Von seiner starken Debütsaison ist der verantwortliche Architekt selbst überrascht. 100 Punkte, lange Siegesserien, die Experten widerlegt: Marco Sturm hat aus den abgestürzten Boston Bruins im Eiltempo wieder ein Playoff-Team geformt. "Einfach unglaublich", sagt der frühere Bundestrainer.
Große Vorfreude
Das Ticket für die heiße Saisonphase löste Sturm mit den Bruins vorzeitig per Wildcard. Durch den 4:0-Sieg im letzten Hauptrundenspiel gegen die New Jersey Devils knackte die Traditionsfranchise dann auch noch eine besondere Marke. "Ich hätte nie gedacht, dass wir 100 Punkte erreichen würden", sagte der Niederbayer.
Nun folgt die Belohnung. In der ersten Playoff-Runde trifft Sturm mit seiner Mannschaft auf die Buffalo Sabres, die sich nach 14 langen Jahren wieder qualifizierten und die Rekordnegativserie der Liga beendeten. "Es wird großartig werden", kündigte Sturm an: "Für Buffalo und uns ist es gut, direkt so eine Paarung zum Start zu haben. Wir sind hungrig genug, sie zu schlagen und sind bereit."
Match-Center: Buffalo vs. Boston
Erfolgreicher Umbruch
Nur wenige hatten dem ersten in Deutschland geborenen Cheftrainer in der NHL eine solche Debütsaison zugetraut. Als Sturm im vergangenen Sommer nach Boston zurückkehrte – wo der frühere Stürmer zwischen 2005 und 2010 seine erfolgreichste Zeit hatte – fand er eine Mannschaft im Umbruch vor.
Noch vor drei Jahren waren die Bruins das punktbeste Team der Liga, zwei Saisons später bereits das schlechteste ihrer Division. Dass Sturm den sechsmaligen Stanley-Cup-Sieger umgehend zurück in die Playoffs führen würde, wurde für äußerst unrealistisch gehalten.
Doch der vierte europäische Chefcoach in der 108-jährigen Geschichte der besten Eishockeyliga der Welt, für den das Traineramt in Boston "der geilste Job in der Stadt" ist, bewies das Gegenteil.
Team-Spirit als Erfolgsrezept
Die Starspieler wie der Tscheche David Pastrnak oder US-Olympiasieger Charlie McAvoy zog Sturm schnell auf seine Seite. Sie folgen seinem Spielstil der harten Defensivarbeit. Das Team hält zusammen. So hatte Sturm bereits Deutschland bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang zur historischen Silbermedaille gehievt.
Auch in der NHL scheint sich das Sturmsche System zu bewähren. Dem Original-Six-Team gelangen in der Hauptrunde Serien von sechs und sieben Siegen am Stück, nach dem Jahreswechsel drehte das Sturm-Team auf. Platz fünf in der Eastern Conference ist der Lohn.
