beruht sein Status als Ballon-d'Or-Kandidat auf glanzvollen Taten: Vor allem seine überragenden Auftritte in der vergangenen Champions-League-Saison katapultierten ihn in die Weltklasse. Zwar erzielte er im Supercup noch den entscheidenden Siegtreffer für Paris Saint-Germain gegen Aston Villa, doch seither steckt der Georgier tief im Leistungstief. Seine Auftritte werfen Fragen auf und rufen zunehmend Experten sowie die französische Presse auf den Plan.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In fünf Ligaspielen blieb er ohne eigenen Treffer. Seine einzige Torvorlage blieb wirkungslos, da PSG das Heimspiel gegen Monaco verlor.
Taktisch unrund: Die Formkrise bei PSG
Seine mangelnde Effizienz im Dribbling und beim finalen Pass blieb auch Luis Enrique nicht verborgen. Für einen Trainer, der von taktischer Disziplin besessen ist, ein Alarmsignal: In allen fünf Ligaspielen, in denen Kvaratskhelia in der Startelf stand, wechselte der PSG-Coach ihn nach etwas mehr als einer Stunde aus. Beim deutlichen 6:1-Erfolg in der Champions League gegen Slovan Bratislava blieb er sogar komplett ohne Einsatzzeit – stattdessen kam Mika Godts beim Stand von 5:0 für Ousmane Dembélé ins Spiel.
Auf dem Platz wirken Kvaratskhelias Sololäufe derzeit oft berechenbar. Sobald gegnerische Abwehrreihen ihn doppeln, verrennt er sich und verliert immer wieder leichtfertig den Ball im Angriffsdrittel. Der Georgier wirkt wie eine blasse Kopie jenes überragenden Flügelstürmers, der gegnerische Abwehrketten noch vor wenigen Monaten nach Belieben sezierte. Dabei hätte er nach der verpassten Weltmeisterschaft eigentlich einen ruhigen Sommer gehabt, um sich körperlich optimal vorzubereiten. Stattdessen folgt nun der abrupte Absturz.

Auch die Entlassung von Willy Sagnol ist eng mit Kvaratskhelias Ladehemmung verknüpft. Die bittere Heimniederlage gegen Nordirland zum Nations-League-Auftakt folgte direkt auf seinen vergebenen Elfmeter. Es war ein harmloser, unentschlossener Versuch des Ex-Neapolitaners – ein Schuss, der seine derzeitige Verunsicherung perfekt widerspiegelte.
Der georgische Spielführer nahm den Abschied des französischen Erfolgs-Coaches sichtbar mit. In den sozialen Medien fand er bewegende Worte des Dankes für die gemeinsame EM-Teilnahme: "Meine Teamkollegen und ich haben uns persönlich einen Kindheitstraum erfüllt, indem wir unser Land zur Europameisterschaft geführt haben. Wir haben es gemeinsam geschafft und sind Teil der Geschichte geworden."
Georgien ohne einen starken Kvaratskhelia ist wie ein Ritter ohne Schwert. Der Kampf der Kaukasier um den Aufstieg in die Liga A der Nations League gleicht bereits jetzt einer Herkulesaufgabe. Unter dem bisherigen U21-Coach Ramaz Svanadze muss das Team nun fast bei null anfangen.
Zum Match-Center: Georgien vs. Ukraine
Im anstehenden Duell gegen die Ukraine in der Boris-Paichadse-Dinamo-Arena von Tiflis werden am Montagabend deutlich mehr Zuschauer erwartet als die enttäuschenden 7.000 Fans beim Nordirland-Spiel. Nicht nur auf den Rängen, sondern vor allem auf dem Rasen wird eine deutliche Leistungssteigerung gefordert – und Khvicha Kvaratskhelia ist derjenige, der den Funken wieder entzünden muss.
