Die Dominanz von Tadej Pogacar erreichte selbst die Kioske Madrids. Am Morgen nach seinem Wunder-Solo bei der Spanien-Rundfahrt schenkte das ansonsten fußballfixierte Hauptstadt-Sportblatt AS dem Rad-Giganten die gesamte Titelseite.
Galaktisches Solo
"Pogi" als Triumphator im Roten Trikot, "INVENCIBLE" (Unbesiegbar) in Riesenlettern darunter. Und das am Tag des ersten Real-Heimspiels unter José Mourinho. Ein Außerirdischer verdrängt die Galaktischen – Pogacars Vuelta-Donnerschlag in Andorra wirkte mächtig nach.
"Das war supergut. Damit kann ich in den kommenden Tagen etwas ruhiger und zuversichtlicher sein", sagte der Slowene. Und ließ damit einem Monster-Alleingang eine Monster-Untertreibung folgen.
Bei seinem Sieg nach einem über 50-km-Solo – seinem längsten bei einer Grand Tour, am Tourmalet im Juli siegte er nach 43 km – hatte er 2:39 Minuten Vorsprung, während hinter ihm Olympiasieger wie Primoz Roglic und Richard Carapaz am Anschlag fuhren.
Noch nicht am Maximum
Das Wilde daran: Pogacar fuhr am Dienstag eben nicht am Anschlag – oder allenfalls zeitweise. Er trat an, besaß in Windeseile über drei Minuten Vorsprung, wirkte danach völlig entspannt, klatschte am Anstieg mit Teamkollege Adam Yates – der als Fan in Zivil an der Strecke anfeuerte – ab.
Winkend radelte er zu jenem Sieg, den er eigentlich schon bei der abgebrochenen Hageletappe am Montag unbedingt holen wollte.
Ob er denn wirklich so früh auf dieser nur 104,8 km langen Etappe über den Port Envalira, mit 2408 m das Dach dieser Vuelta, attackieren musste? "Nein, musste ich nicht", sagte Pogacar. Aber weil er sich gut gefühlt habe, wollte er einfach.
Schöne Erinnerungen
Zumal er 2019 in Andorra bei seinem Vuelta-Debüt seinen ersten Etappensieg bei einer Grand Tour gefeiert hatte.
"Das sind wunderschöne Erinnerungen, es war einer der Lieblingsmomente meiner Karriere", sagte er nun sieben Jahre später: "Damals hätte ich nie gedacht, dass ich einmal wie heute fahren werde."
Nun fährt er aber so, wie er gerade fährt. Und dominiert damit den Radsport so, wie es Real Madrid im Fußball in allergrößten Tagen gelang. Dass er diese Vuelta gewinnen und damit die Lücke in seiner sagenhaften Siegessammlung schließen wird, daran zweifelt schon jetzt niemand mehr.
