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Der Mentor der Kaiserlinde: Wie Mike Frantz das Wunder von Elversberg mitgestaltet

Im Trainerstab der Elversberger hat Mike Frantz maßgeblichen Anteil am Bundesliga-Aufstieg.
Im Trainerstab der Elversberger hat Mike Frantz maßgeblichen Anteil am Bundesliga-Aufstieg.ANDREAS SCHLICHTER / GETTY IMAGES VIA AFP

Wenn Elversberg am nächsten Samstag gegen Schwergewicht Bayer Leverkusen den Rasen betritt, schlägt die Stunde der Träume. Doch in die Euphorie des historischen Bundesliga-Debüts mischt sich an der Kaiserlinde eine Erkenntnis: Die höchste deutsche Spielklasse verzeiht keine Nachlässigkeiten. Dass der Neuling auf diesem Parkett nicht völlig die Orientierung verliert, liegt auch an einem Mann, der das Abenteuer Oberhaus aus jeder Perspektive durchdrungen hat: Mike Frantz.

Der 39-jährige Saarländer ist die personifizierte Bundesliga-Erfahrung im Kosmos der Elversberger. 228 Oberhaus-Partien für den 1. FC Nürnberg und den SC Freiburg hat er in den Knochen, dazu 68 Einsätze im Unterhaus. Er kennt jene Schwelle, vor der die jungen SVE-Akteure nun stehen, genau aus eigener Anschauung. Sein eigenes Oberhaus-Debüt gab er einst gegen Schalke 04 – ein Moment purer Emotionen.

"Bei mir war ja niemals abzusehen, dass ich mal Bundesliga spielen werde", sagte er nun im Interview mit der Saarbrücker Zeitung. "Wenn es dann dazu kommt, dann bist du natürlich voller Euphorie, voller Endorphine." Doch auf den Rausch folgt im Fußball-Oberhaus rasch die Landung auf dem harten Boden der Tatsachen. "Alles ist einfach besser. In allen Teilbereichen ist ein viel, viel höheres Niveau", bringt Frantz den Klassenunterschied auf den Punkt.

Was passiert im Kopf eines Spielers, wenn aus dem gewohnten Zweitliga-Alltag plötzlich die kompromisslose Bundesliga-Realität wird? Frantz weiß um die mentale Belastung: "Es ist doch so: Du weißt, du darfst einfach gar keine Fehler machen. Und das macht natürlich auch was mit dir als Spieler."

Schule des Lebens: Der "harte Weg" ohne NLZ

Dass Frantz für die Kabine der Elversberger nicht nur als taktischer Ratgeber, sondern primär als emotionaler Ruhepol und Ansprechpartner fungiert, wurzelt in seiner Vita. Der Saarländer ist kein Produkt moderner Nachwuchsleistungszentren. Er hat ein Hochglanz-NLZ nie von innen gesehen. Stattdessen hat sich der gelernte Maler und Lackierer seinen Weg an die Spitze hart erarbeitet – Stein für Stein, Zweikampf für Zweikampf.

Die Karriere von Mike Frantz im Überblick
Die Karriere von Mike Frantz im ÜberblickFlashscore

"Ich glaube, dass das ein Stück weit auch meine Lebenseinstellung ist", reflektiert der 39-Jährige. Diese Herkunft prägt seinen Charakter bis heute: "Nicht umsonst war ich auch in Freiburg Kapitän. Weil ich mich bewusst auch den jüngeren Spielern immer angenommen habe. Umso schöner ist das, wenn du das als Trainer weiterführen darfst."

Streich als Kompass: Keine Egos, keine Kleinigkeiten

In Freiburg reifte Frantz unter Kulttrainer Christian Streich nicht nur zum Publikumsliebling und Spielführer, sondern absolvierte auch seine wichtigste Trainerschule. Streich prägte ihn nachhaltig – vor allem in der Kunst, als Außenseiter gegen die Giganten des Geschäfts zu bestehen. Diese Lehren trägt Frantz nun tief in der DNA der SVE verankert weiter.

"Ich glaube, dass es die tägliche Arbeit ist. Der Hunger, die Intensität. Es gab bei ihm keine Starallüren. Kein: Ich bin größer als jemand anderes. Wir wussten, wir haben nur eine Chance, wenn jeder sein Ego hinten anstellt."

Mike Frantz spielte viele Jahre in Freiburg unter Christian Streich.
Mike Frantz spielte viele Jahre in Freiburg unter Christian Streich.Joachim Hahne, Panther Media Global / Alamy / Profimedia

Für Frantz basiert die Überlebenschance eines Außenseiters keineswegs auf komplizierten taktischen Verrenkungen, sondern auf absoluter Disziplin in den Grundlagen. "Es gibt keine Kleinigkeiten im Fußball", lautet das Mantra, das er seinem Team einimpft. Es gehe schlicht um die "Basics". Wenn die Basis passe, sinke die Fehlerquote – und genau das sei überlebenswichtig: "Wir wollen unsere DNA und unsere Idee nicht verändern. Aber wenn du Fehler machst, wird das halt gnadenlos bestraft."

Ungewollter Traumjob und Kampf gegen das Ausruhen

Dass Frantz heute überhaupt an der Seitenlinie steht, grenzt an eine Pointe des Schicksals. Nach seinem Karriereende beim 1. FC Saarbrücken blieb er in der Heimat und heuerte im Sommer 2024 bei der SVE an. Zunächst im Bereich der Spielerentwicklung tätig, ist er mittlerweile Co-Trainer – eine Rolle, die er früher kategorisch ausgeschlossen hatte.

"Wenn mich früher, so vor fünf bis sieben Jahren, jemand gefragt hätte, hätte ich auf jeden Fall nein gesagt", gesteht Frantz schmunzelnd. Heute aber erfüllt ihn die Aufgabe vollkommen. "Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden", beschreibt der 39-Jährige seine Liebe zum Elversberger Umfeld.

Trotz des phänomenalen Aufstiegs der SVE mahnt Frantz vor dem Start zur Wachsamkeit. Innezuhalten und Stolz zu genießen, kommt für ihn nicht infrage: "Letztendlich würde ich mir wünschen, dass das irgendwann mal kommt", sagt er nachdenklich über das Gefühlsleben im Profifußball. Doch die Realität des Geschäfts kennt keine Pause: Wer stolz ist, ruht sich aus. Und wer sich ausruht, verliert im Oberhaus den Anschluss.

Zum Match-Center: SV Elversberg vs. Bayer Leverkusen