Keine Frage, Pogacar will nach seinem Crash so schnell wie möglich zurück auf sein Rad. Doch sein Traum vom ersten Triumph bei der Vuelta ist erst einmal geplatzt, nach einem schlimmen Sturz auf der achten Etappe musste der Dominator aus Slowenien in Führung liegend die Rundfahrt schwer verletzt beenden.
Es waren nur noch 33 Kilometer bis ins Ziel in Xeraco, als das Unglück geschah. Auf einem eigentlich unscheinbaren Straßenabschnitt fuhr Pogacar offenbar über einen Stein, verlor die Kontrolle und flog kopfüber über seinen Lenker. Der 27-Jährige landete krachend auf der linken Schulter und seinem Kopf. Mit blutverschmiertem Gesicht rappelte sich Pogacar zwar noch einmal auf, versuchte wieder auf sein Rad zu steigen. Doch dann schrie er nur "Nein". Sein Sportdirektor Matxin Joxean Fernandez meinte: "Ein schrecklicher Crash".
Brüche und Gehirnerschütterung
Verschobener Bruch des linken Schlüsselbeins, Halswirbelbruch und eine Gehirnerschütterung - so lautete hinterher das medizinische Bulletin seines Teams UAE Emirates-XRG. Doch der Rennstall gab auch leichte Entwarnung: "Glücklicherweise liegen keine weiteren schweren Verletzungen und keine neurologischen Folgen vor".
In der Nacht wurde Pogacar mit einem Krankenwagen vom Hospital Comarcal Francesc de Borja in Gandia nach Barcelona verlegt, die nötige Operation am Schlüsselbein wird allerdings erst einmal verschoben - um keine Komplikationen wegen der Gehirnerschütterung zu riskieren. Pogacars Saison könnte damit gelaufen sein.
Keine Vuelta-Krönung
Die Vuelta hätte die Krönung seines außergewöhnlichen Jahres werden sollen, schließlich ist die Spanien-Rundfahrt die einzige Grand Tour, die Pogacar noch nicht gewinnen konnte. Und der fünfmalige Champion der Tour de France lag ja auch souverän auf Kurs, beim Start am Samstag hatte er 3:50 Minuten Vorsprung auf den Spanier Enric Mas - doch dann passierte der Crash so kurz vor dem Etappenziel. Erstmals in seiner Karriere kann Pogacar eine große Rundfahrt nicht beenden. Als Mas am Abend das Rote Trikot des neuen Führenden in der Gesamtwertung überreicht bekam, streifte der Spanier es aus Respekt nicht über.
Pogacar hatte bei der Vuelta auf den ersten sieben Etappen insgesamt drei Tagessiege gefeiert und nur fünf Wochen nach seinem Triumph bei der Frankreich-Rundfahrt mit gewohnter Dominanz beeindruckt. Hinter seiner Teilnahme an der Ende September stattfindenden WM in Montreal, wo Pogacar eigentlich seinen dritten Weltmeistertitel in Folge gewinnen will, steht nun ein ganz dickes Fragezeichen. Auch ein Start bei der EM (3. bis 7. Oktober) in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana hatte der Nationalheld fest eingeplant, ebenso wieder die Lombardei-Rundfahrt (10. Oktober).
Pogacar will sich sicher so schnell wie möglich zurückmelden. "Stayin' Alive".
