Dass Wayne Gretzky der Franchise neben seinen Rekorden auch vier Stanley Cups bescherte, muss kaum erwähnt werden. Auch McDavid ist sich dieser Fakten sicher bewusst. Das vergleichsweise frühe Play-off-Aus der vergangenen Saison verschaffte ihm und seinen Reihenpartnern um den deutschen Ex-MVP Leon Draisaitl immerhin die nötige Zeit, über den Sommer in Topform zu kommen. Das Ergebnis ist ein atemberaubendes Potenzial.
Edmonton zeigt zurzeit mitreißendes Offensivhockey, an dem McDavid naturgemäß den Löwenanteil hält: An 47 Toren der Oilers war er mit 31 Punkten direkt beteiligt und bei insgesamt 37 Treffern stand er zumindest mit auf dem Eis. Die Kehrseite der Medaille: Ohne McDavid gerät das Team schnell ins Straucheln. Fehlt der Kapitän auf dem Eis, weisen die Oilers eine Bilanz von minus 13 auf.
Hält McDavid dieses Tempo durch, rechnet sich das hoch auf sagenhafte 260 Scorerpunkte über die gesamte Saison. Die magische 200-Punkte-Marke knackte in der NHL-Historie bislang nur ein einziger Spieler: Gretzky, und das gleich viermal. Sein Rekord aus der Saison 1985/86 steht bei 52 Toren und 163 Assists (215 Punkte). Fällt diese Bestmarke nun nach 41 Jahren?
Ein überragender Saisonstart ist allerdings noch keine Erfolgsgarantie. In dieser Frühphase der Saison ist McDavid historisch gesehen nicht einmal der Beste: Nach zehn Spielen verbuchte Mario Lemieux gleich dreimal 32 oder mehr Punkte – in der Saison 1988/89 für Pittsburgh sogar 37. Die 200-Punkte-Marke knackte Lemieux am Ende dennoch nicht; entscheidend sind letztlich Konstanz und Gesundheit (Lemieux verpasste damals vier Spiele).
Beim nächtlichen Duell gegen Carolina verbuchte McDavid bereits das 17. 5-Punkte-Spiel seiner Karriere. In der ewigen NHL-Bestenliste zog er damit an Marcel Dionne, Steve Yzerman und Jari Kurri vorbei auf Rang vier. Zählt man die Play-offs hinzu, liegt er bei den Partien mit mindestens vier Punkten mit 58 Einträgen nur noch ein einziges Spiel hinter Jaromír Jágr (59).
In der vergangenen Saison sammelte McDavid 138 Punkte – seine bereits achte Spielzeit mit dreistelliger Ausbeute (Karrierebestwert: 158 Punkte). Warum läuft es ausgerechnet jetzt noch einmal fast doppelt so gut?
Lob von Draisaitl
Dafür gibt es mehrere Gründe. Der neue Headcoach Mike Babcock vereinigt McDavid und Leon Draisaitl wieder in einer Sturmreihe. Der deutsche Star-Angreifer zeigt sich dankbar für die Zusammenarbeit: "Was soll ich dazu sagen? Es ist einfach unglaublich. Für mich ist er vielleicht der beste Spieler, der je auf dem Eis stand. Es macht riesigen Spaß, mit ihm zu spielen und täglich von ihm zu lernen", erklärte Draisaitl nach dem Shootout-Sieg gegen den amtierenden Meister aus Carolina gegenüber dem Edmonton Journal.
Gemeinsam drehten die beiden im Spiel einen Zwei-Tore-Rückstand. Den Ausgleich erzielte McDavid 88 Sekunden vor dem Ende höchstpersönlich. "Mit 24 glänzte er genauso und war extrem schnell. Aber es gab Details, die vielleicht noch nicht perfekt waren. Heute ist sein Spiel komplett. Offensiv hat er nichts von seinem Niveau eingebüßt. Dafür fehlen mir inzwischen schlicht die Worte", ergänzte Draisaitl.
Zudem punktet der Topscorer weiterhin verlässlich im Powerplay: Obwohl ihm in Überzahl noch kein eigener Treffer gelang, steuerte er bereits elf Assists bei. Hinzu kommt die längere Sommerpause: Für Edmonton endete die letzte Saison 45 Tage früher als für die beiden Stanley-Cup-Finalisten.
Kann Connor McDavid diese Frequenz halten? Ehrlich gesagt: Es wird extrem schwer.
Seine derzeitige Schusseffizienz von 32 % ist langfristig kaum aufrechtzuerhalten (sein bisheriger Karrierebestwert liegt bei 18,2 %). Auffällig ist zudem, dass er seltener selbst abschließt: Feuerte er 2025/26 im Schnitt noch 3,73 Mal pro Spiel aufs Tor, sind es aktuell nur noch 2,44 Schüsse. Neben dem abschlussstarken Draisaitl schlüpft McDavid zunehmend in die Rolle des Vorbereiters.
Auch seine enorme Eiszeit wirft Fragen auf: Aktuell steht er durchschnittlich 23:46 Minuten auf dem Eis, da Babcock ihn auch in Unterzahl bringt. Zum Vergleich: In den Vorjahren lag McDavids Eiszeit knapp über der 22-Minute-Marke.
Dass die 200-Punkte-Marke fällt, ist dennoch keineswegs ausgeschlossen. Regeländerungen der letzten Jahre sorgen wieder für mehr Tore in der NHL. Und ein kleiner Vorteil bleibt: McDavid stehen pro Saison vier Spiele mehr zur Verfügung als Wayne Gretzky in seiner Glanzzeit.
Zum Match-Center: Edmonton Oilers vs. Carolina Hurricanes
