Ein Grand Prix an einem Samstag?
Ja, die Formel 1 rückt in Aserbaidschan von ihrem üblichen Zeitplan ab. Das geschieht auf Bitte der Regierung, denn das Land gedenkt am Sonntag der Opfer des Krieges um Bergkarabach im Jahr 2020. Die Truppen des autokratischen Präsidenten Ilham Alijew hatten damals große Gebiete der Region erobert, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, in der aber vor allem Armenier lebten.
Jährlich am 27. September ist nun Gedenktag - und daher keine Formel 1. Der gesamte Zeitplan wurde nach vorne verlegt: Am Donnerstag beginnt das freie Training, am Freitag geht es im Qualifying um die Startplätze, am Samstagmittag deutscher Zeit (13.00 Uhr/Sky) steigt das Rennen.
Und wer gewinnt?
Kimi Antonelli war keineswegs unschlagbar in diesem Jahr. Von Juni bis September wartete er sogar drei Monate auf einen Sieg, in dieser Phase wirkte es, als könne noch einmal Spannung aufkommen. Dann allerdings gewann der Mercedes-Pilot sein Heimrennen in Monza und die Premiere in Madrid - und mittlerweile ist es kaum noch vorstellbar, dass jemand anderes Weltmeister wird.
81 Punkte Vorsprung hat Antonelli auf seinen Teamkollegen George Russell, schon 101 sind es auf Lewis Hamilton im Ferrari. Der Titel scheint früh vergeben, der Sieg in Baku allerdings nicht.
Wer sind Antonellis größte Konkurrenten?
Der Stadtkurs in Baku ist einzigartig und eine Herausforderung für Fahrer und Auto. In der verwinkelten Altstadt bietet die Strecke unter anderem die engste Passage des Jahres (7,6 m Breite), auf dem Weg zurück ins Ziel aber auch das längste Vollgasstück (2,2 km). Verschiedene Stärken fallen also ins Gewicht, das wird interessant: Der Mercedes scheint die beste Balance zwischen den Anforderungen zu schaffen und gilt als Favorit.
Der Ferrari ist gut in langsamen und mittelschnellen Kurven, könnte aber auf dem schnellen Teil viel Zeit verlieren. Ähnliches gilt für McLaren mit Weltmeister Lando Norris - vielleicht bringt der Samstag aber endlich den ersten Saisonsieg für Max Verstappen. Der Niederländer war zuletzt wieder Stammgast auf dem Podest, sein Auto zeigte sich auf verschiedenen Strecken stark verbessert. Und niemand hat in Baku häufiger gewonnen als Verstappen (2 Siege seit 2016).
Und wie geht es nach dem Rennen weiter?
Mit viel Reisestress und jeder Menge Ungewissheit. Der Kalender sieht noch neun Rennen in elf Wochen vor, wohlgemerkt: der aktuelle Kalender. Noch immer stehen Katar (29. November) und Abu Dhabi (6. Dezember) nämlich als abschließende Stationen im Programm, eine Rückkehr der Formel 1 in die Region ist derzeit aber kaum denkbar.
Nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran im Frühjahr 2026 waren bereits die Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien abgesagt worden, der Grand Prix von Bahrain wird nun in Malaysia nachgeholt. Am 4. Oktober trägt das kurzfristig eingefügte Rennen zur Terminhatz bei. Für den Fall einer Absage der WM-Läufe in Katar und Abu Dhabi wird als Ersatz schon seit Monaten Imola gehandelt - das hätte den Charme, dass Antonelli beim Finale in seiner Heimat als Weltmeister ins Ziel fahren könnte.
