Die geschlagenen Europacup-Helden des SC Freiburg kämpften sichtlich mit dem traurigsten Moment ihrer Karriere, selbst die Aufmunterung der mehr als 11.000 Anhänger linderte den Schmerz kaum. "Direkt danach ist es schon sehr bitter, wenn man die Jungs und die Fans sieht. Es sind ein paar Tränen geflossen", sagte Abwehrchef Matthias Ginter tief geknickt. Es fühle sich "nicht schön an", ergänzte Trainer Julian Schuster: "Die Trauer und der Schmerz sind groß".
Erst bei der nächtlichen internen Feier im noblen Klub Oligark direkt am Bosporus hellte die Stimmung trotz des Regenwetters etwas auf. Nach der Rückreise am Donnerstagnachmittag stand in der Heimat noch ein feierlicher Empfang an der Freiburger Messe an. "Wir werden aus dieser Erfahrung lernen und besser werden", kündigte Schuster trotzig an: "Wir wissen, wer wir sind und zu was wir in der Lage sind. Auch dieser Moment wird uns sportlich helfen, in der Zukunft eine bessere Mannschaft zu sein."
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Freiburg jetzt "Fußballfans in ganz Europa ein Begriff"
Das stimmungsvolle Finale der Europa League gegen den englischen Topklub Aston Villa war zur Lehrstunde verkommen, beim 0:3 (0:2) in Istanbul blieben die Breisgauer über weite Strecken chancenlos - der Titeltraum platzte. "Die Hürde war zu hoch, viel zu hoch für Freiburg", titelte die französische L'Équipe. Der Sport-Club habe "nur auf der Tribüne Paroli bieten" können. "Es wäre für uns alle das i-Tüpfelchen auf der Saison gewesen", haderte Ginter. Man könne erst "mit ein bisschen Abstand stolz sein".
Dennoch gab es Lob von höchster Stelle für das einzigartige Europa-Märchen ohne Happy End. "Mannschaft und Fans, der gesamte Verein leben Identifikation, Zusammenhalt und Leidenschaft. Das ist vorbildlich und zeigt, was im Fußball möglich ist, wenn alle gemeinsam für ein Ziel brennen", sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann. Der SC sei "spätestens jetzt auch Fußballfans in ganz Europa ein Begriff", ergänzte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Er erkenne eine "stetige Weiterentwicklung".
Dieser Prozess soll noch längst nicht abgeschlossen sein, auch wenn die Schwarzwälder durch die Gegentreffer von Youri Tielemans (41.), Emiliano Buendia (45.+3) sowie Morgan Rogers (58.) zudem die erstmalige Qualifikation für die Champions League verpassten. "Wir haben vor gut zehn Jahren begonnen, sportlich, wirtschaftlich und organisatorisch eine Entwicklung aufzusetzen und zu verändern", sagte Finanzvorstand Oliver Leki bei RTL. Durch das verlorene Finale werde sich der Verein vom eingeschlagenen "Weg nicht abbringen lassen".
SC wird nächstes Jahr "wieder angreifen"
Dank Platz sieben in der Bundesliga ist Freiburg zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren international vertreten, die Conference League soll mehr als ein Trostpreis sein. "Wenn ich auf die Entwicklung des Vereins schaue, ist für mich persönlich die wichtigste Botschaft: Wir sind wieder europäisch dabei. Nur das zählt", betonte Leki.
Kurioserweise wird das Finale der Conference League am 2. Juni 2027 ebenfalls im stimmungsvollen Hexenkessel von Besiktas stattfinden. "Wir wollen kommende Saison wieder hierherkommen", gab Außenverteidiger Philipp Treu noch vor Verlassen der Arena als Motto aus: "Der Ansporn ist riesig, wenn man sieht, was das für Ausmaße annimmt." Er habe so etwas "noch nie erlebt" und genau deshalb werde die Mannschaft "wieder angreifen".
Um sich nach dem verlorenen DFB-Pokal-Finale 2022 und dem bitteren Mittwochabend von Istanbul im dritten Anlauf endlich den Traum vom ersten Titel der Vereinsgeschichte zu erfüllen.
