"Liebe Fans", schreibt Johannes Golla bei Instagram und gewährt dann einen tiefen Blick in sein Seelenleben. Sechs Absätze, die ans Herz gehen. Sie sind dem Nationalmannschaftskapitän gewiss nicht leicht gefallen.
Es geht um sehr persönliche Themen, um mentale Gesundheit – und, natürlich, um seinen Wechselwunsch, der die Handball-Szene 100 Tage vor der Heim-WM in Atem hält.
"Menschen, die mich gut kennen, haben längst gesehen, dass es mittlerweile nicht mehr 'nur' Heimweh ist, sondern meine mentale Gesundheit ernsthaft gefährdet ist", schrieb Golla bei Instagram.

Man kann nur erahnen, wie sehr ihn die Pfiffe der Fans am Wochenende getroffen haben, als publik wurde, dass es ihn von der MT Melsungen zurück zur SG Flensburg-Handewitt zieht. In den Norden, wo er sich erst im Sommer nach acht Jahren verabschiedet hatte.
Verständnis für Reaktionen
Golla "versteht" die Reaktion der MT-Anhänger, schreibt er, und "natürlich" auch die Aussage der Melsunger Verantwortlichen, dass Verträge erfüllt werden sollten.
Doch der Kreisläufer und Familienvater von zwei Kindern sieht sich außerstande, seinen erst im Sommer angetretenen Vertrag bei den Nordhessen bis 2031 zu erfüllen. Er sei sich "im Klaren darüber, dass die Entscheidung für den Vertrag in Melsungen verfrüht war".
Gollas emotionales Statement platzt mitten in den Vertragspoker der beiden Klubs. Flensburg arbeitet im Hintergrund längst an einer Rückholaktion seines verlorenen Sohnes und spricht von einer Ausstiegsklausel.
Melsungen "gesprächsbereit"
Die MT Melsungen zeigt sich bezüglich des viel diskutierten Wechsel-Wunsches von Nationalmannschaftskapitän Johannes Golla grundsätzlich "gesprächsbereit" – sieht den Vorgang aber nicht als "Selbstläufer" an.
Es sei wichtig, zu betonen, "dass Verträge grundsätzlich auch gelebt und erfüllt werden müssen, denn ansonsten sind sie das Papier nicht wert", schrieb die MT bei Instagram, es unterzeichneten die Vorstände Andreas Mohr und Jesper Larsson: "Alles andere wäre ein fatales Signal für den Handball insgesamt."
