i Im ersten Teil des Interviews blickte er auf seine Zeit in Stuttgart zurück, äußerte sich zur aktuellen Situation bei seinem ehemaligen Verein und sprach über die Dominanz von Bayern München im deutschen Fußball.
Frage: Wie haben Sie das Finale des deutschen Supercups erlebt? Inwieweit kann der VfB Stuttgart bedauern, nicht mit einem Titel in die neue Saison gestartet zu sein?
Antwort: Wie ich bereits vor dem Spiel gesagt habe: Im Fußball kann es immer Überraschungen geben. Aber wenn man sich den Kader von Bayern München anschaut, ist das schon beinahe beängstigend. Sie verfügen über die finanziellen Mittel, sich jederzeit eine Top-Mannschaft zusammenzustellen – von einer echten Überraschung kann man da kaum sprechen.
Stuttgart hat nun zum zweiten Mal in Folge den Supercup verloren, was sicher schmerzt. Aber ich hoffe sehr, dass sie auch in der kommenden Saison wieder ins Finale einziehen – und dann vielleicht auch den Pokal holen."
F: Das erste Gegentor entstand nach einem Abwehrfehler, offensiv konnte Stuttgart aber durchaus Akzente setzen – Manuel Neuer verhinderte mit zwei Glanzparaden Schlimmeres. Lässt sich trotz der Niederlage etwas Positives mitnehmen? Was trauen Sie dem Team in dieser Saison zu?"
A: Absolut. Stuttgart hat mehrfach bewiesen, dass man auch mit einem begrenzten Budget mit den ganz Großen mithalten kann. Ihr Erfolg basiert auf einer starken Teamchemie – sowohl innerhalb der Mannschaft als auch mit dem Trainerteam.
Diese Geschlossenheit, gepaart mit einem klaren Spielkonzept, macht sie zu einem sehr unangenehmen Gegner. Wenn sie das beibehalten, traue ich ihnen auch in dieser Saison wieder viel zu.
F: Wenn Sie an den Pokalsieg am Ende der vergangenen Saison zurückdenken – den ersten seit 1997, als Sie selbst noch auf dem Platz standen – und sehen, wie der VfB erneut den Pokal in die Höhe stemmte: Welche Emotionen und Erinnerungen kommen da hoch?
A: Es war fast eine identische Situation. 1997 haben wir gegen Energie Cottbus gewonnen, diesmal war es Arminia Bielefeld. Der einzige Unterschied war, dass der Sieg diesmal etwas deutlicher ausfiel – aber das ist letztlich nebensächlich.
Das Schönste war, dass viele meiner damaligen Mitspieler auf der Tribüne saßen. Wir haben den Moment gemeinsam genossen – und später auch gebührend gefeiert.
F: Was bedeutet dieser Pokalsieg für den VfB Stuttgart – besonders nach so langer Zeit ohne Titel?
A: Jede Trophäe ist von Bedeutung – sie bleibt als Erfolg in der Vereinsgeschichte bestehen. Für Stuttgart war dieser Titelgewinn besonders wichtig, gerade nach dieser langen Durststrecke. In Deutschland gibt es nur wenige Klubs mit einer wirklich großen Titelsammlung, umso mehr zählt jeder Pokal, den man holen kann.
Für den VfB war der Pokalsieg auch eine Art Bestätigung – eine Auszeichnung für die harte Arbeit der Saison. Besonders, weil die Leistungen in der Bundesliga nicht immer konstant waren, hat dieser Triumph der Spielzeit noch einen echten Sinn gegeben.
F: War die Dreifachbelastung – vor allem durch die Champions League – ein Hauptgrund für die durchwachsene Bundesliga-Saison?
A: Die Champions League war zweifellos eine große Herausforderung. Und da kommen wir direkt zum Thema Kaderbreite: Während Klubs wie PSG, Real Madrid, Barcelona oder Bayern München über eine enorme Tiefe im Kader verfügen, ist Stuttgart in dieser Hinsicht naturgemäß limitiert.
Das Team hat zwar sehr gute Spieler, aber nicht die Möglichkeit, jede Position doppelt mit gleichwertiger Qualität zu besetzen. Diese Unterschiede machen sich dann bemerkbar – mit zunehmender Belastung, wachsender Müdigkeit und nachlassender Konstanz in der Liga.
F: In dieser Saison steht Stuttgart nun in der Europa League vor einer ähnlichen Herausforderung. Wie sollte die Mannschaft damit umgehen? Gibt es ein Erfolgsrezept?
A: Ein echtes Patentrezept gibt es nicht. Als Klub wie Stuttgart kann man nur versuchen, aus den vorhandenen Ressourcen das Maximum herauszuholen. Es geht darum, klug zu rotieren, mental stark zu bleiben – und immer wieder über die eigenen Grenzen hinauszugehen.
F: Hinzu kommt, dass Stuttgart regelmäßig wichtige Spieler verliert – zuletzt Serhou Guirassy, Enzo Millot und Waldemar Anton. Wie schwer wiegt das?
A: Das gehört zur Realität dieses Vereins – und das war schon zu meiner Zeit so. Vom berühmten magischen Dreieck blieb am Ende nur ich übrig: Giovane Elber ging zum FC Bayern, Fredi Bobic zu Borussia Dortmund. Der VfB musste sich damit abfinden, dass er seine Stars nicht dauerhaft halten kann.
Die große Herausforderung ist, trotzdem das sportliche Niveau zu halten – trotz dieser unvermeidlichen Abgänge.
F: Stichwort "magisches Dreieck": Es entstand unter Joachim Löw. Welche Erinnerungen haben Sie an diese frühe Phase seiner Trainerkarriere? War damals schon erkennbar, dass er einmal Weltmeistertrainer werden würde?
A: Joachim Löw hatte schon damals ein sehr gutes Gespür für seine Spieler. Er wusste genau, was er von jedem Einzelnen wollte, ohne uns ein starres System überzustülpen. Er hat uns vertraut, hat uns ermutigt, unser Potenzial voll auszuschöpfen und wir selbst zu sein auf dem Platz.
Dieses Vertrauen hat eine starke Harmonie zwischen Trainer und Mannschaft geschaffen – und war ein wesentlicher Faktor für den Pokalsieg, den wir damals gemeinsam feiern durften.

F: Sie haben mit dem VfB Stuttgart das Finale des Europapokals der Pokalsieger 1998 gegen den FC Chelsea verloren. Was ist Ihnen aus diesem Spiel besonders in Erinnerung geblieben?
A: Wir hatten damals mit Verletzungen und Sperren zu kämpfen und mussten auf einige Schlüsselspieler verzichten. In einem Kader wie unserem war das Fehlen von ein oder zwei Leistungsträgern bereits ein großer Nachteil. Trotzdem haben wir ein ordentliches Spiel gemacht.
Ich erinnere mich noch genau an unsere erste große Chance – ich hätte selbst treffen können. Es war eine ausgeglichene Partie, die am Ende durch einen Moment der individuellen Klasse von Gianfranco Zola entschieden wurde. Das war bitter, aber es gehört eben auch zur Realität im Spitzenfußball.
F: Kommen wir zurück in die Gegenwart: Nach dem furiosen Saisonstart von Bayer Leverkusen stellt sich die Frage – ist wieder "Normalbetrieb2 in der Bundesliga eingekehrt? Müssen wir uns auf die nächste Bayern-Titelserie einstellen?
A: Die Vergangenheit zeigt: In der Bundesliga gelingt es fast ausschließlich dem FC Bayern, Titel über Jahre hinweg zu verteidigen. Borussia Dortmund konnte ihnen phasenweise Paroli bieten, jetzt versucht Leverkusen, in diese Rolle zu schlüpfen.
Aber wenn Bayern nicht selbst in eine Krise rutscht, ist es schwer vorstellbar, dass sie den Titel verlieren. Sie haben einfach einen Kader mit unglaublicher Qualität. Was man aber nicht unterschätzen darf, ist die Belastung durch internationale Spiele – gerade in der Champions League.
F: Wie bewerten Sie die personellen Veränderungen beim Rekordmeister – besonders die Abgänge von Thomas Müller, Kingsley Coman und Leroy Sané, und im Gegenzug die Verpflichtung von Luis Díaz?
A: Was Transfers betrifft, spielt Bayern natürlich in einer ganz anderen Liga – sowohl finanziell als auch in Bezug auf die Qualität der Spieler. Wenn man sich Spieler wie Luis Díaz leisten kann, zeigt das, welches Niveau man anstrebt.
Der Fokus liegt ganz klar auf der Champions League. Und genau dafür müssen die Neuzugänge ausgelegt sein – sie sollen Bayern helfen, auf internationalem Topniveau erfolgreich zu sein.
F: Sind Sie überrascht, dass sich der FC Bayern in den vergangenen Jahren zunehmend auf Spieler aus der Premier League konzentriert – einem Markt, der früher eher untypisch für den Klub war?
A: Das Fußballgeschäft hat sich grundlegend verändert. Neben den etablierten Schwergewichten wie Barcelona, Real Madrid oder Liverpool sind weitere finanzstarke Klubs wie Paris Saint-Germain und Manchester City aufgestiegen – das hat den Wettbewerb um Topspieler massiv verschärft.
Angesichts dieser Entwicklungen kann man sich ab einem gewissen Niveau nicht mehr ausschließlich in der Bundesliga bedienen. Die Premier League generiert inzwischen rund doppelt so viel Umsatz wie die Bundesliga – das macht sie natürlich besonders attraktiv für Spitzenspieler. Wenn Bayern mit den genannten internationalen Topklubs mithalten will, ist es nur logisch, dass sie sich auch auf dem englischen Markt umsehen.
F: Was entgegnen Sie dem häufig geäußerten Vorwurf, die Bundesliga sei inzwischen ein Ein-Mannschafts-Rennen?
A: Das ist eine Tatsache – und sie lässt sich nicht wegdiskutieren. Bayern München hat sich diesen Status über Jahre hinweg verdient. Die Dominanz ist das Ergebnis zahlreicher kluger Entscheidungen, die über lange Zeit von sehr kompetenten Menschen getroffen wurden. Daraus ist ein Verein entstanden, der heute wie eine gut geölte Maschine funktioniert.
Die Aufgabe der übrigen Klubs ist es, daraus zu lernen. Es geht nicht darum, sich zu beklagen, sondern Wege zu finden, um aufzuschließen – auch wenn das enorm schwierig ist.
