Abpfiff für die alte Garde: Generationenwechsel bei den Schiedsrichtern

Aytekins Schiri-Karriere geht zu Ende
Aytekins Schiri-Karriere geht zu EndeBERND THISSEN / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Für vier Schiedsrichter-"Altstars" ist am Saisonende der Fußball-Bundesliga Schluss. Deniz Aytekin, Patrick Ittrich, Tobias Welz und Frank Willenborg beenden ihre aktive Laufbahn.

Zum Schluss waren die "Alten Pfeifen" noch einmal ziemlich gefragt. Bei einer Vielzahl von Interviews mussten Deniz Aytekin, Patrick Ittrich, Tobias Welz und Frank Willenborg immer wieder erklären, warum sie am Saisonende der Fußball-Bundesliga in "Rente" gehen.

Alle Bundesliga-News auf Flashscore.de

Ittrichs Humor wird vermisst

Im Kampf um den besten Spruch der vier scheidenden Schiedsrichter-Granden war Ittrich dabei ziemlich weit vorne. "Ich hab keine großen Spiele gepfiffen", sagte der Hamburger: "Wo getreten wurde, war ich der richtige Mann."

Der berüchtigte Humor des 47 Jahre alten Hanseaten wird der Eliteklasse zukünftig fehlen. Das weiß auch der Schiedsrichter-Boss. "Kaum jemand verkörpert den Spaß am Dasein als Schiedsrichter so sehr wie Patrick", sagte Knut Kircher: "Zudem hat er mit seiner lockeren Art im Kader der Bundesligaschiedsrichter stets für gute Atmosphäre gesorgt." Doch auch die anderen drei Referees haben mächtig Eindruck hinterlassen.

Ittrich ist als Frohnatur bekannt
Ittrich ist als Frohnatur bekanntULRIK PEDERSEN / NURPHOTO / NURPHOTO VIA AFP

Spätstarter Willenborg

Aytekin (47) pfiff seit 2008 in der Bundesliga. Dreimal wurde der gebürtige Nürnberger zum Schiedsrichter des Jahres gewählt, zwischen 2011 und 2022 stand er auf der Liste des Weltverbands FIFA. 

Welz (48) kam zwei Jahre nach Aytekin in die erste Liga. Auch der Wiesbadener war international aktiv und durfte wie Aytekin einmal das Pokalfinale leiten. Der aus Osnabrück kommende Willenborg (47) war ein "Spätstarter", erst mit 37 feierte er seine Premiere in der Bundesliga.

Willenborg beim Bundesliga-Spiel zwischen Bayern und Heidenheim
Willenborg beim Bundesliga-Spiel zwischen Bayern und HeidenheimADAM PRETTY / GETTY IMAGES EUROPE / GETTY IMAGES VIA AFP

Aytekin mit klaren Aussagen

Die größte Aufmerksamkeit der drei zog Aytekin auf sich – nicht nur wegen seines öffentlichkeitswirksamen Streits mit Ex-Kollege Manuel Gräfe oder weil er 2011 von den Spielern zum unbeliebtesten Schiedsrichter gewählt worden war.

"Ich bin Teil der Fußballfamilie, und der Fußball hat mir sehr viel gegeben", sagte der Franke beim Blick zurück: "Es ist mir wichtig, als Persönlichkeit wahrgenommen zu werden, die präsent und geschätzt ist – nicht erst dann zu gehen, wenn die Zweifel beginnen."

Von Zweifel wurde Aytekin aber selbst immer wieder heimgesucht. Er habe sich in seiner Laufbahn häufiger die Frage gestellt: "Macht das noch Sinn? Immer wieder dieser Hass, will ich das ertragen? Hält meine Familie das aus? Kein Sport der Welt ist es wert, dass man sich in Gefahr bringt", berichtete Aytekin im Interview mit dem Magazin stern. Bei ihm hätte aber "die Liebe zum Fußball jedes Mal über solche Zweifel gesiegt".

In der Öffentlichkeit fehlt aus Sicht Aytekins aber das Bewusstsein für den Druck, der auf den Referees der höchsten Ebene lastet. "Viele denken immer noch, wir fahren da am Samstag hin, pfeifen mal rechts, mal links, und dann gehen wir wieder nach Hause", sagte Aytekin: "Aber den Aufwand, der dahinter steht, sehen sie nicht, die Opfer, die wir bringen, sehen sie nicht."

Auch Welz klagt über öffentlichen Druck

Differenziert sieht auch Welz, der erst zuletzt wegen einer Fehlentscheidung im Pokal-Halbfinale zwischen dem VfB Stuttgart und dem SC Freiburg (2:1 nach Verlängerung) viel Kritik einstecken musste, den Schiri-Job.

Welz hatte noch einmal alle Hände voll zu tun
Welz hatte noch einmal alle Hände voll zu tunALEX GRIMM / GETTY IMAGES EUROPE / GETTY IMAGES VIA AFP

Es sei "ein wunderbarer Sport – der mir auf der einen Seite extrem viel abverlangt hat, aber auf der anderen Seite auch unwahrscheinlich viel zurückgegeben hat." Für Welz fühlt es sich "passend" an, "wenn ich zur neuen Saison für einen jungen aufstrebenden Schiedsrichter einen Platz in der Bundesliga frei mache".